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Vic Milrone saß zusammen mit seinem Neffen Mike auf der Rückbank der schwarzen Stretch-Limousine und schnupfte eine Prise Kokain.
„Das solltest du lassen, Onkel Vic“, meinte Mike. „Eines Tags wirst du es bereuen....“
„Ich brauche das jetzt einfach“, meinte Vic.
Seit Jahren hatte Vic Milrone kein Kokain mehr angerührt. Aber der Druck, unter dem er seit einiger Zeit stand, hatte dazu beigetragen, dass er rückfällig geworden war. Zu viel hing davon ab, wie er sich jetzt verhielt. Der große Deal war fast perfekt. Eine einmalige Chance, um unvorstellbar viel Geld zu verdienen.
Und dann war da ja noch die Sache mit Flash...
Inzwischen hatte Vic Milrone auch aus anderen Quellen das Gerücht gehört, dass der Mann, der sich für seine Tätigkeit als Hitman dieses Pseudonym gegeben hatte, auf die Bühne zurückgekehrt war, weil pure Geldnot ihn dazu trieb.
Vic lehnte sich zurück, schloss die Augen. Die Limousine fuhr derweil über die Hudson Street den Westen von Greenwich Village.
Vic hatte dem Fahrer Anweisung erteilt, das New Palace Hotel, in dem Pete Makarow residierte, nicht auf direktem Weg anzusteuern, sondern ein paar Schleifen kreuz und quer durch Manhattan zu fahren, bis fest stand, dass ihnen niemand gefolgt war. Für den Fall, dass bei der Durchführung des Deals später irgendetwas schief ging, musste Vic verhindern, dass ihn irgendjemand mit Makarow in Verbindung bringen konnte.
„Was glaubst du, wie viel hat Cronin diesem Killer namens Flash wohl geboten, um mich zu töten?“, fragte Vic ohne die Augen dabei zu öffnen.
„Keine Ahnung. Aber unter zweihunderttausend Dollar ist jemand wie Flash wohl nicht zu haben – selbst wenn man miteinberechnet, dass er im Moment vielleicht in Geldnot ist und nahezu jeden Job annehmen muss.“
„Vielleicht könnte es unseren Leuten gelingen, Flash aufzuspüren und ihm ein Angebot zu machen.“
„Du willst dich freikaufen, Onkel Vic?“
Vic Milrone zuckte die Achseln. „Warum nicht? Ich traue mich ja schon fast nicht mehr, mein Haus oder diese kugelsichere Limousine zu verlassen. Und genau darauf braucht er – dieser geheimnisvolle Flash - nur zu warten.“
Mike Milrone schwieg zunächst. Er blickte auf die Uhr an seinem Handgelenk. „Ich schlage vor, wir konzentrieren uns jetzt auf den Abschluss der Verhandlungen mit Mister Makarow.“
Vic grinste krampfhaft. Er bleckte die Zähne, aber diesmal wirkte das aufgesetzt und keineswegs wie ein Ausdruck gesteigerten Selbstbewusstseins.
„Keine Sorge, das wird schon klappen.“
„Ich weiß nicht, ob es wirklich der richtige Weg ist, sich mit diesem Kerl einzulassen“, wandte Mike ein. „Bisher lief es doch gut. Weshalb also dieses Risiko eingehen?“
„Mike, ich dachte, das hätten wir ausführlich diskutiert!“, tadelte Vic seinen zweiten Mann.
Inzwischen erreichte die Limousine das New Palace Hotel. Ein Van mit hervorragend ausgebildeten Security-Männern fuhr ihnen zunächst hinterher, überholte schließlich aber kurz vor Erreichen des Hotels wieder und fuhr auch zuerst in die dazugehörige Tiefgarage ein.
Diese Tiefgarage hatte nur ein einziges Deck, das allerdings erst in einer Tiefe von drei Stockwerken zu finden war.
