I
ch warf einen Blick auf die Uhr. Es war kurz nach sieben. In einer Stunde würde er zu mir kommen. Oder besser gesagt auf Etage 82. Dort trafen wir uns immer, wobei er natürlich nicht der einzige Mann war, mit dem ich mich vergnügte.
Dustin kannte ich von all den Männern am längsten. Er kannte die Regeln. Er wusste, was ich wollte und was ich nicht ausstehen konnte. Genau das machte es mit ihm so einfach, doch ich hasste es, mich zu langweilen. Und genau deshalb würde ich ihn irgendwann austauschen müssen.
Wie schon so viele Männer vor ihm.
Ich wusste, dass es nur noch eine Frage der Zeit war. Doch heute würde ich die Stunden mit ihm noch mal genießen. Die Stunden, in denen ich einfach ich selbst sein konnte.
Die Stunden, in denen meine geheimsten Fantasien nicht länger ein Geheimnis bleiben mussten.
Und der Unterschied zwischen dem großen, erfolgreichen und mächtigen James Knight und dem Mann, der ich dort war, konnte nicht krasser sein.
Ich nahm die Treppe, die durch eine Luke im Boden meines Ankleidezimmers direkt hinab führte, in die Etage, zu der man nur gelangen konnte, wenn man wusste, wie.
Dustin verfügte über einen Code für den Fahrstuhl, genau wie Doctor Parash, der mich auch heute wieder vorbereiten würde. Wahrscheinlich war er bereits da und wartete auf mich. Ganz so, wie ich es wünschte.
Mittlerweile ersparte er mir auch die alte Leier über die Risiken, denen ich mich jedes Mal aussetzte.
Wahrscheinlich weil er wusste, dass sie mich einen Scheiß interessierten. Genauso wenig wie das Geld, das mich diese Prozedur immer wieder aufs Neue kostete.
»Ah, da sind Sie ja«, sagte er sofort, als er mich erblickte. Er wartete bereits im Schlafzimmer der Wohnung, die sich über zweihundert Quadratmeter erstreckte und mit allem ausgestattet war, was ich brauchte. Hier war ich nicht James Knight, sondern Sam Miller. Mein anderes Ich. Mein wahres Gesicht, das ich niemals mit James Knight vertauschen konnte oder durfte.
Im Gegensatz zu James trug Sam seine Haare nicht perfekt gestylt, sondern im out-of-bed-Look. Hier gab es keine Anzüge, sondern Jeans und T-Shirts.
In dieser Wohnung war ich nicht der erfolgreiche CEO, sondern der Mann, der kleine Hilfsarbeiten für den großen Boss erledigte.
Ich war derjenige, der Hilfe brauchte von den großen, starken, gut gebauten Männern, die mich hier umgaben.
In welcher Situation ich mich auch immer befand ...
Bei den Treffen mit Dustin brauchte ich den Doc, um mich in den Zustand zu bringen, der für das Spiel benötigt wurde. Bei den Treffen mit Andrew und Carter konnte ich diese Aufgabe Gott sei Dank selbst übernehmen. Dafür waren sie auch nicht
ganz so reizvoll, wie diese Treffen, die mir von allen am meisten Freude bereiteten.
»Sie kennen die Prozedur ja schon. Und die Risiken ebenfalls. Ich war nie hier und habe nichts damit zu tun«, sagte er noch einmal, so wie immer, bevor er mein Shirt nach oben schob und die Nadel einsetzte. Es war keine schmerzhafte, aber dennoch eine unangenehme Prozedur und eine risikoreiche noch dazu. Doch was konnte im schlimmsten Fall schon geschehen?
Nur das, was ich mit dieser Injektion herbeiführen wollte.
»So, fertig. Dann bis bald. Obwohl ich jedes Mal hoffe, dass Sie nicht mehr anrufen, damit ich nicht irgendwann ihre Gesundheit auf dem Gewissen habe«, tadelte er, bevor er das Apartment verließ. Ich atmete tief durch und schloss die Augen. Gleich würde es beginnen. Das Spiel, nach dem ich mich so sehr sehnte.
Meine Beine wurden heiß, bevor sie zu kribbeln begannen. Ich saß noch immer auf dem Bett und blickte hinab auf meine starken und durchtrainierten Beine, die sich Stück für Stück immer weiter von mir verabschiedeten. Bis zu dem Moment, an dem ich sie nicht mehr spüren konnte.
Sie waren tot. Leblos. Sie gehörten nicht mehr zu meinem Körper. Ich konnte sie weder spüren noch bewegen. Ab jetzt war ich auf die Hilfe von Dustin angewiesen. Und genau das war es, was mich unendlich anturnte.
Der große, mächtige Mann, gefesselt an den Rollstuhl. Angewiesen auf fremde Hilfe. Ich hatte jetzt nicht mehr die Kontrolle. Nicht mehr die Verantwortung. Jemand anderes musste sich um mich kümmern. Und nein, ich fand das Ganze mittlerweile nicht mehr krank. Ich hatte mich damit abgefunden und gelernt, es einfach zu genießen. Diese andere Seite von mir, die so sein konnte, wie sie sein wollte.
