Die Sache mit dem neuen Leben
A
ls ich am Abend nach Hause zurückkehrte, war der Umbau in meinem Apartment bereits abgeschlossen.
In der Dusche befand sich eine Sitzbank, um die Toilette waren Halterungen angebracht, doch mein persönliches Highlight befand sich im Wohnzimmer.
Ein Rollator, ein paar Unterarmstützen, ein weiterer Stock, ein hochmoderner Carbon-Rollstuhl und ein elektrischer Rollstuhl, mit dem man auch aufstehen konnte.
»Ich weiß nicht, ob ich mich an diesen Anblick gewöhnen kann«, erklang Violets Stimme hinter mir. Sie war noch im Apartment gewesen, da sie die Umbauarbeiten überwacht hatte.
»Das wirst du. Keine Angst.«
»Ich habe aber Angst! Anscheinend ganz im Gegensatz zu dir. Wie schlimm ist es heute?«
»Es ist okay«, erwiderte ich und ging langsam auf sie zu, wobei sich ihre Augen bereits wieder mit Tränen füllten. Es tat mir so unendlich leid, ihr diesen Schmerz zuzufügen, denn das hatte sie definitiv nicht verdient. Doch nur so konnte ich endlich damit anfangen, so zu leben, wie ich es wollte.
»Ich habe Angst, mit dem Baby allein dazustehen, verstehst du?«, schluchzte sie, während ich sie an mich zog.
»Das verstehe ich, aber dafür gibt es keinen Grund, okay? Ich kann und werde dir helfen und allein wirst du auf gar keinen Fall sein. Wir haben alle finanziellen Möglichkeiten, um uns Unterstützung zu holen.«
»Ich weiß. Aber … ich hab halt wirklich Angst.«
»Die musst du nicht haben. Ich bin mir sicher, dass sich alles zum Guten wenden wird.«
»Wie hat die Belegschaft reagiert?«
»Ich werde es erst Morgen bekanntgeben. Matt und Paul wissen es und haben mir natürlich auch uneingeschränkt ihre Unterstützung zugesagt, doch was bleibt ihnen auch anderes übrig? Schließlich würde ich sie sonst rausschmeißen.«
Ich lachte, während sich auch ein kleines Lächeln auf Violets Gesicht ausbreitete.
»Hast du Lust, mit mir zu essen? Es ist genug da.«
»Habe ich jemals keine Lust gehabt, seit ich schwanger bin? Übrigens ist morgen der Ultraschalltermin. Ich weiß ja nicht, ob du ...«
»Natürlich werde ich mitkommen«, unterbrach ich sie sofort. Auch die Praxis ihrer Frauenärztin war weitestgehend barrierefrei, sodass ich zur Not sogar mit dem Rollstuhl hinfahren konnte. Doch das stand für morgen gar nicht auf meinem Plan. Ich würde mir vielleicht noch ein wenig mehr vom Doc geben lassen, sodass das Bein so taub blieb, wie es heute war. Das hatte mir außerordentlich gut gefallen.
Und da der Doc jetzt jeden Tag vorbeikam, standen mir auch alle Möglichkeiten offen.
Violet würde ich erzählen, dass er der beste Physiotherapeut der Welt war und deshalb jeden Morgen mit mir ein paar Übungen absolvieren würde, bevor ich zur Arbeit aufbrach.
Dass er derjenige war, der mich in diesen Zustand versetzte, davon durfte sie natürlich nie etwas erfahren.
Die Wirkung der Spritze, die mir der Doc verpasste, setzte schon nach kürzester Zeit ein, sodass ich mich am Morgen wieder schwer auf den Stock stützen musste, um ins Büro zu gehen.
Keyla sah mich bereits mit einem mitleidigen Blick an, als ich um die Ecke bog. Auch mit ihr hatte ich gestern noch gesprochen. Jetzt würde sie hoffentlich aufhören, mich anzubaggern, denn mit diesem Handicap war ich in ihren Augen garantiert nicht mehr der tolle Hecht, sondern die arme Sau.
Ich hatte mich in der Nacht dagegen entschieden, den Mitarbeitern irgendeine Rechenschaft abzulegen. Sie würden es so oder so über kurz oder lang durch den Bürofunk erfahren. Oder durch irgendeine Klatschzeitung.
