![]() | ![]() |
Als ich das Verlagsgebäude des London City Telegraphs verließ, war es bereits dunkel. Es schien geregnet zu haben, denn der Asphalt war nass und rutschig. Bis zu meinem roten Mercedes musste ich ein ganzes Stück laufen. Er stand mitten auf dem großen Parkplatz, den er jetzt nur noch mit ein paar Dutzend Fahrzeugen teilte.
Meine Gedanken waren bei Kevin.
Ein faszinierender Mann und wenn dieser Fall irgend etwas Positives für mich hatte, dann die Tatsache, dass ich ihn kennengelernt hatte. Er hatte eine unkomplizierte, sympathische Art, wirkte aber irgendwie reifer als Joe, dem immer irgendwie etwas Jungenhaftes anhaftete.
Ich erinnerte mich an unseren Kuss, an den Geschmack seiner Lippen und die Art, wie sich seine Haut anfühlte. Um das Kinn herum zumindest etwas kratzig.
Die Hälfte des Weges bis zu meinem Wagen hatte ich bereits zurückgelegt, da ließ eine Bewegung mich aus meinen romantischen, etwas verträumten Gedanken aufschrecken. Nur aus den Augenwinkeln heraus, hatte ich diese Bewegung wahrgenommen und wirbelte sogleich herum. Ich verengte die Augen etwas.
Hatte ich mich getäuscht oder war da an der Ecke etwas?
Etwas dunkles, schwärzer als die Nacht...
Mein Puls begann zu rasen und Angst schnürte mir auf einmal die Kehle zu. Ich fühlte, dass da etwas war, aber ich konnte es mit den Augen nicht genau erkennen.
Ich drehte mich etwas und ließ den Blick schweifen. Der Parkplatz war gut genug beleuchtet, um zu sehen, dass ich im Moment allein hier war...
Der Lärm der Hauptstraße erfüllte die Luft.
Da!
Es bewegt sich! wurde mir klar und ich wich unwillkürlich einige Schritte zurück.
Eine schattenhafte Gestalt hob sich gegen die Fassade des Verlagsgebäudes ab.
Der Schatten war riesig. Er ging lautlos und dann hob er den Arm, so dass ich den Umriss einer monströs wirkenden Hand erkannte.
"Ist da jemand?", rief ich.
Keine Antwort.
Ich wich zurück, drehte mich in Richtung meines Wagens und begann mit schnellen Schritten darauf zuzulaufen. Dabei wandte ich mich immer wieder um.
Aber von der schattenhaften Gestalt war nichts mehr zu sehen.
Und dennoch...
Ich hatte das Gefühl, als würde ich beobachtet und als würde mir jemand folgen. Lautlos, finster und fast unsichtbar und vielleicht...
Tödlich!
Ich dachte an die Schattengestalt aus meinem Traum... Mit zitternden Fingern steckte ich den Wagenschlüssel in die Tür des roten Mercedes, der ein Geschenk von Tante Marge gewesen war. Ich öffnete die Tür und setzt mich ans Steuer. Sicherheitshalber verschloss ich die Tür und atmete erst einmal tief durch.
Dann drehte ich den Kopf zur Seite und suchte den gesamten Parkplatz mit den Augen ab.
Nichts zu sehen.
Ich ließ den Motor an, setzte zurück und fuhr dann vorwärts, um zur Ausfahrt zu gelangen. In meinem Inneren herrschte Chaos. Alle möglichen Gedanken und Gefühle schienen wild durcheinanderzuwirbeln.
Einerseits war ich mir sicher und andererseits... Vielleicht spielte meine Einbildungskraft mir einen Streich und ich war drauf und dran, hysterisch zu werden. Schon hatte sich mein Puls etwas beruhigt, da tauchte plötzlich wie aus dem Nichts der Umriss einer Gestalt auf. Es war direkt vor der Kühlerhaube meines Mercedes. Eine übergroße Hand schien sich mir entgegenzustrecken und ich trat hart in die Bremsen.
Es quietschte und der Wagen schleuderte herum. Eine Schrecksekunde verging, ehe ich verstört hinaus in die Nacht blickte.
Aber da war nichts mehr zu sehen.
Nichts...