Meine Eltern hatten sich nie um mich gekümmert, also hatte ich früh gelernt, auf eigenen Beinen zu stehen, was ich jetzt im wahrsten Sinne des Wortes nicht mehr wollte.
In dieser Wohnung war nichts behindertengerecht umgebaut worden, denn genau das war die Herausforderung, vor die ich mich stellte. Und auch Dustin. Jedes Mal aufs Neue.
Ich wusste, dass Dustin auf meine Behinderung stand. Es turnte ihn genauso an wie mich. Genau das war der Reiz dieser Geschichte.
Bei Andrew und Carter war es ebenso. Ich war der Kerl, der sie anturnte, der ihnen hilflos ausgeliefert war.
Ich legte mich zurück ins Bett und zog mich mit den Händen nach oben. So begannen wir unser Spiel immer.
»Hallo Sonnenschein, hat dich noch niemand aus dem Bett geholt?«, fragte Dustin sofort, als er die Tür wenige Minuten später öffnete und den Rollstuhl hineinschob. Er schenkte mir ein freundliches Lächeln. Wie jedes Mal war es so, als hätte es mein Leben zwischen dem »zu Bett gehen« bei unserem letzten Date und dem Erwachen jetzt nicht gegeben.
Wir setzten genau dort an, wo wir beim letzten Mal aufgehört hatten. Er fuhr den Rollstuhl neben meine Bettseite und setzte sich kurz zu mir, um mich zu küssen. Dustin war in meinen Augen Sex auf zwei Beinen. Durchtrainiert und stark. Männlich und doch liebevoll. Er strich mir über die Wange, bevor er die Decke zurückschlug.
»Ich denke, wir sollten schauen, wie es dir heute geht. Was hältst du davon? Damit ich weiß, ob du heute etwas spürst.« Ich nickte, denn ich wusste genau, was jetzt kam.
Dustin öffnete den Knopf meiner Hose und zog diese langsam aus, bevor er mich von meinen Boxershorts befreite. Es war jedes Mal ein aufregendes und zeitgleich unglaublich erregendes Gefühl, zu sehen, wie er mich anfasste, ohne dass ich etwas davon spüren konnte. »Schließ die Augen und sag
mir, wenn du etwas merkst«, bat er mich, bevor er begann, verschiedenste Stellen meiner Beine mit einer spitzen Nadel zu berühren. Wie immer hatte der Doc ganze Arbeit geleistet. Erst als er schon oberhalb meines Bauchnabels angekommen war, sagte ich leise »jetzt«.
»Baby, es tut mir so leid.« Mitleidvoll blickte er mich an, während ich mit meinem Blick seinen Händen folgte. Wie er über meinen Schwanz fuhr und ihn in seine Hand nahm. Ich sah, wie er ihn drückte, wie er an ihm spielte, doch er blieb vollkommen schlaff.
Selbst als er mich dort mit der Nadel berührte, spürte ich es nicht.
»Wir kriegen das doch zusammen hin, oder?«, fragte ich, während er mich erneut küsste.
»Natürlich tun wir das. So wie immer, Baby. So wie immer. Was hältst du von einem entspannenden Bad?«
»Gerne.« Ich gab bei diesem Spiel nicht vor, wie unsere gemeinsamen Stunden aussahen. Das alles lag allein in Dustins Hand. Und ich vertraute ihm dabei voll und ganz.
Er zog mir nur meine Boxershorts wieder an und erhob sich vom Bett, um den Rollstuhl näher zu schieben.
»Zeig mir, was du kannst«, sagte er, während ich mich mit Mühe aufsetzte. Es war jedes Mal wieder eine absolute Herausforderung und genau so sollte es auch sein. Ich hasste nichts mehr als Langeweile.
Mit meinen Händen hob ich meine Beine an die Bettkante, bevor ich mich nach vorne schob. Alles unter den wachsamen Augen von Dustin. Ich wusste, wie sehr ich ihn damit anturnte.
Mit einem Arm stützte ich mich auf dem Sitz des Rollstuhls ab, bevor ich mich hinübermanövrierte. Gott sei Dank ohne zu fallen, denn auch das war mir schon mehr als einmal passiert. Ganz zur Freude von Dustin natürlich.
»Gut gemacht. Das Badezimmer wartet.« Ich setzte den Rollstuhl in Bewegung und verließ das Schlafzimmer. Direkt angrenzend befand sich der lichtdurchflutete, große Wohn– und Essbereich. Eine Treppe führte von dort aus zu einer Empore, auf der sich ein Billardtisch und ein Büro befanden. Es gab hier keinen Aufzug, weshalb ich auf Dustins Hilfe angewiesen war, falls ich die obere Etage erreichen wollte.
Hinter dem Wohn-Essbereich befand sich das luxuriöse Badezimmer, neben dem es in einen Raum ging, in dem wir eigentlich immer landeten, doch den Zeitpunkt bestimmte Dustin. Ich öffnete die Tür zum Badezimmer.
Dustin arbeitete als IT-Profi hier in New York. Doch nicht irgendwo, sondern ausgerechnet in meinem Unternehmen! Genau wie Andrew und Carter hatte ich ihn über eine Agentur kennengelernt, die darauf spezialisiert war, Fetische zu erfüllen.
