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Jirj Costomsky war wieder in die Freiheit entlassen worden. Nicht, ohne dass General Clark Benson ihm eingeschärft hatte, dass er äußerst vorsichtig sein müsse, solange sein Mann sich noch in Prag aufhielt.
Costomsky unternahm auch nichts Verdächtiges. Er quartierte sich lediglich fest bei Mariann Parcel ein.
Es war schon elf Uhr abends vorbei, als er an ihrer Tür klingelte.
Mariann öffnete. Sie standen sich gegenüber und schwiegen. Marianns Misstrauen hatte sich noch nicht gelegt.
»Ich dachte, du wärst schon längst in Moskau.«
Costomsky setzte wieder sein stereotypes Lächeln auf.
»Ich bin wieder zurück. Du gestattest?«
Er drückte sie sanft beiseite und betrat das Apartment.
Mariann Parcel ließ ihn vorbei und schloss hinter ihm ab. Sie gingen ins Wohnzimmer. Costomsky lächelte immer noch.
»Ich freue mich, wieder hier zu sein. Bei dir«, fügte er hinzu.
»Hast du Durst? Hunger?«
»Nur einen Drink, wenn es dir keine Umstände macht.«
Er ließ sich in einen Sessel fallen, während die junge Frau ihm einen Martini mixte und dann das Glas vor ihm abstellte.
Sie schauten sich in die Augen, und niemand wäre auf den Gedanken gekommen, dass es sich bei den beiden um ein Liebespaar handelte.
»Ich glaube, du bist mir eine Erklärung schuldig«, sagte Mariann Parcel. »Du kommst und gehst, erscheinst und verschwindest wieder. Ich konnte dich unter deiner Telefonnummer nicht erreichen. Was soll das, Jirj?«
Über Mike Borrans Besuch schwieg sich Mariann Parcel aus.
Der Russe leerte sein Glas zur Hälfte und sagte, während er in das Glas schaute: »Ich habe die Freiheit gesucht ...« Er fixierte sie. »Und für mich bedeutet die Freiheit ein Leben mit dir ...«
»Du warst nicht mehr in deiner Dienststelle?«
»Nein. Ich war auch nicht in Moskau. Ich war beim CIA. Man hat mich durch den Wolf gedreht.«
»Auf Herz und Nieren überprüft?«
»So ungefähr. Ich habe um politisches Asyl nachgesucht.«
»Aber was willst du jetzt machen?«
Jirj Costomsky hob die Schultern und ließ sie wieder fallen.
»Weiß ich noch nicht. Ich denke ohnehin an nichts anderes mehr als an dich.«
Mariann ging im Zimmer auf und ab. Hinter dem Sessel, in dem Costomsky saß, hielt sie an.
»Du weißt, Jirj ...«
»Nein, nein, mein Liebes. Sage nichts. Ich kann mir denken, was jetzt in dir vorgeht.«
»Aber wir müssen darüber reden.«
»Reden? Worüber? Du wolltest nicht mit nach Moskau, also habe ich die Konsequenzen gezogen.«
»Dein Entschluss beängstigt mich.«
»Weil du glaubst, du wärst für meine Entscheidung verantwortlich?«
»Das ist es nicht allein. Warum hast du nur früher nie etwas zu mir darüber gesagt? Nie mit mir darüber gesprochen ...?«
»Was hättest du mir denn geraten?«
»Das ... Das nicht zu machen ...«
»Ich weiß, Mariann. Ich bin ein etwas seltsamer Mensch. Aber ich habe es mir nun mal in den Kopf gesetzt, mit dir glücklich zu werden.« Er nahm ihre Hand und zog sie zu sich auf den Sessel. »Ich kann ohne dich nicht mehr leben, Mariann. Aber ich möchte auch, dass du dich frei von allen Zwängen fühlst. Meine Heimat ist womöglich tatsächlich nicht der richtige Ort für dich.«
Sie schaute ihn an, und ihre Augen wurden feucht. Sie wusste nicht mehr, was sie antworten sollte.
Meinte er es ernst?
Hatte er sich wirklich entschlossen, aus Liebe zu ihr in den Staaten zu bleiben?
Weshalb sträubte sie sich gegen diesen Gedanken?
Sie liebte ihn doch!
Oder warnte sie ihr Instinkt? Oder war es jener Mike Borran gewesen, der Zweifel in ihr Herz gesät hatte?
Costomsky beugte sich über sie. Er zog sie an sich, und seine Lippen pressten sich fordernd auf ihren Mund. Er küsste sie, und Mariann Parcel schloss die Augen.
Ihre Zweifel lösten sich in Nebel auf, und sie gab sich ganz dem Gefühl hin, endlich einmal ehrlich geliebt zu werden. Wie lange hatte sie darauf warten müssen!