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Steuermann Bacci und der Bordarzt hatten den Rudergänger Paolo Lanerossi ungeachtet aller anderen Vorfälle von zwei Matrosen auf eine Trage legen lassen, hatten den Mann in die Erste-Hilfe-Station auf dem Deck 3 hinunterbegleitet. Während sie sich um ihn bemühten, gab der Zweite Offizier aus dem Funkschapp - von wo er sich nicht fortgerührt hatte - eine von dem Trawler aufgefangene Nachricht an die Brücke weiter.

„Was wollen die von uns?“, fragte Kapitän Mancini durch das Bordtelefon. „Hilfe? Was ist denen denn zugestoßen? Porca miseria, die haben uns noch gefehlt ...“

„Es handelt sich um einen Fischdampfer, Heimathafen Taipeh, Name 'Lotung', mit gemischter chinesischer und amerikanischer Besatzung, Signore“, wiederholte der Zweite, dem immer noch der kalte Schweiß auf der Stirn stand, obwohl er inzwischen natürlich auch erfahren hatte, dass die beiden „Cruise Missiles“ um gut zwei Kabellängen an dem Vorschiff des Liners vorbeigeheult waren. „Der Kapitän teilt uns mit, dass bei einem Brand auf der Brücke gestern sämtliche Bordinstrumente ausgefallen sind, dass sie sich deswegen in das militärische Sperrgebiet der Marshall-Inseln verirrt haben. Sie bitten uns darum, anhand unserer Karten ihre genaue Position ermitteln zu dürfen, darum haben sie ein Boot ausgesetzt.“

„Wieso ein Boot? Die können doch auch bei uns längsseits gehen.“

„Die Fender des Trawlers sind defekt ...“

„Sie haben Angst, dass wir uns gegenseitig ramponieren?“

„Ich glaube ja, Signore.“

„Ich finde das alles reichlich mysteriös“, sagte Mancini laut in die Sprechmuschel des Bordapparates. „Aber ich will nicht wegen unterlassener Hilfeleistung belangt werden. Antworten Sie den Burschen, dass wir sie selbstverständlich unterstützen. Lassen Sie sie an Steuerbord aufentern. Öffnen Sie eine der Luken, damit sie einsteigen können.“

„Si, Signore.“

Giancarlo Mancini konnte von der Brücke aus beobachten, wie der Trawler an Steuerbord langsam an ihnen vorbeizog. Er zog verwundert die Augenbrauen hoch. Was hatte das nun wieder zu bedeuten?

Vollends misstrauisch wurde er, als er durch Fernglas verfolgte, wie die Mannschaft an Bord der „Lotung“ sich darauf vorbereitete, das schwere Schleppnetz achtern ausrauschen zu lassen. Keine Bordinstrumente mehr, ein seenotähnlicher Zustand - und da schickten die Burschen sich ausgerechnet jetzt an, auf Fangfahrt zu gehen?

Mancini rief Cancogni, der sich nach wie vor im Ruderhaus aufhielt, zu: „Primo, rufen Sie den Funkraum an! Der Secondo soll das Übernahmemanöver stoppen. Da stimmt was nicht!“

In diesem Augenblick hatte das motorisierte Beiboot der „Lotung“ jedoch die „Ancona“ bereits erreicht. Es schor an der Bordwand entlang, die Einstiegsluke wurde von innen geöffnet, weil der Zweite Offizier die Anweisung dazu an zwei Matrosen weitergegeben hatte - und Dsou Taofen war der Erste, der den Luxusliner enterte und den verdutzten Matrosen eine entsicherte Maschinenpistole aus dem Waffenschrank des Aufklärers unter die Nasen hielt.

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