Gott, ich konnte mich noch genau an den Moment erinnern, als ich damals den Schritt gewagt hatte, mich dort anzumelden. Es war mir so verdammt schwergefallen, doch die Sicherheitspolitik der Firma hielt, was sie versprach.
Ich hatte mir noch nicht einmal Sorgen darum gemacht, mit allem aufzufliegen, denn nicht nur mein Ruf stand auf dem Spiel, sondern auch der Ruf der Männer, mit denen ich mich traf. Sie hatten vielleicht nicht so viel zu verlieren wie ich, doch genug, um sich genauso an die Regeln zu halten, wie ich es tat. Und dann war Dustin aufgetaucht …
»Ich möchte, dass du dich zuerst duschst.«
»Dustin, es gibt keinen Sitz in dieser Dusche.«
»Duschen, dann baden.« Ich nickte bei seinen Worten, denn er stellte die Regeln auf. Regeln, die ich zu befolgen hatte. Und so befreite ich mich von meinem Shirt, bevor ich mich aus dem Rollstuhl auf den Boden manövrierte. »Kannst du mir mit den
Shorts helfen?«, fragte ich, doch Dustin hatte an meiner Stelle bereits im Rollstuhl Platz genommen, um mich zu beobachten.
»Baby, das schaffst du. Du musst lernen, eigenständiger zu werden.« Dieses Spiel war ein ständiges Wechselbad. Je nach seiner Laune. Manchmal half er mir, manchmal wollte er mich kämpfen sehen. So wie jetzt. Ich liebte beides.
Mit beiden Händen zog ich mich in die einigermaßen ebenerdige Dusche, die ich nur mit Mühe einschalten konnte, so weit oben wie die Armatur angebracht worden war. Das Wasser traf auf meine Beine, wobei ich nur durch das Spritzen der umherfliegenden Tropfen auf die restlichen Teile meines Körpers wusste, wie kalt es war. An meinen Beinen spürte ich davon rein gar nichts.
Ich schob meinen nutzlosen Körper wieder ein Stück nach vorn, wobei ich die Augen schloss, als das mittlerweile angenehm warme Wasser über mein Gesicht rann.
»Wasch dich«, hörte ich Dustins Stimme, während ich mich nach dem Duschgel reckte, das ich von meiner Position aus unmöglich erreichen konnte. Ich verlor den Halt und fiel zur Seite um wie ein nasser Sack.
»Baby, bist du okay?« Es war Dustins Stimme, der sich direkt über mich beugte und mir half, mich wieder richtig hinzusetzen.
Seine gesamte Kleidung war durchnässt, doch es gab hier im Apartment genug Sachen, die er anziehen konnte.
»Ich brauche deine Hilfe«, flüsterte ich, während er mir sanft über das Gesicht strich.
»Natürlich. Entschuldige, dass ich dich alleingelassen habe, aber du solltest sehen, was du alles leisten kannst«, erwiderte er, bevor er sich von seinen Sachen befreite.
Von meiner Position auf dem Boden aus betrachtete ich seinen durchtrainierten Körper und seine pralle Männlichkeit, von der ich nie etwas spüren würde.
Das war der einzige Wermutstropfen an diesem Spiel zwischen uns.
Dustin spritzte sich etwas von dem Duschgel auf seine Finger, bevor er begann, mich zärtlich damit zu waschen. Seine starken Hände kneteten meinen Rücken und fuhren durch meinen Nacken, während heiße Küsse meine Lippen bedeckten.
»Sieh hin, Baby«, forderte er mich auf, während er mit seiner Hand zwischen meine Beine glitt und meinen Schwanz einseifte, dann meine Beine und meine Füße.
Es war verrückt, wie erregt ich mich fühlte, obwohl mein Schwanz leblos zwischen meinen Beinen baumelte.
»Ich lasse uns Badewasser ein.« Dustin erhob sich vom Duschboden, während ich weiter dort sitzen blieb und ihn durch die geöffnete Tür beobachtete. Dieses Gefühl nicht einfach vom Boden aufstehen zu können. Dieses Gefühl, ihn zu brauchen und auf ihn angewiesen zu sein ...
»Komm hier rüber«, bat er mich, sodass ich die Dusche ausschaltete und mich mühsam zu ihm zog.
Es war nur eine so kurze Distanz, doch ohne den Einsatz meiner Beine kam es mir vor wie mehrere Kilometer.
Bei Dustin angekommen lehnte ich mich gegen die Badewanne, die eine unüberwindbare Hürde für mich darstellte. Zumindest ohne seine Hilfe.
»Schaffst du es, vom Boden in den Rollstuhl zu gelangen?«, fragte er mich, während ich unsicher auf den schwarzen Hightech-Rollstuhl blickte, der mir zur Verfügung stand. Ich hatte es ehrlich gesagt noch nie versucht, mich vom Boden dort hineinzuhieven, weil Dustin mir sonst immer behilflich war. Auch dieses Mal ließ er es nicht so weit kommen, dass ich es versuchte. Er positionierte sich vor mich und fasste mich unter den Armen, bevor er mich hochzog und hineinsetzte. Von dort
aus würde er mich in die Whirlpool Wanne heben, wo ich ihm wirklich vollkommen ausgeliefert war. Ohne seine Hilfe würde ich nie wieder aus diesem Teil kommen. Außerdem musste er mich halten, denn die Wanne war zu groß, um darin selbst Halt zu finden.