Sobald die Gerüchte weiter Fahrt aufnahmen, würden sie sich mit Sicherheit bei mir melden, um eine Story zu bringen.
So würde es an die Öffentlichkeit kommen ... und ich war bereit. Noch immer. Obwohl ich nun schon mehrere Nächte darüber geschlafen hatte. Dank dieses Schrittes war ich so glücklich wie wahrscheinlich noch nie in meinem Leben.
Wie es erst sein würde, wenn ich zum ersten Mal mit dem Rollstuhl ins Büro fuhr? Ich konnte es wirklich kaum erwarten.
Am Nachmittag fand ich mich pünktlich beim Frauenarzt ein, um Violet zu dem Ultraschalltermin zu begleiten, genau wie ich es ihr versprochen hatte.
Es würde nicht mehr lange dauern, bis ich diesen kleinen Menschen endlich in meinen Armen halten würde.
»Oh, der werdende Vater, was sehe ich denn da? Hatten Sie einen Unfall?«, fragte die Frauenärztin direkt, als wir das Untersuchungszimmer betraten, während beinah zeitgleich ein Schluchzen aus Violets Kehle drang. Vielleicht wäre es doch besser gewesen, ihr die Wahrheit zu sagen. Ich hasste es, sie so
leiden zu sehen. Doch gleichzeitig hatte ich ebenfalls jahrelang gelitten ...
Das war keine Ausrede, keine Rechtfertigung ... es war falsch. So oder so.
»Vi«, flüsterte ich und rieb ihr über den Rücken. »Ich habe einen gutartigen Tumor, alles ist okay, aber Violet macht sich verständlicherweise Sorgen.«
»Weil nichts okay ist. Du wirst in einem verdammten Rollstuhl landen. Was ist daran okay?«
»Ich werde trotzdem für die Kleine da sein können. Es hätte alles viel schlimmer kommen können, wäre der Tumor bösartig, oder?«
»Das tut mir wirklich aufrichtig leid, so etwas zu hören. Gerade in dieser eigentlich so schönen und aufregenden Zeit.«
»Sie ist trotzdem schön und aufregend. Wir freuen uns auf das Baby«, erwiderte ich auf die Worte der Ärztin, während Vi sich auf die Liege legte.
»Sie wissen, dass dieser Stress sich auf das Baby überträgt. Auch wenn es schwer ist, in dieser Zeit stark zu bleiben.«
»Ich weiß«, flüsterte Violet.
»Dann werden wir mal schauen, wie es der kleinen Prinzessin geht. Jetzt dauert es nicht mehr lange, bis sie das Licht der Welt erblicken wird. Ich habe gerade noch einmal überlegt, aber natürlich ist in dem Geburtsraum, den sie sich ausgesucht haben, alles barrierefrei. Es sollte für sie beide also kein Problem sein, diesen Augenblick zusammen zu genießen.«
Ich nickte lächelnd, auch wenn ich schon jetzt wusste, dass ich zu diesem Zeitpunkt weder im Rollstuhl sitzen würde noch angeschlagen wäre. Dieser Moment gehörte Violet, dem Baby und mir. Nicht meinen verrückten Fantasien. Nur konnte man bei Babys immer so schlecht planen, wann sie sich tatsächlich auf den Weg machten.
Mit ganz viel Pech ... doch darüber wollte ich nicht nachdenken. Selbst wenn ich zu diesem Zeitpunkt gerade an den Rollstuhl gefesselt sein würde, konnte ich teilnehmen. Es spielte einfach keine Rolle.
»Da haben wir sie ja«, sagte die Ärztin, während ich wieder dieses warme Gefühl spürte, das augenblicklich durch meinen Körper schoss, sobald ich diesen kleinen Menschen sah.
Es war ein Wunder.
Ein wunderschönes Wunder, an dem ich teilnehmen durfte.
Kleine Händchen, die sich bewegten. Kleine Füßchen, die traten. Eine kleine Nase. Auf diesem Ultraschallgerät konnte man so viele atemberaubende Details erkennen.
»Das sieht alles ganz, ganz wunderbar aus«, klärte uns die Ärztin auf, was mich wieder einmal erleichtert durchatmen ließ. Vor jedem Ultraschall war ich aufs Neue angespannt und besorgt, dass vielleicht nicht alles gut war. Doch dafür hatte es bis jetzt nie einen Grund gegeben. Jetzt musste nur noch die Geburt gutgehen.
