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Wir ließen uns in die etwas unbequemen, ziemlich modernen Sitzmöbel nieder, die in Pamelas Wohnung standen. Die vorherrschende Farbe war schwarz.

Ich versuchte Kevin Green so knapp und schonend wie möglich über das in Kenntnis zu setzen, was geschehen war.

"Pamela – tot?", flüsterte er.

Er fasste sich mit der Hand vor das Gesicht und wischte sich über die Augen. Dann schüttelte er den Kopf und schluckte. Die Nachricht vom Tod seiner Schwester schien ihn ziemlich zu treffen. Eine ganze Weile lang schwieg er.

Dem Hausmeister wurde es zu unbehaglich.

Unter dem Vorwand, dass er noch etwas zu tun habe, ging er davon und verließ die Wohnung.

"Und wer sind Sie?", fragte er mich schließlich.

"Jennifer Dexter, London City Telegraph..."

"Ah, dann geht es Ihnen wahrscheinlich um eine Sensationsstory, was?", meinte Kevin ziemlich gallig. Der Schmerz ließ ihn so reden.

"Nein", sagte ich. "Ich bin aus einem persönlicheren Grund hier..." Ich berichtete ihm von Pamelas Anruf. "Sie warnte mich vor einer Gefahr mit dem Namen Quarma'an. Haben Sie eine Ahnung, was dieses Wort bedeutet, Mr. Green?" Er schüttelte den Kopf und raufte sich die Haare.

"Nein", sagte er. "Aber wie Sie dieser Wohnung ja sicher ansehen, hatte Pamela so ihre eigenen Ansichten über jene Mächte, die die Welt beherrschen..." Er lachte heiser auf und eine deutliche Spur von Verzweiflung klang darin mit. "Für Sie war die Welt voller Geister, Dämonen und rätselhafter Kräfte... Ich weiß nicht, vielleicht war sie wahnsinnig... Jedenfalls glaube ich nicht, dass diese Warnung irgend einen realen Hintergrund hat..."

Er stand auf, steckte die Hände in die Hosentaschen und ging dann zum Fenster. Sein etwas melancholisch wirkender Blick ging ins Nichts.

"Da bin ich mir nicht so sicher", erwiderte ich.

"Ach, nein?"

"Nein."

Von meinen Träumen konnte ich ihm natürlich nichts sagen. Aber seitdem ich Pamela Green als die Frau in Rot erkannt hatte, die in meinem Traum eine Rolle spielte, war ich überzeugt davon, dass alles möglicherweise einen wirklichen Hintergrund hatte.

Quarma'an...

Ich fühlte, dass dieser düster klingende Name der Schlüssel zu allem war.

Für einen Sekundenbruchteil sah ich den Schatten einer riesigen, beinahe nicht, menschlichen Hand vor meinem inneren Auge und erschauderte...

Bislang schien in diesem Fall nichts einen auch nur annähernd plausiblen Zusammenhang zu ergeben.

Er drehte sich zu mir herum. Sein Lächeln wirkte matt. "Wie ich Sie einschätze, haben Sie auch längst mit der Polizei geredet!"

"Sicher."

"Und?"

"Scotland Yard glaubt, dass ein ominöser Serientäter Ihre Schwester erwürgt hat, aber man hat sich da, wie ich finde, etwas zu schnell festgelegt und verfolgt andere Spuren überhaupt nicht mehr..."

"Ich frage mich, weshalb mich niemand von Pamelas Tod verständigt hat. " Dann zuckte er die breiten Schultern und gab sich selbst die Antwort. "Naja, vermutlich hat mich niemand erreicht. Ich bin nämlich verdammt viel unterwegs."

"Was machen Sie?", fragte ich.

"Ich bin Studiomusiker, ein Beruf, der einen kreuz und quer über den Globus führt. Überall dorthin, wo gerade eine Platte eingespielt wird, auf der ein Saxophon zu hören sein soll..." Er atmete tief durch und wandte dann wieder den Kopf in Richtung Fenster.

Fast schien es, als würde er zu sich selbst reden, als er fort fuhr. Seine Stimme war leise, beinahe ein wenig brüchig.

"Ich glaube, der frühe Tod unserer Eltern hat Pam ein bisschen aus der Bahn geworfen. Sie war zwar bereits siebzehn und ich habe versucht, mich so gut es ging um sie zu kümmern, aber..."

Er schüttelte den Kopf und brach ab.

"Sie machen sich Vorwürfe?", fragte ich.

"Ich habe sie später viel allein gelassen, als es in meiner Musikerkarriere aufwärts ging. Viel zu viel allein... Sie hätte vielleicht etwas mehr Halt gebraucht, den ich ihr nicht geben konnte."

Ich erhob mich ebenfalls und trat etwas näher an ihn heran.

"Ich bin überzeugt davon, dass Sie getan haben, was Sie konnten, Mr. Green."

"Ach ja?", rief er etwas unwirscher, als er es wohl geplant hatte. "Aber offensichtlich hat es nicht gereicht - oder sehen Sie das anders?"

Einen Moment lag herrschte Schweigen. Dann fragte ich ihn: "Möchten Sie wissen, wer Ihre Schwester auf dem Gewissen hat?"

Er drehte sich um und sah mich überrascht an.

"Natürlich!", meinte er schließlich nach einer gewissen Pause.

Ich berührte ganz leicht seinen Arm und sagte: "Dann helfen Sie mir, Mr. Green! Bitte!"

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