»Okay, leg deine Arme um meinen Hals und halt dich fest. Lass mich die Arbeit machen.« Ich nickte und sah Dustin kurz in die Augen, bevor ich ihn küsste. Es war bei uns selbstverständlich, genau wie bei Andrew, Carter und mir. Das alles gehörte für mich zum Spiel dazu.
Ich wollte die perfekte Illusion leben.
Mit einem Ruck hob Dustin mich auf seine starken Arme und drehte sich mit mir zur Badewanne um. Es war mir immer ein Rätsel, wie er das schaffte, schließlich war ich ebenfalls ein durchtrainierter Kerl. Etwas unsanft landete ich in der Badewanne, doch Dustin war sofort da, um mich an sich zu ziehen.
»Ich hab dich. Keine Angst, ich hab dich«, flüsterte er in mein Ohr, während ich mich gegen seine starke Brust lehnte und mich vollkommen fallen ließ. Seine Arme ruhten unter meinen Armbeugen und waren vor meiner Brust verschlossen, sodass ich nicht untergehen konnte, während meine Beine oben im Wasser trieben. Sie fielen der Schwerkraft vollkommen zum Opfer.
Dustin legte seine Beine über meine und drückte sie damit nach unten. Ich konnte seine Hand an meinem Schwanz sehen, wie er ihn drückte, wie er ihn rieb, und wieder turnte es mich an.
»Wie war dein Tag?«, fragte ich Dustin, der kurz seufzte. Wir redeten viel, wobei wir uns hier auf unsere Rollen konzentrierten, die nichts mit der wahren Realität zu tun hatten. Mein Name war schließlich auch nicht Sam Miller und das wusste Dustin ganz genau.
»Ich habe den ganzen Tag von dir geträumt und versucht, eine Möglichkeit für uns zu finden, um diese Wohnung zu verlassen«, sagte er, was mich direkt hellhörig werden ließ. Ich konnte nicht riskieren, dass mich dort draußen jemand erkannte.
»Es gibt keine Möglichkeit.«
»Doch, die gibt es. Zumindest für eine kleine, einmalige Flucht. Ich weiß, dass uns niemand erkennen soll, aber dafür kann doch gesorgt werden. Und nein, ich meine jetzt nicht mit einer billigen Perücke und einem angeklebten Schnurrbart. Ich habe mit der Agentur gesprochen. Es gibt die Möglichkeit sich von einer Stylistin umgestalten zu lassen, dass uns beide mit Sicherheit niemand erkennen würde.«
»Wirklich?«, fragte ich überrascht. Mit dieser Möglichkeit hatte ich nicht gerechnet.
»Ja, wirklich. Du könntest es mit Andrew und Carter auch tun. Ich weiß, dass du dir das genauso sehr wünscht, wie ich es mir wünsche und den beiden anderen Männern geht es mit Sicherheit ähnlich.« Dustin wusste von meinen anderen Abenteuern mit den zwei anderen Männern, während er mir versichert hatte, dass es für ihn nur mich gab.
Ich musste nicht mal darüber nachdenken!
»Lass es uns tun«, sagte ich voller Entschlossenheit, denn verdammt, was wünschte ich mir mehr, als diesen Fetisch nur einmal in aller Öffentlichkeit auszuleben. Dort, wo ich eigentlich der unverwundbare, starke, bestimmende, arrogante Mistkerl war, dem keiner etwas vorschrieb. Und niemand würde mich dabei erkennen ...
»Irgendwie habe ich gewusst, dass du dabei bist«, erwiderte Dustin lachend und küsste mich auf meinen Haaransatz. Die Zeit mit ihm war besonders. Ich konnte ihn nicht gehen lassen, auch wenn es mit Sicherheit längst überfällig war, ihn auszutauschen. Diese Treffen bedeuteten einfach zu viel für mich.
Nach unserem gemeinsamen Bad hob Dustin mich wieder aus der Wanne, doch er setzte mich nicht in den Rollstuhl, sondern auf den Fußboden des Badezimmers, wo er begann, mich abzutrocknen, während ich wie ein Baby auf dem Rücken lag und seine Hilfe brauchte. Ich konnte mein Gleichgewicht nicht gut halten, da die Betäubung meiner Nervenbahnen heute auch meinen gesamten Hintern und Teile meines Oberkörpers betraf. Es war jedes Mal unterschiedlich, wie hoch die Parese ging, doch dieses Mal hatte der Doc wirklich ganze Arbeit geleistet.
Mittlerweile benutzte er natürlich auch das richtig gute Zeug. Unerprobt, aber scheißegal. Solange es weiterhin dafür sorgte, dass ich meine Beine bis zu zehn Stunden nicht spürte. Das neue Zeug sollte sogar achtzehn Stunden halten.
Achtzehn Stunden, die ebenfalls viel zu schnell vorbeigehen würden.