»Siehst du, sie ist wunderschön. Ganz wie ihre Mutter.« Violet lächelte bei meinen Worten und drückte meine Hand. Wir würden dieses Wunder bald zusammen auf dieser Erde begrüßen können.
Ein kleines, unschuldiges Wesen, das sich vollkommen auf uns verließ. Ich würde ihr die Welt zu Füßen legen und alles dafür tun, dass sie ein besseres Leben haben würde, als ich es je gehabt hatte.
Ein Leben voller Liebe. Voller Selbstbestimmung. Voller Sicherheit.
Ich würde ihr beibringen, dass es okay war, Nein zu sagen und seine eigenen Träume zu verwirklichen, selbst wenn sie nicht den Regeln der Gesellschaft entsprachen.
Wer konnte ihr das auch besser beibringen als ihr schwuler Daddy mit der Gehbehinderung?
»Lass uns etwas essen gehen. Matt und Paul haben in der Firma alles im Griff und ich könnte gut einen Happen vertragen«, schlug ich vor, während Violet mich für einige Sekunden eher skeptisch anblickte.
Ob sie vielleicht nicht so mit mir gesehen werden wollte? Darüber hatte ich noch gar nicht nachgedacht.
Violet war immer sehr auf ihr Äußeres und das perfekte Erscheinungsbild bedacht, weshalb es ihr auch so schwergefallen war, in der Schwangerschaft noch in der Öffentlichkeit aufzutreten.
Ein Mann, der sich nur mit Mühe fortbewegen konnte an ihrer Seite ... »Du willst nicht so mit mir gesehen werden, richtig?«, fragte ich also ganz direkt. Es war bei uns nicht so, dass wir auf die Gefühle des anderen Rücksicht nehmen musste. Wir führten keine Beziehung. Das zwischen uns war ein Arbeitsverhältnis, wenn man es denn so nennen wollte. »Hör zu, das ist okay. Es ist nicht das, worauf du dich eingelassen hast, und das verstehe ich.«
»Es ist idiotisch von mir und dämlich und gemein und ...«
»Und vollkommen in Ordnung. Vi, du hast wirklich schon genug für mich getan. Es ist okay, wenn du deine eigenen Grenzen aufzeigst. Das finde ich sogar gut. Du musst dich nicht so mit mir zeigen, wenn du das nicht willst.«
»Aber das Baby und ...«
»Wir werden einfach unsere Trennung bekanntgeben.« Verdammt, mir war dieser Schritt sogar recht. So würde ich nicht mehr eine Ewigkeit damit warten müssen, mich irgendwann mit Dustin in der Öffentlichkeit zu zeigen.
»Ich weiß es nicht, James ...« Ihre Tränen waren echt. Und das wusste ich.
»Der Vertrag läuft so oder so irgendwann aus. Wir werden schon eine gute Lösung für uns finden. Ganz ohne Auswirkungen auf das Baby oder unsere Freundschaft.«
»Ich habe jemanden kennengelernt. Jemanden, der mir wirklich etwas bedeutet.« Ihre Worte überraschten mich.
»Wirklich?«
»Ja, vor vier Monaten. Ich wollte es dir die ganze Zeit über sagen, aber ich wusste nicht, wie ich so ein Gespräch beginnen sollte.«
»Vi, das ist wunderbar. Ich freue mich wirklich für dich. Wie heißt er, wie alt ist er, was macht er beruflich? Ich hätte da so einige Fragen.« Violet lachte auf und schüttelte den Kopf.
»Das ist wirklich okay für dich oder sagst du das jetzt nur so, um mich nicht noch trauriger zu machen?«
»Das ist wirklich verdammt okay für mich. Solange ich ihn leiden kann zumindest. Lass uns nach Hause fahren und etwas bestellen, dann können wir uns über alles in Ruhe unterhalten. Wie klingt das?«
»Zu schön, um wahr zu sein.«
Ich legte kurz meinen Arm um sie, bevor wir in ihr Auto einstiegen. Ich war zuvor mit dem Taxi hierhergefahren, denn da mein rechtes Bein fast vollkommen lahmgelegt war, konnte ich kein Auto fahren.
