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"Ich soll einen Wagen für ihn klauen", George Sarotti lümmelte sich in einen der zerschlissenen Sessel. Ich schenkte ihm eine Tasse Kaffee ein. "Wohl so eine Art Aufnahmeprüfung." Er schaufelte sich drei Teelöffel Zucker in die schwarze Brühe und rührte sie andächtig um.

"Hat er rausgelassen, wozu er den Wagen braucht?", wollte ich wissen.

George zuckte mit den Schultern. "Nichts Konkretes. Nur dass er ihn bis Mittwoch Abend braucht."

"Wir haben den Barbesitzer überprüft", Milo schob Sarotti ein Dossier über den Tisch. "Kein unbeschriebenes Blatt dieser Nick Rispolli. Eine Vorstrafe wegen Wettmanipulation. Zweimal war er in Raubüberfälle auf Schmuckgeschäfte verwickelt. Aber man konnte ihm nichts nachweisen. Verbindungen zum organisierten Verbrechen werden ihm nachgesagt."

"Irgendwas über Hintermänner bekannt?", fragte George. Milo schüttelte den Kopf. "Der Russe arbeitet für Rispolli", überlegte der Captain, "da bin ich sicher. Er hat mich ihm vorgestellt. Ziemlich zugeknöpft der Bursche. Und wenn Potty mit ihm im Hinterzimmer verschwindet, werd' ich jedes Mal ausgeladen."

"Klar - die wollen kein Risiko eingehen", sagte ich, "wenn du den Wagen geklaut hast, wird sich das ändern. Immerhin warst du schon zum Pokern in den Nebenräumen."

"Wer bezahlt mir eigentlich die Verluste?", wollte George wissen. "Ich hab schon achtzig Dollar verloren."

"Ich nicht", grinste Milo. "Da musst du einen Spesenantrag bei Ruther einreichen."

"Wer ist der Dritte, der mit Rispolli und dem Russen im Hinterzimmer verschwindet?"

"Andrew Hurst. Ein schweigsamer Bursche. Aber typische Killerfigur. Wenn er beim Pokern verliert, rastet er jedes Mal aus." Er deutete auf die Elektronik. "Bringen die Wanzen euch weiter?"

Ich schüttelte den Kopf. "Bis jetzt nicht. Im Pokerzimmer wird nicht über Geschäfte gesprochen. Und wenn der Russe dabei ist, quatscht Rispolli nur belangloses Zeug. Aber irgendwas ist im Busch, so viel konnten wir heraushören."

"Versuch diesem Rispolli eine Wanze unterzujubeln", sagte Milo trocken.

"Nichts leichter als das", höhnte George. "Ich werde sie unauffällig unter seiner Goldplombe versenken."

"Und die Frau?" Milo wechselte das Thema.

"Welche Frau?"

"Komm, stell dich nicht dumm", Milo deutete mit einer Kopfbewegung zum Funkgerät. "Ein bisschen was kriegen wir ja mit hier, auch wenn du den Gürtel deiner Hose nicht mit ins Bett nimmst."

"Etwas mehr Diskretion, wenn ich bitten darf", George spielte den Gekränkten. "Und sei froh, dass ich dir bei Cynthia das Feld überlasse." Er hob drohend den Finger. "Vorübergehend jedenfalls."

Milo grinste. "Was ist jetzt mit der Lady? In unseren Datenbanken taucht sie nicht auf. Sie ist nicht mal bei den Behörden gemeldet."

"Harmlos", George winkte ab. "Wahrscheinlich hat sie einen falschen Pass. Ihr Vater ist irgendein hohes Tier in Las Vegas. Hat sie in einen goldenen Käfig gesperrt und mit einem Regierungsbeamten verheiratet. Und sie ist ausgebrochen. Tolle Frau."

"Mehr hast du noch nicht rausgekriegt vor lauter Schäferstündchen?"

Sarottis Gesicht versteinerte sich. Die Luft zwischen Milo und ihm knisterte.

"Hör zu, George", mischte ich mich ein. "Niemand hat etwas dagegen, wenn du die Arbeit mit dem Vergnügen verbindest. Aber vielleicht hat die Frau Kontakte zu Rispollis Hintermännern."

"Kann sein, dass sie mehr weiß, als sie vorgibt", brummte er. "Ich werd' die Augen offen halten."

Er ging rüber in seine Pension. Leslie und Jay nahmen unsere Plätze ein, und wir fuhren in die Federal Plaza, um unserem Chef und Norman Ruther Bericht zu erstatten.

Sie hörten sich an, was wir zu sagen hatten. "Nicht viel", brummte Ruther und strich sich über seine Wampe. "Aber bei diesen Undercover-Einsätzen braucht man einen verdammt langen Atem."

"Das mit dem Wagendiebstahl hört sich verheißungsvoll an", widersprach unser Chef. "Wir haben über die Finanzbehörde die Bankverbindungen Rispollis ermittelt. Er bezieht monatlich fünfstellige Summen unterschiedlicher Höhe. Das Geld wandert durch verschiedenen Banken bis es auf Rispollis Konto landet. Wir konnten die Spur bis zu einem Konto in Essex/Connecticut zurückverfolgen. Es kommt von dem Geschäftskonto einer Textilfabrik. Näheres wissen wir noch nicht."

"Vielleicht bezieht dieser Hurst ja auch Geld von dort", sagte Milo.

Der Chef machte sich eine Notiz in seinen Kalender. "Wir werden das überprüfen." Auch den Namen des Russen ließ er sich von Milo diktieren.

"Und was soll Sarotti nun tun?"

"Was schon?", brummte Ruther. "Den Wagen klauen."

"Er will den Auftrag schriftlich", sagte ich.

"Dieser Fuchs", knurrt der Inspector. "Ich diktier ihn gleich. Aber wenn er ihn in der Hosentasche mit sich herumträgt, wird er morgen zum Sergeant degradiert. Sagen Sie ihm das." Er stand auf und ging zur Tür. "Und er soll den Wagen verwanzen."

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