»Folgst du mir in den Tempel? Allein der Gedanke daran, mit dir aus diesem Apartment herauszukommen, macht mich so wild, dass ich es kaum noch aushalte.«
Der Tempel. Das extra errichtete Zimmer, in dem uns alles zur Verfügung stand, was wir für die Erfüllung unserer Lust brauchten.
Dustin war mit dem Rollstuhl vorangegangen, sodass ich mich mit meinen Armen voranziehen musste. Etwas, das ihn heute anscheinend mehr aufgeilte als normalerweise, denn da ließ er mich den Rollstuhl definitiv öfter benutzen.
Er wartete in der Badezimmertür auf mich. Die Arme verschränkt, so wie er es immer tat, während er mich lustvoll beobachtete.
Gut, dass der Tempel nicht zu weit entfernt war. Und gut, dass er mir immerhin eine Boxershorts angezogen hatte, damit ich mir meinen Schwanz nicht wund rieb, da er mich aufforderte, mich auf den Bauch zu drehen und voranzuziehen, statt auf dem
Arsch. Auch das tat ich, so wie er es von mir verlangte. Selbst wenn es noch anstrengender war.
Als ich im Tempel ankam, zitterten meine Arme vor Anstrengung und ich ließ mich auf den Boden sinken, um ein wenig durchzuatmen. Etwas, das Dustin für mich anscheinend nicht vorgesehen hatte.
»Was ist los, Baby?«, fragte er, während ich mich weiter nach vorne zog. An den Ort, an dem er mich haben wollte.
»Ich kann nicht mehr«, gab ich zu, sodass er sich endlich zu mir beugte und mich erneut unter den Armen packte, um mich auf das Bett zu setzen. Natürlich verlor ich wieder das Gleichgewicht, doch Dustin hielt mich und legte mich nach hinten über.
In dem Raum befand sich so viel Sexspielzeug, dass ich mit meinen anderen Partnern, wenn man sie denn so nennen konnte, stets die Qual der Wahl hatte. Mit Dustin war ich natürlich sehr viel eingeschränkter. Wobei, bei Andrew war es auch nicht einfach ... rein gar nicht ...
Doch bei Dustin und mir ging es um einen ganz anderen Kick. Um eine ganz andere Form der Lust.
»Baby, du musst mich jetzt erlösen«, sagte er, was mir ein Grinsen aufs Gesicht zauberte. Darum bat er mich nicht oft, doch heute war er besonders angeturnt.
»Wie gerne ich dich jetzt richtig ficken würde«, erwiderte ich und meinte es ausnahmsweise sogar wirklich ernst. Doch so musste ich mit dem klarkommen, was mir noch zur Verfügung stand. Mein Schwanz war es jedenfalls nicht.
Dustin legte sich neben mich auf das Bett, während ich mich mit meinen Armen abstützte. Es gab viele Toys, die ich nun gerne benutzen wollte, doch sie alle konnte ich nicht erreichen.
Also würde ich mit meinem Mund arbeiten. Wir hatten noch so viele Stunden vor uns, in denen ich alles andere ausleben konnte.
Ich rutschte langsam zum Ende des Bettes, wo ich mich auf den Bauch drehte. Dustin wusste bereits, was ich vorhatte, weshalb er mir den Gefallen tat, und seine Beine spreizte, sodass ich mich zwischen ihnen nach oben ziehen konnte.
Ich leckte mir die Lippen beim Anblick seines prallen Schwanzes, der es kaum abwarten konnte, dass ich ihn berührte.
Ich küsste ihn und genoss das leise Stöhnen, das aus seiner Kehle entwich. Er war wirklich empfindlich heute.
Vielleicht machte ihn der pure Gedanke an die gemeinsame Zeit außerhalb dieser Wohnung genauso scharf wie mich.
Ich nahm seinen Schwanz in meinen Mund, bereit, es ihm mit den mir zur Verfügung stehenden Mitteln so richtig zu besorgen. Dustin bäumte sich auf, wahrscheinlich bereit zu kommen, doch so einfach würde ich es ihm nicht machen. Ich entließ seinen Schwanz wieder aus meinen Fängen und begann an ihm zu lecken.
Mit meiner Zunge fuhr ich über seine Eichel und kostete einen ersten kleinen Tropfen, der mir noch einmal verdeutlichte, wie bereit er war.
„Ich will dich in meiner Kehle spüren“, raunte ich, was ihm ein freudiges Grinsen auf die Lippen zauberte.
„Du machst mich wahnsinnig.“ Dustin erhob sich vom Bett, um meinen Rollstuhl zu holen.
„Nein warte, nicht im Rollstuhl. Im Liegen“, bat ich ihn und begann langsam und mühevoll, mich in die richtige Position zu bringen.
Dabei war mir mehr als bewusst, wie durchdringend er mich beobachtete. Ich zog mich ganz zum Ende des Bettes, sodass ich meinen Hals nach hinten strecken konnte, während Dustin eine Hand in meinen Nacken legte.
Es war nicht das erste Mal Deepthroating für uns, doch normalerweise saß ich dabei im Rollstuhl.
