image
image
image

10

image

image

Milo und mir war rasch klar, dass dies ein langer Einsatz werden würde. An Feierabend war vorerst nicht zu denken.

Lieutenant McKees Leute fanden mehrere Zeugen, die aussagten, dass kurz nach der Explosion ein dunkelblauer Van vom Typ Chrysler Voyager aus einer Parklücke geschossen war und mit quietschenden Reifen einen regelrechten Kavaliersstart hingelegt hatte. Der Van hatte sich ziemlich brutal in den Verkehr eingefädelt und war mit quietschenden Reifen davongebraust.

Auf Grund der getönten Scheiben hatte keiner der Zeugen gesehen, wie viele Personen sich im Inneren befunden hatten – geschweige denn, dass es möglich gewesen wäre, dazu nähere Aussagen zu machen. 

Mister McKee beorderte die Kollegen Clive Caravaggio und Orry Medina an den Ort des Geschehens. Die beiden hatten längst Dienstschluss gehabt, aber Mister McKee hatte sie aus dem Feierabend herausgeklingelt. Wenig später traf auch noch Agent Fred LaRocca mit einem Chevy aus den Beständen unserer Fahrbereitschaft ein. Er kam in Begleitung von Agent Sam Folder, einem unserer FBI-eigenen Erkennungsdienstler, deren Hilfe wir über die Kapazitäten der SRD hinaus anfordern konnten.

Milo kam auf die Idee, die Geschäfte an der Fifth Avenue abzuklappern. Die meisten verfügten über hochmoderne Video-Überwachungsanlagen. Zumeist war der Eingangsbereich dadurch gesichert. Wenn wir Glück hatten, lagen auch der gelbe Porsche sowie der verdächtige Van im Fokus einer dieser Kameras.

Etwa ein Dutzend Geschäfte kamen von ihrer Lage dafür in Frage. Die meisten davon hatten um diese Uhrzeit längst geschlossen. Frank Sinatra besang in einem der durch ihn populär gewordenen Lieder New York zwar als „the city, that never sleeps“, aber das hatte nur bedingte Gültigkeit. Die teuren Boutiquen und Juweliere, die hier zu finden waren, richteten ihre Öffnungszeiten nach den Gewohnheiten ihrer Kunden.

In einem Juwelierladen, der noch geöffnet hatte, wurden wir fündig. Die Videokamera war die ganze Zeit in Richtung des gelben Porsches gerichtet gewesen und der Besitzer war sofort bereit, uns die Aufzeichnungen zur Verfügung zu stellen. Er selbst hatte von der Explosion nur das Geräusch mitbekommen, da er sich gerade im hinteren, der Straße abgewandten Teil des Ladens befunden hatte.

Zur fraglichen Zeit war ein Mann zu sehen, der sich an dem Wagen zu schaffen machte. Er blickte sich mehrfach um, so als befürchtete er, beobachtet worden zu sein. Anschließend klebte er eine entsprechende Ladung von unten an den Wagen.

Wir zoomten das Gesicht des Kerls näher heran. Er trug eine Baseball-Cap und eine Sonnenbrille mit Spiegelgläsern, sodass von seinem Gesicht nur die Kinnpartie zu sehen war. Der Mund wurde von einem bisschen Schnauzbart verdeckt. Milo äußerte Zweifel daran, ob der überhaupt echt war.

„Dieser Kerl muss in die Fahndung!“, war mein Kommentar.

„Nur, dass das aufgezeichnete Material wohl kaum für einen Bildabgleich in unseren Archiven taugt“, gab Milo zu bedenken.

„Versuchen können wir es trotzdem – auch wenn nicht viel dabei herauskommt“, gab ich zurück.

Wir nahmen den Datenträger, auf dem die Aufzeichnungen gespeichert waren für weitere Untersuchungen mit.

Wenig später wandte sich Clive Caravaggio an uns.

„Milrone muss heute noch befragt werden“, erklärte er. Inzwischen war Clive natürlich längst auch über unser Gespräch mit Browning informiert. „Ich selbst möchte das ungern tun, denn ich hatte bereits einmal im Rahmen eines anderen Verfahrens eine Hausdurchsuchung bei ihm zu leiten. Seitdem reagiert Milrone allergisch auf mich. Aber in diesem Fall wäre es wichtig, ihm vielleicht die eine oder andere Information zu entlocken. Wenn nämlich auch nur das Geringste an der Reaktivierung dieses Killers mit der Bezeichnung Flash dran ist, wette ich, dass der ‚Pate von Brooklyn’ ganz genau weiß, was dahinter steckt!“

Ich nickte knapp.

„Okay, wir fahren hin“, sagte ich.

image

image

image