image
image
image

30

image

image

Kevin hatte im weiteren Verlauf des Tages noch einen Termin in einem Studio, den er wegen des Todes seiner Schwester schon mehrfach verschoben hatte. Aber jetzt wurde der Produzent ungeduldig. Vertrag sei schließlich Vertrag und das bedeutete, dass Kevin eine Tonbandspur mit den Klängen seines Saxophons zu füllen hatte.

Schließlich sollte die CD ja nicht erst herauskommen, wenn die Musik darauf bereits in der Oldie-Ecke präsentiert wurde. Ich saß derweil im Büro von Inspektor Barnes.

In seiner riesigen Pranke hielt er den Knopf von Pamelas Kleid und betrachtete ihn von allen Seiten. Sein Gesicht war ziemlich nachdenklich.

"Pamela Green trug tatsächlich ein rotes Kleid, als sie aufgefunden wurde", murmelte er dann.

"Und ich wette, daran fehlt ein Knopf", warf ich ein. Barnes lehnte sich zurück.

"Dass dieses Mausoleum der Tatort ist, ist zwar möglich, aber damit keineswegs bewiesen", gab Barnes dann zu bedenken.

Ich musste mich sehr beherrschen, um nicht aus der Haut zu fahren. Aber die Bemerkungen, die mir auf der Zunge lagen, schluckte ich so gut es ging wieder hinunter. Schließlich wollte ich ihn nicht noch mehr gegen mich aufbringen. Er sah mich dann durchdringend an.

"Also gut, Miss Dexter, ich werde mir den Tatort ansehen."

"Und was diesen Mr. Bulmer angeht..."

"Werde ich ihn befragen! Als Zeugen, nicht als Verdächtigen. Schließlich wohnt er in der Nachbarschaft."

"Hätten Sie etwas dagegen, wenn..."

Barnes hielt mir den Zeigefinger auf eine Art und Weise entgegen, als würde es sich um eine Waffe handeln. "Sie werden auf keinen Fall dabei sein, Miss Dexter! Ich werde Sie hinterher darüber unterrichten, was meine Ermittlungen ergeben haben. Mehr können Sie nicht erwarten." Ich öffnete die Lippen, um noch etwas zu erwidern, schwieg dann aber. Es hatte keinen Sinn. Und wenn ich behauptete, verfolgt zu werden, dann würde Barnes sofort nach handfesten Beweisen fragen.

Und die konnte ich nicht liefern.

Ich erhob mich und sah ihn einen Moment lang an. "Wenn Sie mir am Ende eine Beförderung zu verdanken haben, lassen Sie es mich bitte wissen, ja?", meinte ich dann etwas spitz. Barnes grinste.

"Keine Sorge, Miss Dexter! Und ich hoffe, Sie schreiben dann einen netten Artikel über mich!"

"Ein Kommentar zu Ihrer Absetzung wäre leichter, Inspektor!", erwiderte ich.

Und als ich sah, wie sein Grinsen langsam gefror, konnte ich nicht umhin, so etwas wie Genugtuung zu empfinden.

image

image

image