Ich war gespannt darauf, wie sich diese Position wohl anfühlen würde. Dustin stöhnte auf, als ich seine Eier hart umfasste und sie sanft massierte, bevor ich den Mund für ihn öffnete.
Er wusste, wie weit er gehen konnte und ich wusste, was ich bereit war, ihm zu geben.
Ein leichtes Würgen entfuhr mir, als er mit dem Ende seines Schwanzes an meine Kehle stieß. Ich schluckte und kämpfte dagegen an. Die ersten Sekunden waren nie schön, doch wenn wir uns erst mal bewegten …
Das wusste auch Dustin, der sich ein Stück zurückzog, bevor er ihn wieder tiefer in meinem Mund versenkte.
Fuck.
Dieser Mann brachte mich um den Verstand.
Mein Körper wurde von purer Lust durchzuckt und dabei spielte es wirklich keine Rolle, ob ich meinen Schwanz spürte oder nicht. Diese Lust war anders.
Ich drückte Dustins Eier wieder, massierte sie und ließ sie hin und her tanzen, während er meinen Mund fickte.
Immer wilder. Immer fordernder. Immer besessener davon, meine Kehle zu bearbeiten.
»O Gott sei Dank, Baby«, presste er hervor, während er laut aufstöhnte. Sein Körper erbebte durch die Heftigkeit seines Höhepunkts und sein praller Schwanz pulsierte in meinem Mund.
Nur Sekunden später ergoss er sich in meinem Mund und sein Saft glitt meine Kehle hinab, während ich genüsslich schluckte.
Als er sich aus mir zurückzog, lächelte ich zufrieden. Auch wenn ich selbst keine Möglichkeiten hatte, im physischen Sinn zu kommen, so machte es mich nicht weniger an, ihm dabei zuzusehen, wie er kam.
Bei Andrew würde mir das nie möglich sein.
Ich zog mich zurück zum Kopfteil, wo ich eine Weile einfach nur auf Dustins Arm lag und die Zweisamkeit mit ihm genoss. Etwas, das mir schon seit längerer Zeit zu denken gab. Die Treffen mit den anderen beiden Männern verliefen definitiv vollkommen unterschiedlich zu allem, was ich mit Dustin erlebte. Wir redeten nicht viel, wir schmusten nicht. Es ging um das Ausleben der Fantasien und um den puren Sex. Doch bei Dustin und mir konnte es durch mein Handicap nicht so sehr darum gehen.
»Was hältst du davon, wenn wir etwas essen?«, fragte ich, was Dustin zum Lachen brachte.
»Nachtisch hatten wir ja schon«, entgegnete er und erhob sich grazil aus dem Bett. Ich blieb liegen und begutachtete seinen nackten Körper. Er war so perfekt durchtrainiert, wie ich es auch war. Mit einem Sixpack, breiten Schultern und unglaublichem Bizeps. Vielleicht war er sogar noch ein Stück besser trainiert als ich. Ich liebte es jedenfalls, ihn zu betrachten.
»Gefällt dir, was du siehst?«, fragte er, ganz genau wissend, dass ich ihn beobachtete.
»O verdammt, ja!« Er lachte bei meinen ehrlichen Worten.
»Komm. Auf geht’s. Ich möchte dich auf dem Barhocker sehen.« Verwirrt hob ich die Augenbrauen, während Dustin laut auflachte. »War ein Spaß«, erwiderte er und kam zum Bett. »Obwohl, Stehrollstuhl wäre doch mal wieder etwas oder meinst du nicht?«
»Ganz, wie du möchtest.«
»Oh, wenn ich so könnte, wie ich wollte ...«
In dieser Nacht schliefen wir wieder einmal nicht viel. Doch das war ich ja bereits gewohnt. Da ich am nächsten Tag eh nie arbeiten gehen konnte, war es mir aber vor allem scheißegal.
Selbst wenn die Wirkung der Betäubung nachließ, so war ich doch den gesamten weiteren Tag noch ein wenig wackelig auf den Beinen. Etwas, das ich im Büro garantiert niemandem logisch erklären konnte.
»Bis zum nächsten Mal, Baby«, verabschiedete sich Dustin am nächsten Morgen, und weckte mich mit diesen Worten aus einem tiefen Schlaf. Schließlich waren wir erst vor zwei Stunden ins Bett gegangen. Ich murmelte ebenfalls etwas, schloss meine Augen allerdings noch mal, um weiterzuschlafen.
Noch musste ich nicht aufstehen.
Es war bereits zehn Uhr, als ich einen Blick auf meine Rolex warf.
Nur dass ich dieses Mal nicht wie sonst meine Beine aus dem Bett schwang und losmarschierte. Sie waren noch immer vollkommen tot. Fasziniert fuhr ich mit den Fingern darüber, ohne etwas zu spüren. Ich musste dem Doc beim nächsten Mal definitiv ein Kompliment machen für das neue Zeug. Es würde Dustin und mir so viel mehr Zeit geben, wenn wir dieses Apartment verließen.
Ich musste dringend noch mit ihm die Details klären. Auch, wenn ich eigentlich darauf verzichtete, außerhalb dieser Treffen Kontakt zu den Männern aufzunehmen. Bei den anderen beiden war es mir bis jetzt auch immer gelungen. Bei Dustin nicht ...
