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"Trinken Sie das, Mr. Brookman, das wird Ihnen gut tun." Hong stellte seinem Chef ein Glas Cognac auf den Tisch. Seit einer Stunde hockte er an seiner langen Speisetafel und starrte auf den Brief, der vor ihm lag.

"Kommen Sie, Mr. Brookman", der Chinese hob das Glas und hielt es Brookman hin. Endlich nahm er es und kippte den Cognac hinunter.

Sein Gesicht war fahl und zerknittert. Als er abends von der Bank nach Hause kam, hatte er Sharons Brief gefunden.

"Sie hat mich verlassen, Hong. Einfach verlassen." Er krächzte mit verwaschener Stimme. "Der Altersunterschied ist ihr zu groß, schreibt sie." Er nahm den Brief mit zitternden Händen auf. "Und sie will zurück zu ihrer Jugendliebe gehen. Dabei wollte ich sie heiraten."

Der Chinese füllte das Glas erneut. "Mein Vater hat immer gesagt - >Keine Ebene, auf die nicht ein Abhang folgt. Kein Hingang, auf den nicht die Wiederkehr folgt<." Er reichte ihm das Glas. "Trinken Sie, Mr. Brookman". Brookman leerte das Glas.

"Wie hat er das gemeint, Hong?"

"Müssen Sie drüber nachdenken, dann werden Sie verstehen." Sein Englisch wurde holpriger, wie immer, wenn er erregt war. "Nichts passiert, was nicht gut für uns werden kann. Wenn sie gegangen ist, dann hat das Sinn. Sie werden sehen." Noch einmal füllte er ihm das Glas. Und noch einmal trank Brookman den Cognac.

"Nichts passiert, was nicht gut für uns werden kann ...",, murmelte er. "Aber es kann auch schlecht für uns sein, oder?" Seine Zunge wurde schwerer.

Der Chinese nickte. "Wir müssen richtig damit umgehen, unsere Chance."

Brookman wiegte den Kopf hin und her. Er konnte nicht viel mit den chinesischen Weisheiten seines Kochs anfangen. Der Schmerz brannte in ihm wie ein vergifteter Pfeil. Er nahm die Cognac-Flasche und füllte sein Glas bis zum Rand.

"Nehmen Sie sich einen freien Abend, Hong. Ich muss allein sein."

Der Chinese zog sich zurück. Er blieb noch über eine Stunde im Haus. Immer wieder spähte er in das Speisezimmer. Er hatte oft gelesen, dass westliche Menschen bei solchen Anlässen dazu neigen, Dummheiten zu machen. Befriedigt stellte er fest, dass die Cognac-Flasche auf der Speisetafel sich langsam aber stetig leerte.

Erst als er sicher war, dass Brookman viel zu betrunken war, um mit einem Strick, oder einer Waffe umgehen zu können, zog er sich um. Vorsichtshalber schlich er in Brookmans Schlafzimmer, zog die Schublade seines Nachttischs auf und holte das Magazin aus der kleinkalibrigen Pistole, die sein Chef dort deponiert hatte.

Auf dem Weg zur Haustür spähte er noch einmal in das Esszimmer. Brookman hatte Arme und Kopf auf den Brief gelegt und schluchzte wie ein Kind. Nach Hongs Erfahrung machten Menschen, die ihren Schmerz herausließen in den seltensten Fällen irgendwelche Dummheiten. Einigermaßen beruhigt fuhr er hinüber nach Chelsea, wo er zurzeit fast jeden Abend für ein anstehendes Schachtournier trainierte.

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