Der Van ordnete sich schließlich in einen wenig frequentierten Bereich des Parkdecks ein und hielt. Die Türen öffneten sich. Die mit MPis und automatischen Pistolen ausgerüsteten Leibwächter stiegen aus. Insgesamt sechs Mann gingen in Stellung. Der Fahrer des siebensitzigen Vans parkte das Fahrzeug rückwärts ein.
Die Limousine hielt ebenfalls und wurde von den Bewaffneten umringt.
Einer der Security Guards öffnete die Tür.
Vic stieg aus.
Mike öffnete die Tür auf seiner Seite selbst.
Im nächsten Moment ging durch den Körper eines der Leibwächter ein Ruck.
Auf der Stirn des groß gewachsenen, breitschultrigen Mannes bildete sich ein roter Punkt. Er wankte und sank zu Boden, ehe er seine Waffe hochreißen konnte. Ein zweiter und ein dritter Bodyguard bekamen nur Sekunden später ebenfalls mit äußerster Präzision gesetzte Kopftreffer in Schläfe und Stirn.
Sie waren sofort tot.
Der vierte Bodyguard duckte sich, riss die Waffe empor und richtete sie in die Richtung aus der die Schüsse gekommen waren. Der Strahl eines Laserpointers tanzte für Sekundenbruchteile durch den Raum, brach sich kurz an der ausgefahrenen Radioantenne der Limousine.
Der Leibwächter feuerte seine MPi ab. Sekundenbruchteile später sanken jedoch auch die anderen drei Leibwächter getroffen zu Boden.
Einer von ihnen hatte noch versucht, sich in Deckung zu begeben, war aber vorher ebenfalls durch einen Treffer abgefangen worden.
Mike Milrone hatte sich inzwischen ins Innere der gepanzerten Limousine gehechtet.
Sein Onkel hatte weniger Glück. Mehrere Kugeln fuhren ihm in den Oberkörper.
Er taumelte zu Boden.
Da er wie stets unter seiner Kleidung Kevlar trug, hatten ihn die Kugeln nicht töten können. Er rang nach Luft und keuchte erbärmlich.
Der Geschosshagel verebbte.
Der Chauffeur der Limousine saß wie erstarrt da. Ihm konnte nichts passieren, aber es war ihm auch unmöglich in das Geschehen einzugreifen.
Zwei weitere Schüsse trafen die Reifen der Limousine, die sich daraufhin auf der linken Seite etwas absenkte.
Der Schütze kam jetzt aus seiner Deckung.
Er war maskiert, trug einen schwarzen Rollkragenpullover, Kevlarweste und ein Sturmgewehr für Scharfschützen mit Laserzielerfassung.
Er kam rasch näher, legte kurz an und zielt auf den Chauffeur. Die Kugel wurde vom Panzerglas aufgefangen.
Der Maskierte trat näher.
Er kratzte sich am Nacken. Die Sturmhaube, mit der er sich maskiert hatte, rutschte etwas empor. Eine dunkle Stelle war dort kurz zu sehen.
Er ließ den Blick über den Boden schweifen, stieß einen der getöteten Leibwächter kurz an.
Dann blieb er bei Vic Milrone stehen und blickte auf ihn herab. Dieser hielt sich den Oberkörper.
Er wollte etwas sagen, brachte aber nichts weiter heraus als ächzende Laute. Sein Gesicht war hochrot. Der Maskierte schob das Sturmgewehr, das mit Schulterriemen befestigt war, nach hinten. Er zog ein Kampfmesser, fasste mit der anderen den Haarschopf des am Boden liegenden Vic Milrone und ließ das Messer vorschnellen. Der Pate von Brooklyn starb, ohne noch einen Schrei abgeben zu können.
Der Maskierte wischte das Messer an der Kleidung des Toten ab, steckte es weg und griff dann erneut nach dem Sturmgewehr. Er zielte kurz und feuerte auf das surrende Kameraauge, das ihn die ganze Zeit beobachtet hatte.