Wir hatten schon mehr als einmal miteinander geschrieben.
Als ich meine Beine am Mittag noch immer nicht spürte, musste ich wohl oder übel in den sauren Apfel beißen und mich die Treppen nach oben ziehen zu dem provisorischen Büro in diesem Apartment. Ich musste wenigstens meine Mails beantworten und garantiert auch einige Sachen prüfen. Doch die Treppe stellte sich als unüberwindbares Hindernis für mich dar.
Dass ich dieses verdammt geile Gefühl einmal so lange am Stück genießen konnte, hätte ich nicht für möglich gehalten.
Nur dass es mich ohne Dustin und seine Hilfe wirklich an meine Grenzen brachte.
Es war bereits Abend, als ich endlich in der Lage war, mich die Treppen zu der geheimen Klappe in meinem Apartment hinaufzuschleppen, wobei ich mehr auf dem Arsch Stufe für Stufe hinauf rutschte, als zu laufen.
Oben angekommen war ich unendlich froh, dass niemand sah, wie ich durch die Wohnung lahmte. Wenigstens konnte ich so auf meinem Bürostuhl sitzen und arbeiten. Das Zeug war definitiv nicht zu unterschätzen. Entweder wir stiegen wieder um, oder aber ich musste demnächst zwei Tage zur Dienstreise nach meinen Treffen mit Dustin.
Am nächsten Morgen fühlte ich mich komplett wiederhergestellt, sodass ich auch bereit war, Violet in meinem Apartment zu begrüßen, um zusammen mit ihr zu frühstücken. Etwas, das wir öfter gemeinsam taten, wenn ich es mit der Arbeit einrichten konnte.
»Gott, du siehst grauenvoll müde aus«, sagte sie direkt, als sie mich erblickte, während ich nur mit den Schultern zucken konnte.
»Später Flug und noch ewig gearbeitet.« Zumindest der letzte Teil dieser Geschichte entsprach der Wahrheit. Ich hatte gestern einiges nachholen müssen, dank meiner Unfähigkeit einen Computer zu erreichen.
»Du arbeitest dich irgendwann tot. Aber du weißt ja schon, dass ich so denke. O Gott, sag mir bitte nicht, dass du deine Haushälterin wieder damit beauftragt hast, diesen grauenhaften Tee zu kochen.«
»Natürlich habe ich das. Er soll gut sein bei Wassereinlagerungen in der Schwangerschaft.«
»Sagt der Mann, der nicht mal weiß, wie sich Wassereinlagerungen anfühlen.«
»Du weißt, dass ich nur das Beste für dich und die Kleine will.« Statt etwas zu erwidern, zog Violet mich in eine herzliche Umarmung.
»Ja, das weiß ich. Und auch, wenn es vielleicht schräg ist, dass ich das sage, aber ich könnte mir keinen besseren Vater für die Kleine wünschen als dich. Bei dir kann ich mir sicher sein, dass du immer für sie da sein wirst und nur das Beste willst.«
»Aww, Vi«, entfuhr es mir, bevor ich es war, der sie umarmte. Es rührte mich sehr, diese Worte von ihr zu hören. Vor allem, wenn man bedachte, wie diese Freundschaft, oder nach außen hin Beziehung, zwischen uns entstanden war. Umso schöner, dass wir so gut miteinander klarkamen.
»Lass mich lieber los, sonst werde ich sofort wieder emotional und heule rum. Du kennst das ja.«
»Ja, allerdings. Bist du bereit für die Gala heute Abend?«
»Nein! Und ich hasse dich dafür, dass du mich trotz meines Bauchs und dieser Füße dorthin schleppst.«
»Du wirst so oder so die hübscheste Frau im Umkreis von tausend Meilen sein. Bauch und Füße hin oder her und das weißt du auch.«
»Erwähnte ich schon, dass ich mir nach der Geburt meinen alten Körper wiederherstellen lassen werde? Und zwar so schnell wie möglich.«
Ich lachte auf bei ihren Worten, denn ich wusste, dass sie es nicht ernst meinte. Selbst wenn sie es sich leisten könnte. Violet war von Natur aus schön. Außerdem liebte sie Sport. Sie würde bestimmt im Nullkommanichts wieder so dünn sein, wie sie es vorher gewesen war. Und das ganz ohne Schönheitschirurgen.
Ich wusste, dass sie die Gala genoss. Das konnte ich am Abend ganz deutlich in ihrem Gesicht ablesen, während sie die ihr bekannten Frauen begrüßte und sie schnell anfingen, über irgendwelche Baby- und Designerdinge zu sprechen, von denen ich keine Ahnung hatte.
»So ein Glücksgriff. Ich kann dich nur immer und immer wieder beneiden.« Einer meiner wichtigsten Geschäftspartner klopfte mir auf den Rücken, während er zu Violet blickte. Ich lächelte, auch wenn mir rein gar nicht danach zumute war.
Wäre ich ein Heteromann, könnte ich sie vielleicht ganz ohne diesen Vertrag zwischen uns als meine Frau bezeichnen und mit ihr glücklich werden.