Zumindest noch nicht. Ein behindertengerechter Wagen war bereits auf dem Weg.
So ernst meinte ich es.
»Sein Name ist Gerald, er ist fünfunddreißig und Marketingdirektor bei Friendly Working.« Violet hatte mit ihrer Berichterstattung nicht mal so lange abwarten können, bis wir unser Essen ausgepackt hatten, was mir noch einmal vor Augen führte, wie wichtig es ihr war, mir sofort von ihm zu erzählen.
»Gutes Alter, guter Job. Und du magst ihn sehr, oder?«
»Ja. Sehr sogar. Ich habe mich in den letzten Monaten gefühlt, als würde ich dich betrügen und hintergehen, obwohl das kompletter Blödsinn ist.«
»Das ist es tatsächlich. Aber du hättest auch schon vorher mit mir darüber reden können. Ich hoffe, du weißt, dass ich dir niemals Steine in den Weg gelegt hätte.«
»Ja, das weiß ich. Aber du warst so eingespannt mit der Arbeit und dann noch die Sache mit dem Baby, auf das wir uns nun mal beide wie wahnsinnig freuen.«
»Es war mir schon klar, bevor du überhaupt schwanger wurdest, dass es irgendwann einmal einen neuen Mann in deinem Leben geben wird. Und somit auch im Leben unserer Tochter. Das ist vollkommen okay. Vielleicht wird es ja auch in meinem Leben mal einen Mann geben. Vielleicht gibt es sogar schon einen ...«
»James Knight! Und du wirfst mir vor, nicht mit dir geredet zu haben.«
»Hey, es ist kompliziert. Diese ganze Sache macht es auch nicht gerade einfacher.« Ich deutete auf den Stock, der neben mir lehnte.
»Diese Sache auch nicht.« Violet deutete auf ihren Bauch, was uns beide zum Lachen brachte. »Aber wenn sie uns trotzdem mögen, dann ist das doch eigentlich ein verdammt perfektes Zeichen, oder?«
»Aber verdammt perfekt«, erwiderte ich nickend.
»Also wann lerne ich ihn kennen?«
»O nein, das wird noch nichts. Erstmal muss ich ihn kennenlernen. Und wann lerne ich Gerald kennen?«
»Keine Ahnung. Gerne noch vor der Geburt der Kleinen.«
»Okay. Sag mir wann, und ich bin dabei. Wir sollten auch einen Termin machen, wo wir unsere Trennung besprechen und die Pressemitteilung.«
Violet schüttelte lachend den Kopf. »Wenn uns einer zuhören würde, oder? Das ist schon krank.«
»Gute Freunde werden wir weiterhin bleiben und erst recht Eltern der Kleinen. Das ist doch alles, was zählt, oder?«
»O ja, das ist es. Und ob wir uns jetzt trennen oder erst noch zwei Jahre einen auf heile Welt machen, obwohl es eine Lüge ist. Ich denke, dieser klare Schnitt ist vielleicht sogar besser für unsere Tochter.«
»Ob du es glaubst oder nicht, aber darüber habe ich auch schon nachgedacht. Wir machen das schon, Vi. Daran habe ich keine Zweifel. Ich bin übrigens über das Wochenende nicht da. Keine Dienstreise, aber so was in der Art.«
»O, triffst du dich mit ihm? Ich möchte jetzt bitte auch etwas erfahren! Alles andere wäre nicht fair.«
»Dustin, ebenfalls fünfunddreißig und Mitarbeiter im IT-Team meiner Firma.«
»Aus der Firma? Was zum Teufel ist aus dem Credo ›Never fuck at the Office‹ geworden?«
»Keine Ahnung. Ich habe ihn nicht mal in der Firma kennengelernt, sondern online. Ich hatte keine Ahnung, wo er arbeitet.« Die Version entsprach nicht ganz der Wahrheit. Er war über die Agentur an mich vermittelt worden. Davon, dass er bei mir arbeitete, hatte ich allerdings wirklich erst später erfahren.
»Er weiß aber, dass du Vater wirst, oder?«
»Klar und es ist für ihn vollkommen in Ordnung.«
»Für Gerald ebenfalls.«
»Wie ich schon sagte, wir werden das schon alles hinkriegen.«
»Zeit zu telefonieren?«, schrieb ich Dustin, als Violet wieder in ihr Apartment gegangen war, wobei nur Sekunden später mein Telefon klingelte.
