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Bount hatte den dienstbaren Geist des Hauses Denver zwar an den Apparat bekommen, doch die Adresse Cautions kannte auch der Butler nicht. Er nahm lediglich an, dass er in der Nähe wohnen müsse, da er stets zu Fuß komme, mit staubfreier Soutane und auf Hochglanz polierten Schuhen. Von etwaigen finanziellen Zuwendungen durch Tante Philipa Madrigan wisse er nichts, könne sie jedoch auch nicht ausschließen, da die alte Lady über ein eigenes Konto samt Scheckheft verfüge.

Bount Reiniger nahm sich den Stadtplan vor.

In der Madison Ave würde dieser seltsame Unheilige wohl kaum hausen. Der Quadratmeter Wohnfläche war nicht unter fünfzig Dollar im Monat zu haben. Aus ähnlichen Gründen fielen auch die Straßen in der näheren Umgebung aus.

Bounts tastende Finger glitten noch weiter nach rechts und landeten wieder einmal an den stinkenden Gestaden des East River. Zwar wies der Plan dort keine Slums aus, doch es gab sie.

Wer sich die Mühe machte, über den Franklin Roosevelt Drive nicht nur hinwegzubrausen, sondern auch einen Blick in die Tiefe zu riskieren, sah sie, die Wellblechhütten und die an Land gezogenen verrottenden Kutter, die von ihren ehemaligen Besitzern aufgegeben worden waren, weil es im Fluss schon lange keine Fische mehr gab. Und wenn, dann bestanden ihre Gräten aus chemisch reinem Cadmium. Doch Reinigers Überlegungen erfuhren eine kurze Unterbrechung, als sein 450 SEL, etwas früher als erwartet, angeliefert wurde. Er zahlte ein Heidengeld für die Windschutzscheibe - 338 Dollar und 14 Cent. Damit ging’s ihm fast schon so wie mit seinen Anzügen. Vielleicht beschaffte er sich doch irgendwann einmal ein solides Fahrrad.

»Hast du auch einen Steckbrief von Caution?«, fragte Bount später.

»Ich habe gefragt«, sagte sie. »Doch die Auskunft passt auf jeden anderen Orang Utan auch. Er ist sehr groß und kräftig.«

»Auch blond?«

Sie sah in ihre Unterlagen.

»Nein, dunkelhaarig. Warum fragst du?«

Bount Reiniger dachte an den blonden Attentäter, dessen Blondheit ihn so in die Irre geleitet hatte.

»Nur so«, antwortete er.

Dann steckte er die Zigaretten ein, rückte das zweite Jackett des Tages zurecht, tastete nach der Schulterholster. Die 38er Automatic war mit von der Partie.

»Was hast du vor?«

»Ich probiere die neue Windschutzscheibe aus«, versprach Reiniger. »Bin gespannt, was sie aushält.«

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