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Als der Bentley in der Garage stand, war das Mädchen eingeschlafen. Borran weckte es sanft.

»Wir sind da«, sagte er.

Sie schaute sich um. Borrans Bungalow lag im Mondlicht. In der Toreinfahrt brannten Lampen auf gusseisernen Kandelabern.

»Hübsch haben Sie’s hier«, meinte sie und gähnte herzhaft. Borran half ihr galant aus dem Wagen. Unterwegs hatte sie auch ihren Namen preisgegeben und nur ein wenig dabei geschwindelt.

Corry Ranpat nannte sie sich.

Borran trug ihren Seesack ins Haus. Er war tatsächlich ziemlich schwer.

»Wollen sie umsiedeln?«, fragte er. »Eigentlich sehen Sie nicht danach aus, als würden Sie Töpfe und Pfannen mit sich herumschleppen, wie dieses Gewicht hier glauben macht.«

Sie ging nicht darauf ein, war in ihrem Denken überhaupt sehr sprunghaft, wie Borran mittlerweile hatte feststellen können.

»Sind Sie verheiratet?«, wollte sie wissen.

»Nein«, antwortete Mike Borran knapp. »Aber ich bin auch kein Sittenstrolch. Eigentlich sollten Sie das inzwischen festgestellt haben.«

»Man soll die Nacht nicht vor dem Morgen verteufeln«, erwiderte sie kokett, und Borran grinste müde. Lange Autobahnfahrten zählten nicht zu seinen Lieblingsbeschäftigungen. Er schloss auf und machte Licht.

»Sehen Sie sich ungeniert um«, empfahl er. »Im Bad werden Sie alles finden, was Sie brauchen.«

»Sie haben kein Gepäck?«, fragte sie, und stellte damit ihre Flatterhaftigkeit aufs Neue unter Beweis.

»Ich hatte nur kurz in Vegas zu tun. Einen Drink?«

»Danke. Haben Sie auch einen Daiquiri?«

»Ich kann Ihnen einen mixen.«

Borran schlenderte zur Bar hinüber und deutete auf eine Tür.

»Dahinter ist das Bad. Sie können sich jetzt frischmachen.«

»Wofür?«, fragte sie zurück und grinste. General David A. Lambert schien seine Tochter mit den Moralvorstellungen einer läufigen Katze ins Leben entlassen zu haben.

Mike Borran erwiderte nichts darauf, sondern beschäftigte sich ostentativ mit den Flaschenbatterien seiner Hausbar, bis er Wasser aus der Dusche sprudeln hörte. Für sich selbst wählte er einen Scotch mit viel Eis.

Corry Lambert duschte ausgiebig. Sie stand drei Drinks lang unter dem hart prasselnden Wasserstrahl. Im Daiquiri waren die Eiswürfel in der Hitze zergangen. Der Seesack lag noch dort, wo Mike ihn abgestellt hatte.

Endlich kam das Mädchen wieder. Mit nichts als einem seiner Badetücher bekleidet. Aus ihren langen Haaren tropfte das Wasser.

»Ich sah einen Pool hinter dem Haus«, sagte sie. »Darf ich?«

»Natürlich«, antwortete Mike Borran. Das Mädchen duftete nach Plentys Parfüm, als es an ihm vorbeiging.

Schon an der Terrassentür ließ sie die letzte Hülle fallen. Sie hatte einen hübschen Körper mit einem straffen, kleinen Po. Sie wandte sich halb zu ihm um strich sich die Haare hoch.

»Haben Sie denn keine Lust?«

»Wie ich sehe, sind Sie alt genug, um allein zu baden. Außerdem ist der Pool nicht sonderlich tief.«

Sie lachte gurrend und tief in der Kehle. Dieses kleine Luder wusste sehr gut, wie man sich in Szene setzte.

»Seien Sie doch bitte so nett und bringen Sie mir einen Bademantel nach, ja?«

Mike Borran seufzte ergeben.

