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Zwei volle Stunden war Bount aufgehalten worden, zwei Stunden voller Behördenkram und Frust.

Bei Jeanny Denver reichte eine ambulante Behandlung. Sie hatte lediglich einen Streifschuss abbekommen.

Bount fuhr jetzt einen Leihwagen. Er tat es verwegen, weil er eine Wut im Bauch fühlte, eine fürchterliche.

Was mochte diesen Hundling von Graham Denver nur dazu gebracht haben, auf seine Schwester zu ballern? Die Sitten in diesem, seinem Lande verrohten von Tag zu Tag mehr.

Dank Junes fleißiger Recherchen wusste Bount einigermaßen, wo er diesen blonden Bastard suchen musste. Er bevorzugte Rothaarige und bestimmte Lokale, in deren Kellern und Hinterzimmern die Kugel rollte und mit Poker mehr Umsatz gemacht wurde, als in manchem Warenhaus der City.

Im »Babaloo« bekam er einen Tipp, und im »Target« sollte er schließlich fündig werden.

Die von außen unscheinbare Kneipe befand sich an der Peter Cooper Road in der Stuyvesant Town, einem verschachtelten Baukomplex aus den 50er Jahren.

Ein dreister Hund, dieser Graham Denver. Gleich um die Ecke war die Wasserschutzpolizei stationiert. Das Viertel galt als sicher und weitgehend frei von Mugglers und anderem Gesocks, mit dem die Sensationspresse der Stadt die meisten Schlagzeilen machte.

Im »Target« wurde offiziell gespielt. Der Stadtrat, dem der Club gehörte, besaß, welch ein Zufall, eine Konzession.

Dem Türsteher zeigte Bount diesmal die Lizenz, denn der Mann erinnerte ihn an den Kollegen aus dem Gotenblockhaus.

Schon aus diesem Grund wollte Reiniger sich das »Tip« ersparen, das Trinkgeld, ohne das in New York sonst überhaupt nichts geht.

»Schnüffler sind hier nicht erwünscht«, raunzte ihn der Knabe an.

»Wie lange glauben Sie, dass Sie noch erwünscht sind, wenn ich Councelor Cavendish erzähle, wie Sie Pfeife mit seinen Freunden umspringen?«

Dieser Tipp, es war schon mehr ein Wink mit einem Telegrafenmasten, half ungleich rascher als Bounts Ausweis. Die Tür sprang auf, als wäre dahinter eine starke Spiralfeder ausgelöst worden.

»Entschuldigen Sie, Sir. Ich ...«

»Geschenkt«, wehrte Reiniger gütig ab. Es konnte ja auch nicht jeder wissen, wer hinter dem Strohmann stand, der dem »Target« als Geschäftsführer diente.

»Ist Denver noch im Haus?«

»Sie wollen ihn sprechen, Sir?«

»Seh ich etwa schwul aus?«, fragte Bount Reiniger zurück. »Was denn sonst. Und am liebsten würde ich das in einem Raum tun, in dem wir ungestört sind.«

»Kennen Sie Mister Cavendish tatsächlich?«

»Wollen Sie wissen, wo seine junge Gattin ihre Muttermale versteckt? Oder reicht es, wenn ich Ihnen nur seine Schuhnummer sage.«

Damit hatte sich Bount als Insider wohl genügend ausgewiesen, denn von jetzt an gebärdete sich der Portier sehr devot.

Er übte sich sogar im Kotau.

Bei seiner tiefen Verbeugung musste er aufpassen, dass er mit der Stirn nicht die Kniescheibe lädierte.

»Wenn Sie mir bitte folgen würden, Sir?«

Er machte den zweiten Partner bei ihrem einsamen Gänsemarsch hinein in die ungeweihten Hallen. Sein Leithammel lotste ihn korrekt an den Untiefen der Würfel- und Black Jack-Tische vorbei. In einem Flur blieb er schließlich vor einer Tür stehen und wandte sich fragend um.

»Und wen soll ich Mister Denver meiden?«

»Erzählen Sie ihm eine aufgetakelte Rothaarige, die ihren Namen nicht nennen will. wartet auf ihn. Sie hat in den Abendblättern von seiner Freilassung gelesen und verspürt nun gewisse Sehnsüchte.«

Bount war zwar brünett, doch diesen kleinen Unterschied würde Denver jun. schon noch merken.

»Sie machen auch bestimmt keine Schwierigkeiten, Sir?«

»Ich habe ihnen doch die Lizenz gezeigt. Mein Job ist es, Schwierigkeiten aus dem Weg zu räumen. Ich will nur nicht, dass das halbe »Target« erfährt, dass ein Graham Denver einen Privatschnüffler bezahlt. Sie haben doch auch schon davon gehört, dass der gute Junge in finanziellen Schwierigkeiten steckt.«

Da nickte der Portier verständnisvoll, obwohl er bestimmt überhaupt nichts kapiert hatte, aber wer gibt sich schon gern eine Blöße.

Und als dann Bount doch noch mit einem Schein wedelte, hatte der Gute sämtliche Hemmungen erfolgreich überwunden. Er würde sich sputen und seinen Auftrag wortgetreu erfüllen.

Bount Reiniger sah sich im Zimmer um. Es roch leicht nach Parfüm, die passende Couch gab es in einer Ecke. Gegenüber stand ein Wägelchen mit Flaschen.

Bount verkürzte die Wartezeit mit einem Scotch.

Er nahm an, dass dieser Raum der Entspannung diente, wenn ein besonders heißes Spiel gelaufen und dem gestressten Zocker nach einer mit Weiblichkeit garnierten Pause war.

»Nein, den Namen nannte sie nicht«, klang es dumpf durch die Tür. Und dann recht vertraulich: »Aber Sie werden sie schon kennen, Sir ...«

»Worauf du Zyankali nehmen kannst«, knurrte Bount.

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