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Sung Hutscheng schritt mit versonnenem Lächeln durch die Gassen der Stadt auf die Hafenanlagen zu. Er war mehr als vier Stunden lang bei einem dieser bereitwilligen, offenherzigen Mädchen gewesen, und was sie ihm geboten hatte, war wirklich Superklasse gewesen. Sung fand, dass sich der Abstecher hierher zur Orchideeninsel - natürlich wie üblich als ganz gewöhnliche Trawler-Fahrt deklariert - gelohnt hatte.
Plötzlich grinste er. Sie waren fündig geworden, so konnte man es nennen. Fündig zwar nicht, was ihre professionellen Interessen betraf - aber welche Rolle spielte das schon. Yin Dsöhsü hatte recht behalten mit seiner Behauptung, die Mädchen dieser Insel seien von ganz außergewöhnlichem Reiz.
Unweit der Kaimauer und der Piers entdeckte Sung unverhofft die Gestalt Yin Dsöhsüs. Yin hatte sich die Hände in die Hosentaschen geschoben und schien zu warten - nach allem Dafürhalten auf ihn, Sung, seinen Landsmann, mit dem zusammen er an Bord des Trawlers zurückkehren wollte.
Sung ging auf ihn zu. Als er nur noch schätzungsweise einen Yard von ihm entfernt war, wollte er ihn mit einer ironisch gemeinten Floskel begrüßen, aber in diesem Moment erkannte er, dass er nicht den wahren Yin vor sich hatte.
Sung Hutschengs Hand fuhr in den Jackenausschnitt. Er hatte den Kolben der Waffe in dem Schulterholster schon im Griff und wich instinktiv aus, da blinkte es matt auf, und Dsou Taofens Messer flog auf ihn zu.
Dsou hatte gedankenschnell auf Sungs Abwehrbewegung reagiert, das Messer fand mit traumhafter Sicherheit sein Ziel, die absolut tödliche Stelle des Mannes der „Lotung“. Sung taumelte, röchelte, zerrte den handlichen .38er Special-Revolver noch aus dem Schulterholster, aber Dsou war mit zwei Schritten dicht vor ihm und hieb ihm die Schusswaffe aus der Hand.
Der Revolver landete auf dem Pflaster der Gasse. Dsou fing Sungs erschlaffende Gestalt auf und zerrte sie durch eine halb geöffnete Tür in den Abstellraum eines Hauses, von dem er sich vorher vergewissert hatte, dass er nichts als Gerümpel enthielt.
Dsou brauchte kein Zeichen zu geben - Philip Hou und das Mädchen Liu hatten ihn aus einiger Entfernung beobachtet. Jetzt glitten ihre Gestalten heran. Philip las den .38er Special vom Pflaster auf, steckte ihn sich in den Hosenbund und schlüpfte zu Dsou in den Raum. Liu folgte ihm.
Rasch hatten sie Sung, der genauso schnell gestorben war wie Yin, entkleidet, und ebenso rasch war nun Philip Hou in die Sachen geschlüpft, die ihn tarnen sollten.
Sie sprachen kein Wort mehr miteinander. Alles war bis ins Detail festgelegt, seit Langem vorbereitet worden. Alles verlief nach Plan, und Dsou, Philip und das Mädchen frohlockten innerlich bereits, als sie die Leiche Sung Hutschengs in einen alten Schrank mit ausgeleierten Türscharnieren sperrten.