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Kevin gab mir seine gegenwärtige Adresse in London. Er residierte in einem Hotel. Ein fester Wohnsitz lohnte sich für ihn hier nicht.

Dazu war er einfach zu selten in der Themse-Metropole. Wir verabredeten uns für den nächsten Tag und außerdem gab ich ihm meine Handy-Nummer, damit er mich jederzeit erreichen konnte, falls sich etwas Neues ergab.

Da er Pamela Greens einziger Angehöriger war, würde er in den nächsten Tagen ihre Angelegenheiten zu regeln haben, was sicher keine ganz angenehme Pflicht war. Möglicherweise jedoch kam dabei noch etwas zu Tage, was einen Hinweis auf ihren Mörder geben konnte...

Als ich am Abend aus der Redaktion des Telegraphs kam und in meinen roten Mercedes stieg, stand mir plötzlich wieder jene unheimliche Alptraumszene vor Augen, in der ich Pamela zum ersten Mal gesehen hatte, noch bevor ich ihr begegnet war. Für den Bruchteil einer Sekunde war wieder alles gegenwärtig.

Das schreckensbleiche Gesicht der jungen Frau, ihr rotes Kleid und das Buch, das sie an sich gepresst hielt... Und im Hintergrund der unheimliche Schatten mit seiner monströsen Hand.

Der Hand eines Würgers!, wie es mir mit Schaudern durch den Kopf ging. Ich konnte Kevin verstehen, dass er Pamelas Warnung vor einer mysteriösen Gefahr für absurd hielt. Noch war es gar nicht so furchtbar lange her, da hätte ich selbst jeden für verrückt erklärt, der so hysterisch wie Pamela von einem geheimnisvollen Wesen geredet hätte, das eine nicht näher genannte Bedrohung darstellte...

Und das diese Frau am Rand des Wahnsinns gesegelt hatte, das hatten meine bisherigen Recherchen ja ziemlich eindeutig ergeben. Die Kontrolle über ihr Leben schien Pamela nach und nach ziemlich entglitten zu sein.

Andererseits war da diese Traumvision und die Tatsache, dass ich inzwischen schon so manches erlebt hatte, was sich den Erklärungen entzieht, die die Wissenschaft bis heute bietet. Ich hatte gelernt, meiner Gabe zu trauen und wusste, wie gefährlich es sein konnte, diese Visionen, die mich wie Schlaglichter auf die Zukunft heimsuchten, nicht ernst zu nehmen...

Quarma'an...

Ich wusste noch immer nicht, was sich hinter diesem geheimnisvollen Namen verbarg. Irgendein düsteres, vielleicht sogar tödliches Geheimnis.

Auf dem Weg zu Tante Marges Villa ging mir das Buch nicht aus dem Kopf, das Pamela in meiner Vision bei sich getragen hatte. Und ich hatte auf einmal das Gefühl, dass dieses Buch eine wichtige Bedeutung in der ganzen Sache hatte... Ich fand Tante Marge im Garten, wo sie gerade einige Rosensträucher beschnitt.

Im Garten ihrer Villa herrschte teilweise ein ähnlicher Wildwuchs wie in den Bücherregalen ihrer Bibliothek. Nur den Rasen pflegte sie immer so kurz wie auf einem noblen Tennisplatz zu halten. Sie sah von ihren Rosen auf und wischte sich über die Stirn. In der Rechten hielt sie ihre Heckenschere.

"Jenny!", entfuhr es ihr. "Du siehst ziemlich geschafft aus!"

"Das bin ich auch", gab ich zu.

"Was ist es, was dich bedrückt?"

"Ich glaube, ich brauche deine Hilfe, Tante Marge..." Sie lächelte nachsichtig. "Ich weiß zwar nicht, worum es geht, aber du weißt, dass du immer auf mich zählen kannst, mein Kind!"

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