»Sie machen es einem verteufelt schwer, hart zu bleiben«, meinte er, und sie lachte nochmals auf eine Weise, die ihr bestimmt in keinem Verein christlicher Mädchen beigebracht worden war.

Sie drehte sich endgültig um und entschwand im Zwielicht zwischen Haus und Pool. Kurz darauf kündete lautes Platschen davon, dass sie im kristallklaren Wasser herum planschte.

Mike Borran war mit zwei Schritten an ihrem Seesack, öffnet den Reißverschluss und nahm den Inhalt kurz unter die Lupe.

In der Hauptsache bestand er aus Knäueln unordentlich verpackter Gebrauchtwäsche. Erst als er auf einen 32er Smith u. Wesson stieß, wurde er stutzig. Borran roch am Lauf, doch die Waffe war in letzter Zeit nicht abgefeuert worden. Dazu fand er noch schwere Bergstiefel und vercromte Steigeisen, denen man entnehmen konnte, dass Coory Lambert neben dem Vernaschen fremder Männer zumindest noch ein weiteres Hobby hatte. Das erklärte auch ihre ausgesprochen sportliche Figur.

In Nylon Dessous eingewickelt fand sich eine angebrochene Tafel gepressten Haschs bester Qualität.

Doch das bedeutete nicht viel. Shit war aus dem Reisegepäck von Leuten, die an der sonnigen Westküste der Staaten ihr Heil suchten, schon kaum mehr wegzudenken.

Anders verhielt es sich mit vier teuren japanischen Kameras, die vor kurzem noch in den Handschuhfächern oder im Fond von Autos jener Leute gelegen haben durften, die Corry Lambert von Phoenix aus mitgenommen hatten. Denn ihr Greyhound Billet reichte nur von Washington bis zur Hauptstadt Arizonas.

Geld fand Mike Borran keines. Nicht einen einzigen Cent. Ihr blauer Pass schien echt zu sein.

Mike Borran hatte soeben wieder alles verstaut, als sie von draußen rief:

»Den Bademantel bitte!«

Borran holte einen aus einem Schrank und ging damit hinaus zum Swimmingpool, wo Corry Lambert soeben über den Beckenrand kletterte.

»Es war himmlisch«, sagte sie. Und dann: »Jetzt starren Sie mich aber an.«

Das stimmte.

Mike Borran sah den verwischten Rest einer Zeichnung, die mit lang haftenden Körperfarben auf die sanfte Wölbung ihres Bauches aufgetragen war.

Sie lachte nervös.

»Ach, das meinen Sie«. Corry schlüpfte hastig in den Frottee-Mantel. »Nur ein dummer Scherz. Aber das verdammte Zeug ist auch mit einer Bürste kaum mehr wegzubekommen.«

Damit hatte Corry Lambert auch verraten, warum sie nach einer ausgiebigen Dusche auch noch ein Bad im Schwimmbad brauchte. Sie wollte nicht, dass er diese Zeichnung sah.

Aber Borran hatte sie nun einmal gesehen. Nur wusste er im Augenblick nicht, in welche Schublade seines Gehirns er das Kreuz mit dem Sonnensymbol darüber einordnen sollte.

»Ist zumindest originell«, meinte er, um die Pause zu überbrücken, die allmählich peinlich zu werden begann. »Ich fürchte, Ihr Daiquiri ist inzwischen zu warm geworden.«

Unvermutet fuhren ihre Arme hoch und umfassten seinen Hals. Corry Lamberts Lippen kräuselten sich und suchten seinen Mund. Borran konnte sich nicht gegen diesen überfallartigen Kuss wehren, und mit Schrecken stellte er fest, dass ihm das Spiel zu gefallen begann.

Er fluchte nur im stillen und sehr halbherzig auf Johnnie McIntire, der ihm zu diesem Abenteuer verholfen hatte.

Aber war er aus Stein?

Mike Borran war es nicht.

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