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Die alte Fabrikuhr an der Wand mit der Hebebühne zeigte drei Uhr. Grelles Neonlicht erhellte die Werkstatt. Jerome saß zusammengesunken auf einer leeren Dieseltonne neben seiner Werkbank und drehte nervös seine Bierdose zwischen den Händen.
Clearence ging nachdenklich zwischen dem blauen Kombi vor dem geschlossenen Tor und dem Ersatzteilregal an der Stirnseite der Werkstatt hin und her.
"Wir holen die Jungs aus Detroit und treten den Slayers die Tür ein", krächzte Jerome mit schwerer Zunge. "Diese weißen Schweine haben doch Verbindung zum Ku-Klux-Klan!"
"Du redest Scheiße, Jerome!" Clearence blieb stehen und musterte seinen Cousin mit verächtlichem Blick. "Der Ku-Klux-Klan hätte Geoffrey sofort nach dem Mord an den nächsten Laternenpfahl geknüpft! Oder vor die City-Hall gelegt - damit gleich am nächsten Tag die Zeitungen voll sind von seiner neusten Heldentat!"
Er wandte sich ab und tigerte weiter durch die Werkstatt. "Nein - du hast doch gesehen, wie Geoffrey ausgesehen hat, genau wie die anderen Leichen ..."
"Hör auf!" Jerome schmetterte die noch halb volle Bierdose gegen das Werkstattor.
"... du hast doch in der Zeitung gelesen, wie die Jungs ausgesehen haben", fuhr Clearence unbarmherzig fort.
"Hör auf!" Jerome sprang auf. "Hör auf, verflucht noch mal!"
Mit drei Schritten war er bei seinem Cousin. Er packte ihn an seinem T-Shirt und zog ihn so nah an sich heran, dass sich ihre Nasen berührten. "Geoffrey war zwar nicht der Hellste - aber so dämlich, dass er mit einem schwulen Perversen in eine alte Fabrik geht, so dämlich war er auch nicht!"
Schweigend starrte Clearence in die weit aufgerissenen Augen seines Cousins. Jerome war fertig, keine Frage. Er spielte zwar den angriffslustigen Tiger, aber in seinen Augen stand die blanke Verzweiflung. Sein kleiner Bruder war neben ihm, Clearence, der einzige Mensch, der ihm geblieben war, nachdem seine Eltern und seine Schwester vor acht Jahren von vier weißen Raubmördern getötet worden waren.
Clearence legte seine Hand auf den Nacken des Älteren und zog seinen Kopf auf seine Schulter herunter. Jerome heulte laut und schluchzend wie ein kleiner Junge. Clearence ließ ihn heulen.
Nach ein paar Minuten löste sich Jerome von ihm und stapfte schluchzend zum Kühlschrank neben dem Schreibtisch. Knackend und zischend öffnete sich die Metalllasche der Bierdose.
Clearence sah nachdenklich auf die Spitzen seiner Turnschuhe. Jerome hatte recht - irgendetwas an der Geschichte stank gewaltig. Freiwillig war Geoffrey sicher nicht in die alte Fabrik gegangen. Hatte sein Mörder ihn gezwungen? Oder sollte am Ende eine der Sendungen ...?
Er musste sich zwingen den Gedanken zu Ende zu denken. Wenn eine der Sendungen an die alte Fabrik adressiert gewesen war, dann hieß das ...
Seine Augen wurden zu schmalen Schlitzen. Seine Kiefermuskulatur tanzte unter der schwarzen Haut seiner Wangen auf und ab. Er verfluchte seine Unordnung. Er hatte keine Kopie des Streckenplans. Auf dem standen alle Adressen. Aber er konnte sich die Adressen, die am Mittwoch auf seiner Auftragsliste gestanden haben, bei dem Paketdienst besorgen, für den er arbeitete. Wenn tatsächlich eine Adresse in der neunten Straße dabei war, wenn tatsächlich die alte Fabrik auf der Liste stehen sollte - alles in Clearence weigerte sich das zu glauben -, dann hatte irgendein verdammtes Schwein den Mord an Geoffrey geplant ...
Jerome stand am Kühlschrank und goss das Bier in sich hinein. Mit leeren Augen starrte er Clearence an. "Geh schlafen" sagte Clearence zu ihm. "Und danach musst du die drei geklauten Wagen aus dem Hof fahren. Morgen ist hier alles voller Bullen."
Jerome schwankte. Mit der Bierdose zwischen Daumen und Mittelfinger zeigte er mit ausgestrecktem Zeigefinger auf Clearence. "Du bist ein Klugscheißer, Cleary", lallte er, "und meistens hast du recht. Aber diesmal täuscht du dich ..." Er torkelte ein paar Schritte auf seinen Cousin zu, ohne den ausgestreckten Arm sinken zu lassen. "Erzähl' mir nicht, wie ich ein Ei aufschlagen soll, kapiert? Weiße Niggerhasser haben Geoffrey erledigt. Weiße Schweine ..."