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Der Zwischenfall hatte doch seine Zuschauer gehabt, auch wenn Borran nichts davon bemerkt hatte.
Auf ein Klingelzeichen vom Tor hin hatte Sam Crown ein Periskop ausgefahren, durch das er den Eingang zum Camp überwachen konnte.
Jetzt wandte er sich davon ab und trat ins Freie hinaus. Slim Perth, der Bärtige, humpelte ihm entgegen und rieb sich den Hals. Rudy Colon lag noch neben dem Eindringling im Staub.
Sam Crown brauchte den Bärtigen nur kurz anzuschauen, und dessen Gestalt straffte sich schlagartig. Slim Perth bewies damit, dass er irgendwann einmal bei der Armee gewesen war, oder in einem Straflager eingesessen hatte. Militärischer Drill wurde in beiden Institutionen gepflegt, weil die Leiter von Straflagern nicht selten abgesägte Kommisshengste waren.
»Ein Fremder, Sir«, meinte Perth und senkte die Augen.
»Das habe ich inzwischen auch bemerkt«, antwortete Crown mit ätzender Ironie. »Was wollte er?«
»Er behauptete, bestohlen worden zu sein.«
»Von wem?«
»Von der Neuen, die heute früh angekommen ist.«
Sam Crown kraulte mit den gepflegten Fingern in seinem weißen Bart herum. Das tat er immer, wenn er angestrengt nachdachte. Er erinnerte sich gut, was sich alles im Seesack des Mädchens befunden hatte. Auch an die handhohe Jadefigur, die ein kleines Vermögen wert sein musste. Darüber hinaus hatte er der neu Angekommenen sofort die »Beichte« abgenommen, wie er das bei allen machte, die Sam Crown in den Kreis der »Children of Sun« aufnahm.
Natürlich hatte das Mädchen nicht freiwillig aus der Schule geplaudert, doch es gab da gewisse Drogen, die auch der Wahrheitsliebe von hartnäckigsten Lügnern auf die Sprünge halfen.
»Er heißt Mike Borran«, meinte Sam Crown in seiner Singsangstimme. »Ein Kernphysiker. Und Corry Lambert hat ihn tatsächlich bestohlen.«
»Ein Wissenschaftler?«, fragte Slim Perth verblüfft. »Für einen Eierkopf hat er aber einen verdammt harten Schlag drauf.«
»Das muss nichts bedeuten. Es ist in Mode gekommen, seinen Körper nicht verkümmern zu lassen, nur weil man vorwiegend einer geistigen Arbeit nachgeht. Packt ihn in seinen Wagen und lasst ihn abdampfen.«
Sam Crown ging zu einer Kommode im Rückteil des karg möblierten Zimmers und kam mit der Figur des Mondgottes wieder.
»Drückt ihm das noch in die Hand. Das wird ihn beruhigen.«
»Und wenn er trotzdem Scherereien macht?«
»Wie sollte er? Er hat unser Grundstück unbefugt betreten und sich damit des Hausfriedensbruchs schuldig gemacht. Zudem neigen Leute mit Intellekt dazu, Schwierigkeiten aus dem Weg zu gehen. Ich denke, dieser Mann hat seine Lektion gelernt. Er wird uns nicht mehr belästigen. Außerdem sind wir ja ohnehin schon fast weg. Scherereien bekämen wir nur, wenn wir ihn verschwinden ließen. Und jetzt tu endlich, was ich dir gesagt habe.«
Mit der Jadefigur in der Hand trottete Slim Perth in die Hitze hinaus.
»Wir müssen ihn laufen lassen«, sagte er zu Rudy Colon, der sich eben stöhnend erhob.
»Verdammter Mist«, keuchte Colon.
»Vergiss nicht, dass Crown nicht unser einziger Boss ist«, redete Perth beschwichtigend auf seinen Kollegen ein. »Und mit den anderen ist noch viel schlechter Kirschen essen. Machen wir besser, was er gesagt hat.«
Da unterdrückte Rudy Colon seine Rachegelüste.
Slim Perth hatte zwar ein gestörtes Verhältnis zur Wahrheit, aber in diesem speziellen Falle mit Sicherheit einmal nicht gelogen.