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Reiniger überließ den Jungen großmütig der Obhut seiner Eltern.

Er selbst jedoch streckte sich und sah den Schatten gerade noch ums nächste Hauseck flitzen.

In Bount Reiniger erwachte flugs der Nimrod. Etwas Bewegung würde ihm ganz gut tun nach dieser elenden Herumsteherei.

Mit seinen Turnschuhen hatte er den besseren Antritt offenbar, denn er war schneller als Silvio Benedotti, ohne ihn jedoch vor dem Ende der nächsten Gasse abfangen zu können.

Der Sancara-Spross plagte sich auf glatten Ledersohlen ab, das hörte Bount.

Dennoch erreichte der Flüchtige noch die Warren Street, und da hörte Hoboken bald auf, nachts schläfrig zu sein.

Die Liegeplätze an den Piers kosteten ein Heidengeld pro Stunde. Hier schlugen die Branchenriesen wie Penna Rail Road Loading, American Export und die Stockard S. S. Corporation ihre Frachten um. Und hier gab es auch die Puffs in der Bay Street, einen neben dem anderen, die es drüben, jenseits des Hudson River, offiziell nicht geben darf. Doch die Staatsgrenze zwischen New York und New Jersey verläuft haargenau in der Mitte der tausend Yard breiten Kloake, die nur auf getürkten Postkarten so schön blau wie einst die Donau ist.

Benedottis Absatzeisen klackten nicht ins Lustzentrum von Jersey City, sondern in die Morgan Street. Er scheute wohl das Licht. Und an deren Ende wiederum beginnt der Pavonia-Güterbahnhof. Er ist so groß, dass vom Areal her ein Jumbojet darauf landen könnte. Silvio war gar nicht so blöd.

Plötzlich hörte das Klacken auf. Nurmehr vereinzelt standen ein paar Peitschenlampen.

Bis zu den Docks dehnten sich noch dreihundert Yard mit einem Gewirr von Gleisen und Tausenden von Waggons.

Silvio war verschwunden!

Auch Bount verharrte.

Nicht auszudenken, wenn der Junge sich mit Ersatzpatronen ausgerüstet hatte. Jetzt erst entsicherte er die Pistole. Schnell drückte er sich in den Schlagschatten eines Postenhäuschens. Es war nachts nicht besetzt. Trotzdem musste ein Tor ganz in der Nähe sein.

»Hey, Silvio!«

Er krächzte nur noch. Der Lauf hatte auch ihn ausgepumpt. Mit seinen Gummitretern stand er auf Kies.

Silvio antwortete nicht

Doch über den Zaun, konnte der Junge keinesfalls.

Die großen Corporations schätzten es nicht, wenn sie bestohlen wurden, und dieses Gelände wäre natürlich das Mekka für sämtliche Diebe und Halunken Groß-New Yorks gewesen.

Deshalb war die Absperrung von Y-Trägern gekrönt, und die waren mit Strängen von Messerdraht untereinander verbunden.

Dahinter patrouillierte eine unbekannte Zahl von Wachleuten mit auf den Mann abgerichteten Hunden, von Neufundländern aufwärts.

Letzte Woche erst hatten sie einen Junkie zerfleischt, der in seinem Drogenrausch meinte, die Sperren überwinden zu können.

»Hey, Silvio, du Narr! Ich will dir doch nichts. Mach dich nicht unglücklich, Junge!«

Es war wie gegen den Wind gepisst. Der Kerl hatte Angst.

Bount spürte seine Nähe.

Nicht zu unrecht, wie sich bald erwies.

Er musste seine Schuhe ausgezogen haben.

Reiniger hatte ihn nicht gehört und zu sehr auf das Knirschen von Kies unter Leder gewartet. Der Schlag kam von rechts hinten. Der Sizilianer führte ihn weit über den Kopf, und Bounts Pendant wäre sein Ziel gewesen.

Bount Reiniger hörte das Zischen im allerletzten Augenblick.

Er duckte sich automatisch, so als hätte dieser verrückte Sizilianer den Schlag schon gelandet.

Reiniger glaubte, das Rückgrat würde ihm zerschmettert, obwohl er den Hieb gerade noch abblocken konnte. Hauptsächlich schrammte er über die Rippen.

Die Automatic fiel ihm aus der Hand. Die Waffe war auf leichten Druckpunkt eingestellt. Ein Aufprall ging sie los. Ein kurzer Blitz erhellte die Szenerie, laut krachte es nicht. Ein Mäusefürzchen gegen das Elefantendröhnen der Lupara.

Nun sah Bount Silvio auch wieder.

Mit hängenden Armen stand er da und wollte nicht glauben, dass er nicht voll getroffen hatte.

Bount Reiniger nahm sich vor, ihm zu zeigen, wie das ging, obwohl sein Rücken höllisch schmerzte. Er konnte sich nicht mehr daran erinnern.

Sein Vormarsch war mehr ein Torkeln, doch in ihm glühte die Wut auf diesen hirnlosen Sizilianerschädel, dem nur eines eingetrichtert worden war: Dein Papa ist der liebe Gott der Familie. Die Familie hat Ehre. Diese Ehre ist mit allen Mitteln zu verteidigen.

»Scheißehre«, knurrte Reiniger und schlug zu. Es war nur ein müder Hammer, doch er reichte, Silvio aus der Starre zu reißen. Er wich zurück, ohne seinen Prügel loszulassen. Bounts Blick wurde langsam wieder klar.

Wäre ja auch nicht auszuhalten gewesen, gleich zwei solche Trottel auf einmal sehen müssen! Der nächste Schlag saß schon besser.

Nun lag auch wieder Power auf der Lauer.

Silvio japste und streckte Bount die Zunge raus. Er hatte wohl ein schwaches Zwerchfell.

»Na, du Lümmel?«, ächzte Reiniger. »Warum haust du nicht mehr zu? Dann bin eben ich allein so frei.«

Er packte den Jüngling am Kragen, warf ihn nieder und zog die Lupara unter ihm hervor. Und weil er sich schon bückte, zog er ihm bei dieser Gelegenheit auch gleich noch die Hose runter über den Po.

Madonna, konnte der Bursche brüllen, als Bount ihm mit der Wolfsflinte den Hintern versohlte.

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