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"Will Diana nicht an dem Verhör teilnehmen?", fragte ich Milo als er ohne sie aus dem Chefbüro zurückkam. Sie war gerade erst im Büro eingetroffen.

Milo schüttelte den Kopf. "Sie wollte doch so viel wie möglich über die Opfer erfahren", wunderte ich mich."

"Um das Täterprofil zu erstellen", sagte Milo, "das hat sie ja jetzt."

Wir hatten Clearence Valery und seinen Cousin Jerome Valery für zwei Uhr in Büro bestellt. Clearence kam allein. Er trug ein leuchtfarbenes, oranges Bikerdress, unter dem sich auch die kleinste Wölbung seines muskulösen Körpers abzeichnete. Seinen gelben Fahrradhelm legte er auf Jays Schreibtisch.

"Wo bleibt ihr Cousin?", wollte Jay wissen, der das Verhör leitete.

"Keine Ahnung", brummte der Bursche. "Kommt sicher gleich. Weiß ja, wo Sie sitzen." Seine klugen Augen wanderten unruhig in Jays und Leslies Büro umher. Er schien mir hundemüde zu sein. Wahrscheinlich hatte er die Nacht kein Auge zugemacht und war den ganzen Tag durch Manhattan geradelt. Ich setzte mich vor den Monitor, um das Verhörprotokoll direkt in Zeerys Ermitlungsprogramm zu tippen.

"Dann fangen wir schon mal ohne ihn an", Jay ließ sich vor dem schwarzen Jungen auf einen Stuhl sinken. "Erzählen Sie mir von Geoffreys Freundeskreis, von den letzten Tagen, von Leuten, die er kennengelernt hat, und so weiter."

Der Mann gab sich zugeknöpft und erzählte nur belangloses Zeug. Jay konfrontierte ihn mit unseren Informationen aus Detroit und L.A. "Unternimmt man in Geoffreys Kreisen öfter solche Wochenendausflüge?"

"Kann sein", sagte Valery mit zusammengepressten Zähnen. "Soll das jetzt ein Verhör sein? Ich dachte, Sie wollen den perversen Typen, der Geoffrey und die anderen abgeschlachtet hat."

"Wollen wir auch, Clearence", Leslie mischte sich mit besänftigender Stimme ein. "Aber wir können uns nicht vorstellen, dass ihr Cousin freiwillig in dieses Gebäude gegangen ist. Jemand, den er kannte, muss ihn hineingelockt haben. Und diesen Jemand wollen wir finden."

"Er hat niemanden kennengelernt in letzter Zeit. Das wüsst' ich. Wir sind fast immer zusammen."

Jay bohrte noch ein bisschen weiter. Aber es war nichts aus dem Burschen herauszubekommen. Wir ließen ihn die Strecke rekonstruieren, die sein Cousin vorgestern gefahren war. Er hatte sie nur lückenhaft im Kopf.

"Hat der Paketdienst, für den Sie gefahren sind, die Adressen seiner Kunden nicht dokumentiert?"

"Dann müssten die eine Lagerhalle für Papier anbauen. Die schmeißen am nächsten Tag die Aufträge in den Papierkorb." Ich tippte trotzdem die Adresse des Paketdienstes in den PC.

Leslie reichte ihm eines der Pornomagazine. "Hat Geoffrey sich mit so etwas die Zeit vertrieben?"

Ein müdes Grinsen flog über das Gesicht des Mannes. "Klar."

"Und wo gibt es die Dinger in Stuyvesant Town zu kaufen?"

"Schauen Sie mal in der Videothek sechzehnte Straße Ecke Ave C vorbei." Leslie notierte die Adresse.

Gegen halb drei sah Jay auf die Uhr. "Ihr Cousin findet wohl den Weg zur Federal Plaza nicht. Schade." Valery stand. Ich begleitete ihn aus dem Büro hinaus. Diana kam gerade aus dem Chefzimmer. Valery nahm kaum Notiz von ihr. Auch sie warf nur einen kurzen Blick auf ihn. Aber der war so kalt, dass Valery sicher eine Gänsehaut bekommen hätte, wenn er ihn aufgeschnappt hätte. Ich wurde verdammt noch mal nicht schlau aus dieser Frau.

Der Biker verschwand im Aufzug. Zusammen mit Diana ging ich zurück in Jays Büro.

"Der Bursche hat nicht mal die Hälfte von dem ausgespuckt, was er weiß", sagte Milo.

"Ja", Jay nickte grimmig. "Irgendwas stinkt."

Diana setzte sich vor den Monitor und überflog das Protokoll. "Sparen Sie sich ihre Zeit", sagte sie fast gelangweilt. "Auch der Mord geht auf das Konto unseres fetten Mannes mit dem PS-starken Auto."

"Trotzdem will ich wissen, wie er den Jungen in die Fabrik gelockt hat." Ich griff zum Telefon. "Vielleicht hat dieser Paketdienst seinen Papierkorb noch nicht geleert."

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