Jedenfalls war ich der festen Meinung, dass jeder Heteromann, der sie nach dem Ende unseres Vertrags für sich gewinnen konnte, ein verdammt glücklicher Mann werden würde.
So eine Frau wie Violet fand man nicht alle Tage. Sie war speziell. Vermutlich hätte sie sich auch niemals auf diesen Deal eingelassen, wäre nicht der riesige Schuldenberg ihrer Eltern gewesen ...
Sie kam aus einem ähnlich beschissenen Elternhaus wie ich. Nur dass sie aus der ganzen Sache deutlich unbeschadeter hervorgekommen war.
Zumindest glaubte ich das. Was sie hinter meinem Rücken trieb, konnte ich natürlich nicht erahnen. Genauso wenig, wie sie es von mir wusste.
Nur noch zwei Tage, bis ich Andrew wiedersehen würde. Auch auf ihn freute ich mich. Wenn auch deutlich weniger, als es bei Dustin der Fall war.
Dustin, über den ich einfach viel zu viel nachdachte.
Heute hatte ich mich schon mehrere Male dabei erwischt.
Ich musste die ganze Sache ernsthaft beenden. Doch zuerst wollte ich den Ausflug mit ihm genießen.
Unbedingt.
Raus aus diesem Apartment und einen Tag in dem Fetisch verbringen.
Es war mein größter Traum und er würde sich hoffentlich schon bald erfüllen ...
»Möchtest du tanzen, schöne Frau?« Violet akzeptierte lächelnd meine Hand.
»Was ist los mit dir heute Abend?«, fragte sie mich, als wir auf der Tanzfläche angekommen waren, wo ich sie in meine Arme zog.
»Keine Ahnung, was soll los sein?«
»Du bist stiller als normalerweise und sehr viel nachdenklicher. Ist irgendwas passiert?« Lächelnd schüttelte ich den Kopf, während sie mich mit ihren großen Augen aufmerksam musterte.
»James, du weißt, dass du mit mir reden kannst, oder?« Das wusste ich tatsächlich. Nicht nur, weil sie vertraglich zu absolutem Stillschweigen verpflichtet war, sondern auch, weil ich ihr vertraute. Uneingeschränkt und aus tiefstem Herzen. Und doch konnte ich mich auch Violet gegenüber nicht vollkommen öffnen. Diese Dinge, die ich mit Dustin, mit Andrew und mit Carter trieb – und das im wahrsten Sinne des Wortes – würden sie nur erschrecken. Und das wollte ich nicht. Sie sollte dieses Bild von mir behalten, das sie hatte.
Schließlich war ich der Vater ihres Kindes und das würde ich auch für immer bleiben.
»Es ist alles in Ordnung. Wirklich, Vi. Mach dir keine Gedanken.«
»Die mache ich mir aber, wenn ich so deutlich wie jetzt sehe, dass es dir nicht gut geht und du dich mit irgendwas quälst.«
»Ich quäle mich nicht.«
»Du weißt, dass das eine glatte Lüge ist. Du quälst dich seit Jahren.« Ich nickte traurig, während ich Violet noch
näher an mich zog. Erst war ich jahrelang durch die Ignoranz meiner Eltern gequält worden, die sich einen Scheiß um mich gekümmert hatten, und jetzt quälte ich mich selbst, indem ich mein wahres Ich so tief wie nur möglich vergrub.
Ich versuchte ihre Worte nicht zu nah an mich heranzulassen, denn sie trafen mich an einem wirklich wunden Punkt. Und das gerade hier, gerade jetzt. Vor Menschen, mit denen ich Geschäfte machte.
Ich durfte keine Schwäche zeigen.
Hier musste ich der arrogante, unantastbare Mistkerl sein, für den sie mich alle hielten.
»Wenn du willst, dann kann ich so tun, als müsste ich nach Hause, damit wir von hier verschwinden können«, flüsterte Violet mir ins Ohr, während ich langsam nickte. Ich wollte wirklich nur weg von hier.
Im Auto angekommen hielt Violet meine Hand in ihrer, während ihr Blick noch immer auf mir ruhte.
»Du hast deine Maske noch nie so sehr fallen lassen«, sagte sie und brachte mich dazu, sie anzusehen. »Was ist los mit dir, James?«
»Ich hab keine Ahnung. Vielleicht bin ich einfach nur müde.«
»Du arbeitest zu viel.«
Ich hatte diese Müdigkeit nicht mal auf meine Arbeit oder meinen rein physischen Zustand bezogen, war allerdings froh, dass Violet es so verstand.
Ich war müde davon, diese Rolle zu spielen. Müde, dieser Mann zu sein, der in Wahrheit nichts mit mir zu tun hatte.
Vielleicht hätte ich besser Schauspieler werden sollen, als mein eigenes Imperium aufzubauen. Ein gewisses Talent dazu schien ich zu besitzen.
An diesem Abend wünschte ich mir zum ersten Mal seit einer Ewigkeit, mich sinnlos zu besaufen, doch ich blieb nüchtern.
Alkohol würde meine Stimmungslage eher noch verschlimmern, statt sie auch nur ansatzweise zu verbessern.