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Saddy Leroy kicherte albern. Zuerst hatten sie gemeinsam einen harten Joint geraucht und sich dann geliebt. Verrückt, maßlos und am Strand von Long Beach.
Dem Mädchen klebte der Sand auf dem Rücken und in den verschwitzten Haaren.
Deshalb wollten sie jetzt ins Meer. Sproody Carrenger, ein Studienkollege, und sie.
Nachts wurden die Brecher, die gegen die Küste anliefen, kleiner. Splitternackt rannten sie gegen eine Welle an.
Saddy Leroy ließ sich von der Flut hochheben, kreischte entzückt und bekam wieder Boden unter die Füße.
Da kreischte sie nochmals, denn sie war auf eine Wasserleiche getreten ...
Der nächste Brecher kam. Saddy duckte sich und ließ ihn über sich hinweg laufen.
»Sproody!«, schrie sie, als sie wieder Luft bekam. »Komm sofort zu mir!«
Der blondgelockte Jüngling zögerte nicht lange. Mit ein paar kräftigen Schwimmzügen war er bei Saddy.
»Nesselqualle?«, fragte er prustend. »Wadenkrampf? Ich helfe dir.« Er gab sich ritterlich. »Leg’ dich ganz flach ins Wasser. Ich bring’ dich ans Ufer.«
»Da ist was«, erwiderte Saddy Leroy verstört. »Es sieht so aus, als würde ich auf einer Toten stehen.«
»Lass die dummen Scherze«, brummte Sproody Carrenger und wischte sich die nassen Haare aus der Stirn. »Ich dachte schon, dir wäre was passiert.«
»Ist mir ja auch was passiert, Sproody. Ich steh' auf ’ner Leiche.«
»Du spinnst!«
Saddy Leroy begann wütend zu werden, und wenn sie wütend wurde, wurde sie auch ausfallend.
»Dann überzeuge dich doch selbst, du Mistkerl!«
Der Student kam nun doch näher.
»Dann lass uns schleunigst von hier verschwinden«, meinte er.
Aber er hatte nicht mit Saddys Energie gerechnet. Blitzschnell packte sie ihn an den Haaren. Sproody Carrenger bekam Meerwasser zu schlucken.
»So leicht kannst du dich nicht davonmachen!«, keuchte sie, nachdem der Student wieder hochgekommen war. »Du wirst mir helfen, die Leiche an Land zu ziehen.«
Der Student seufzte.
»Bück’ dich nur«, ermunterte ihn das Mädchen. »Genau unter mir.«
Sproody Carrenger tauchte unter, tastete sich an Saddys Beinen entlang und stieß tatsächlich auf etwas Weiches, das durchaus ein Körper sein konnte. Er bekam einen Arm zu fassen und zerrte daran, während ein weiterer Brecher sie ein Stück in die Höhe hob und sie näher ans Land brachte.
Saddy half ihm jetzt, indem sie den anderen Arm packte. Gemeinsam zogen und zerrten sie die Tote ans Ufer, streckten sie im Sand aus.
Es war eine mondhelle Nacht. Man konnte Einzelheiten gut unterscheiden. Die Leiche hatte langes, schwarzes Haar und eine prächtige Figur. Das Mädchen konnte kaum älter als zwanzig sein. Aus ihrem weit geöffneten Mund schlossen sie, dass die Schwarzhaarige ertrunken sein musste.
Doch da gab es noch mehr Einzelheiten, die ihnen sofort auffielen. Es war eine Zeichnung auf dem toten Leib des Mädchens.
Vom Schambein hoch bis unter die Brüste ein Kreuz und zwischen den Brüsten ein Kreis mit einem Punkt in der Mitte.
Das astrologische Sonnenzeichen.
»Im Handschuhfach meines Wagens liegt eine Taschenlampe«, sagte Saddy und Sproody Carrenger spurtete los. Der Wagen stand nicht weit entfernt in einem Palmenhain. Der junge Bursche war bald zurück.
Im Lichtkegel der Lampe sahen sie, dass Kreuz und Sonnensymbol nicht aufgemalt, sondern mit einer Dolchspitze oder einem Skalpell in die Haut geritzt worden waren. Den Wundrändern nach zu schließen, konnte das nicht vor allzu langer Zeit geschehen sein.
Saddy Leroy verstand etwas davon. Sie studierte Medizin.
»Wir müssen die Polizei benachrichtigen«, sagte sie. »Kennst du dieses Zeichen?«
»Gesehen hab ich's schon mal irgendwo«, antwortete Sproody Carrenger. »Gibt es da nicht irgendeine Sekte, die. ..«
»Stimmt«, unterbrach ihn Saddy. »Children of Sun. Die Sonnenkinder. Sie hausen irgendwo im Santa Barbara Valley. Soll ein ganz exklusiver Verein sein. Eine Freundin von mir wollte auch mitmachen, aber sie durfte nicht. Sie nehmen nur die Kinder von Intellektuellen auf, und der Vater meiner Freundin ist Autoverkäufer. Ein verrückter Verein. Schottet sich ab, als würden sie mitten in Fort Knox hausen. Ihr Grundstück ist umzäunt, und Wachen mit Schießprügeln laufen herum.«
»Heißt ihr Anführer nicht Sam Crown?«, fragte Sproody Carrenger.
»Ich glaube ja. Auch so eine verrückte Nuss. Ein Farbiger mit langem, weißen Bart. Da müssen während der Sklavenzeit ein paar Plantagenbesitzer in seine Ahnenreihe gepfuscht haben.«
»Hm. Und was machen wir jetzt?«
»Sagte ich doch schon. Wir müssen die Polizei benachrichtigen. Such' schon mal unsere Klamotten zusammen.«
»Und die Leiche?«
»Die bleibt hier. Es wird sie schon niemand klauen. Wie sie aussieht, liegt sie schätzungsweise schon seit drei Tagen im Wasser. Weglaufen kann sie auch nicht.«
»Und wie wär’s, wenn wir einfach von der nächsten Telefonzelle aus anrufen?«
Saddy Leroy starrte Carrenger einen Augenblick lang an.
»Sproody!«, rief sie schließlich. »Du hast ja tatsächlich brauchbare Ideen!«