»Alles okay?«, war Dustins erste Frage.
»O ja, allerdings. Ich wollte nur keine Zeit verschwenden und dich einweihen. Ich habe Violet gerade von dir erzählt.«
»Du hast was?«
»Sie hat mir von Gerald erzählt. Ihrem neuen Typen und da durfte ich dann auch endlich das ein oder andere Wort über dich verlieren. Wir werden uns ganz öffentlich trennen. Die Details besprechen wir in den nächsten Tagen.«
»Wow, James ... ich ... wow, ich weiß gar nicht, was ich sagen soll. Es geht gerade alles so verdammt schnell, dass ich mich manchmal frage, ob ich träume.«
Ich lachte auf bei seinen Worten.
»Das habe ich mich in den letzten Tagen auch schon das ein oder andere Mal gefragt, aber ich versichere dir, hellwach zu sein. Der Doc kommt morgen früh wieder. Ich habe vor, mir die komplette Dosis verabreichen zu lassen, wenn du möchtest.«
»O Gott sei Dank, ich dachte schon, diesen Satz an diesem Wochenende nicht von dir zu hören.«
»Also ist das ein Ja?«, hakte ich nach.
»Ja, verdammt! Das ist ein absolut klares Ja. Ich kann es kaum abwarten. Hast du Lust, das Wochenende bei mir zu verbringen? Es ist bei Weitem nicht so luxuriös und schick wie in deiner Wohnung oder in der Suite in der ...«
»Ja!«, unterbrach ich ihn, denn ich wollte gar keine Rechtfertigungen hören. Sie waren vollkommen unnötig und deplatziert. Ich wollte sehen, wie er lebte. Ich konnte es verdammt noch mal kaum noch erwarten!
»Es wird allerdings nicht einfach für dich werden. Meine Wohnung ist vieles, außer behindertengerecht. Aber ich glaube,
wir sind uns einig, dass wir das eher gut finden, als dass es ein Hindernis für uns darstellt, oder?«
»Auch dazu kann ich nur Ja sagen. Du wirst das schon hinkriegen. Ich verlasse mich auf dich und das weißt du. Der Doc wird mich wieder für die gewohnte Zeit lahmlegen. Du weißt ja, wie die Stunden danach aussehen, wenn die Betäubung nachlässt. Falls sie nicht nachlassen soll, so steht uns das jetzt natürlich auch offen. Es ist ja nicht so, als müsste ich am Montag wieder auf meinen beiden Beinen zur Arbeit gehen können.«
»Stimmt! Verdammt, darüber habe ich noch gar nicht nachgedacht.«
»Aber es ist ein schöner Gedanke, oder?«
»Schön ist gar kein Ausdruck. Fuck, James, überleg mal, was sich uns für Möglichkeiten bieten.«
»Warte erst mal die Möglichkeiten ab, wenn Violet und ich offiziell getrennt sind und ich tun und lassen kann, was ich will. Dann können wir über Dinge nachdenken, von denen wir bis jetzt nicht mal zu träumen gewagt hätten.«
»Dinge wie Urlaub zum Beispiel.«
»Ganz genau. Obwohl, eigentlich müssen wir gar nicht so lange warten. Ich meine, du bist doch mein Betreuer oder nicht?«
»Nenn mich, wie du willst.« Ich lachte auf bei Dustins Worten.
»Alles klar, Igelchen. Dann Morgen um vierzehn Uhr in meinem Büro.«
»Igelchen? Ernsthaft? Hättest du dir nicht irgendwas Heißes einfallen lassen?«
»Was denn zum Beispiel? Drachen?« Wir lachten beide auf, bevor wir uns voneinander verabschiedeten. Ich wusste schon, dass wir an diesem Wochenende bestimmt gemeinsame Pläne schmieden würden und verdammt, ich freute mich unendlich darauf!
Ich hatte mich vorher nicht mal getraut, überhaupt von so etwas wie einem gemeinsamen Urlaub zu träumen. Es tat jedes Mal zu weh, sobald ich realisierte, dass sich mein Traum so oder so niemals erfüllen würde.
Bis jetzt ...