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»Graham hat unseren Pa nicht umgebracht! Dafür leg ich meine Hand ins Feuer!« Die junge Frau saß Bount Reiniger blass und zornig zugleich gegenüber.
Bount Reiniger sann darüber nach, welches ihrer rotlackierten Pfötchen sie sich dabei wohl verbrennen würde. Er hatte in den Frühnachrichten von diesem Fall gehört.
Und ein Fall war es ja nun wirklich, wenn ein rüstiger Endsechziger vier Stockwerke tief in den Patio seines Stadthauses stürzte und sich dabei neben dem Genick noch jede Menge anderer Knochen bricht.
»Was macht Sie so sicher?« Bount spielte mit seinem Kugelschreiber auf der Schreibtischplatte.
June hätte Jeanny Denver nicht vorlassen dürfen. Was die Lady brauchte, war kein Detektiv, sondern eine glatte Dosis Valium. Bount Reiniger hielt den Auftrag für aussichtslos. Und wenn er etwas noch mehr verabscheute als Immobilienmakler, dann waren es aussichtslose Fälle.
»Dass ich meinen Bruder kenne!«, zischte sie. »Er mag ein Schwerenöter sein, aber er ist kein Mörder.«
Bount wechselte den Kuli in die andere Hand. Allmählich machte ihn die Lady nervöser, als es ihm für diese morgendliche Stunde zuträglich erschien. Das lag nur zum Teil an ihrem zweifelsfrei attraktiven Äußeren.
Graham Denvers jüngere Schwester war dunkelhaarig.
Bount sah ihr an, dass sie sich in aller Eile geschminkt haben musste. Make-up war unnötig, denn sie gehört mit Sicherheit zu jenen Mädchen, die selbst nach einer ausgiebigen Orgie noch taufrisch wirkten.
Unter der grünen Seidenbluse wogte ein strammer Busen. Den Büstenhalter hätte sie im Schrank lassen können. Seit wann steckt man Grapefruits in Körbchen?
Bount bemerkte, dass seine Gedanken abglitten. Er rief sich zur Ordnung, so schwer ihm das auch fiel.
»... Prämie von zwanzigtausend Dollar«?, sagte sie da gerade.
Sofort war Reiniger wieder voll da,
Nicht einmal auf die sanfte Wölbung ihres Bauches achtete er mehr, die Nabelgrube und die Hüften, die mindestens ebenso griffig waren wie das Steuerrad seines stratosilbernen 450er SEL.
»Wie, bitte?«, gab er sich begriffsstutzig.
Sie lehnte sich zurück.
Nun schlug sie auch noch die ellenlangen Beine übereinander. Sie trug schwarze Strapse!
»Well«, meinte sie, »es ist bekannt, dass Sie ein geldgieriger Bursche sind, freilich auch einer der besten Privat Eyes an der Ostküste.«
»Ich bin eher bescheiden«, wehrte sich Bount Reiniger entrüstet »Wie war das eben mit der Prämie?«
Jeanny Denver seufzte. Die Grapefruits seufzten mit.
»Sie bekommen von mir zehntausend Dollar, wenn Sie sich nur drei Tage in diese Geschichte reinknien. Und dazu zwanzigtausend Dollar Prämie, wenn Sie den Mörder unseres Vaters finden.«
Er schluckte andächtig; denn inzwischen weniger wegen Miss Denvers respekteinflößender Oberweite. Manchen Argumenten konnte er sich eben nicht widersetzen.
Alsbald redete er sich ein, dass doch etwas dran sein müsste an diesem beharrlichen Glauben an die Unschuld eines missratenen Brüderchens. Niemand wirft dreißig Riesen zum Fenster raus; auch verwöhnte Millionärstöchter nicht. Die am allerwenigsten, denn bekanntlich stärkt ein dickes Konto häufig den Sparwillen.
Soweit waren Reinigers Überlegungen schließlich gediehen. Er warf den Kugelschreiber beiseite und griff nach einer Zigarette.
»Sie auch?«
Jeanny Denver ließ sich nicht lange bitten. Sie rauchte hastig.
»Heißt das, Sie nehmen an?«
»Das heißt nur, dass ich Ihnen zuhören werde. Vielleicht halten Sie das nicht für möglich, aber ich lasse mir ungern was schenken. Wenn Sie alle meine Fragen beantworten und mich dann immer noch nicht überzeugt haben, schicke ich Sie nach Hause und begnüge mich mit einem Beratungshonorar von fünfhundert Dollar.«
Nun war es Miss Jeanny Denver, die schluckte; allerdings nicht besonders andächtig.