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June trug wieder einen ihrer Gürtel, von denen sie beharrlich behauptete, es seien Miniröcke.
Als Bount eintrat, sah sie von der Schreibmaschine auf, wo sie eben dem ehrbaren Gewerbe des Rechnungsteilens nachgegangen war. Ihr Schmollmündchen verformte sich dabei zu einem katzenhaften Lächeln. Wie Katzen halt so lächeln, wenn eine besonders appetitliche Maus vor ihnen auf dem Teller liegt.
»Toby hat gerade angerufen«, schnurrte sie heiter. »Ich soll dir bestellen ...«
»Danke«, wehrte Reiniger ab. »Brehms Tierleben hab ich schon mit zehn gelesen. Du brauchst mir den Text nicht herunterzubeten.«
Danach sah die March ein wenig enttäuscht aus, allerdings nicht lange.
»Er hat höflich darum nachgesucht, dass du dich in seinem Office meldest.«
»Bin ich ein Selbstmörder? Ist denn wirklich nichts Wichtigeres angefallen? Immerhin war ich fünf Stunden unterwegs.«
»Und vorher eine volle Stunde allein mit dieser schwarzen Schnalle in deinem Büro!«
Bount pfiff durch die Zähne.
»Ist der Scheck etwa nicht gedeckt?«
June dagegen biss die Zähne zusammen. In der letzten Zeit ließ sich der Chef immer seltener ärgern, und das brachte sie manchmal in Harnisch. Sicher, er durfte schon sein eigenes Sexualleben führen. Sie hielt sich da ja auch nicht zurück. Doch wahrscheinlich wurde ihr in diesen Tagen wieder einmal die Pause zu lang, und das machte sie dann unleidlich.
»Wollen wir nicht besser Frieden schließen?«, schlug Reiniger vor. »Ein Feind wie Toby Rogers reicht mir völlig.«
Danach berichtete er haarklein, was sich an diesem Vormittag ereignet hatte, denn erfahrungsgemäß beruhigte sich June dabei. Sie fühlte sich nicht länger übergangen. Obendrein steuerte sie anschließend nicht selten wertvolle Ideen bei.
So auch jetzt.
Den rechten Zeigefinger grüblerisch an das Stupsnäschen gelehnt, sagte sie: »Warum bist du eigentlich noch nicht auf den Gedanken gekommen, dass dieser Graham Denver ganz einfach in die Pfanne gehauen werden soll. Schau dir doch seinen Hintergrund mal an! Vielleicht findest du dort einen Ansatzpunkt.«
Bount beugte sich spontan vor und drückte June einen dicken Kuss auf die Stirn.
»Du bist ein Schatz, Mädchen. Klemm dich bitte sofort ans Telefon und finde über unseren Freund heraus, was nur herauszukriegen ist. Klappere deine Journalistenclique ab, zapf deine Quellen bei der City Police und dem FBI ah und sei überhaupt sehr rege!«
Sie sah ihn aus großen himmelblauen Augen an.
»Und was machst du inzwischen?«
»Ich lege mich ein Stündchen aufs Ohr. Vorschlafen. Ich hab da heute Abend noch ein kleines Date. Rate mal mit wem?«
»Mit dieser Schnalle etwa ...?«
Bount Reiniger sah zu, dass er aus dem Zimmer kam. Er schätzte es nicht, wenn ihm Schreibmaschinen ins Kreuz geworfen wurden.