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»Das war’s also«, sagte June March noch am selben Abend. »Ich bin erschüttert!«
Reiniger grinste.
»Will Silvio dich nicht mehr als seine sparsamste Kundin?«
»Du weißt genau, was ich meine.«
»Ich bin die Unschuld in Person, Mädchen. Du siehst mich maßlos überrascht. Was hab ich denn jetzt schon wieder angestellt?«
»Du hast mich belogen!«
»So was soll vorkommen. Hat Ron etwa angerufen?«
»Ja. Er sagt, Frascatello singt wie ’ne Nachtigall.«
»Wie schön für unseren Freund. Ron ist musikalisch.«
»Und wie schön für dich?«
»Das kommt sehr auf die Anzahl der Verhaftungen an, die mittlerweile vorgenommen sein müssten.«
»Du wusstest das von Anfang an, nicht?«
»Nicht von Anfang an«, widersprach Bount Reiniger, sich im Sessel räkelnd. Vor ihm stand ein Glas Scotch. Im Mundwinkel hing die unvermeidliche Zigarette. Er fand, er habe Grund entspannt zu sein. »Erst seit ich nach Silvios Anschlag bei den Monzarones saß. Da ging mir ein Licht auf. Die Mafia kam als Background nicht in Frage. Davon ließ ich mich überzeugen. Andererseits rückte mir bei dieser Gelegenheit unser lieber Sandro Frascatello in die Schusslinie. Leider wird ihm nie nachzuweisen sein, dass er’s war, der Mercurio Benedotti erschoss. Ich nehme an, er leugnet das auch nach Kräften.«
»Er hat kein Alibi für die Tatzeit.«
Bount winkte ab. »Das hat Gino auch nicht.«
»Da hast du den Agent provocateur gespielt!«
»Blieb mir denn was anderes übrig? Ich wollte den Kerl haben. Es geht doch nicht an, dass du um eine preisgünstige Reparaturwerkstatt gebracht wirst. Bei den heutigen Stundenlöhnen. Ich stelle eben das Wohl meiner einzigen Angestellten über alles.«
»Du bist und bleibst ein Lügner.«
»Ich kann damit leben. Außerdem wäre mir der Ausdruck Bluffer lieber. Ich musste den Kerl aus der Reserve locken. Mir blieb gar nichts anderes übrig. Und da mir an jenem Abend obendrein klar geworden war, dass Frascatello nicht aus eigenem Antrieb handelte, spielte ich mein Spielchen mit ihm. Er ist drauf reingefallen.«
»Hat seine Organisation überhaupt ’nen Namen? Was sagte Ron dazu? Und was ist mit den Verletzten?«
»Es waren nur zwei. Und die kamen mit Streifwunden davon. Sie konnten nach einer ambulanten Behandlung wieder entlassen werden. Doch was die andere Frage betrifft: Cartello di Milano – das Mailänder Kartell. So nannten sie sich. Bis zur Stunde sind zwanzig Verhaftungen vorgenommen worden. Alles gebürtige Norditaliener. Wir müssen unbedingt Carlo Monzarone und Miguele Benedotti informieren, dass ihre Vermutungen bezüglich der Norditaliener richtig waren. Die werden sich freuen. Andere Ergebnisse aus der Untersuchung der Spuren werden wohl noch ein bisschen auf sich warten lassen. Doch ich bin sicher, dass dieser Bursche ein paar Spuren mit nach Hause nahm. Morast vom Gelände unter dem Hackensack Circle in den Tretern. Dann noch die Folgen, wenn einer ’ne Lupara abfeuert. Das werden eindeutige Beweise sein. Frascatello will sich als Kronzeuge zur Verfügung stellen.«
»Dann kommt er mit fünf Jahren davon. Echt bedauerlich. Den Mord an Mercurio kannst du ihm nicht beweisen?«
»Ich setzte Ron auf Frascatellos Kleider und Schuhschrank an. Die Spurensicherung macht das schon.«
»Und womit kommst du davon?«
Bounts Grinsen wurde möglicherweise noch breiter.
»Mit fünfzigtausend Dollar Prämie, denke ich. Diese Summe hat unser famoser Staat für die Aufdeckung und Überführung Krimineller Vereinigungen ausgeschrieben. Das Castello di Milano war mit Sicherheit nicht nur im Autohandel tätig. Jemand musste auch die Puffs von Jersey City kontrollieren, den Drogenschmuggel, und was weiß ich noch alles.«
»Du hast dich auch in diesen Häusern umgesehen?« Eine steile, V-förmige Falte stand über Junes Nasenwurzel.
»Darüber schweigt des Kenners Höflichkeit.«
ENDE