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Seitlich von mir nahm ich eine Bewegung war, aber es gelang mir nicht, mich schnell genug an das gleißende Licht zu gewöhnen, das auf einmal wie ein Feuer das Innere dieser Totengruft erfüllte.

Genau in diesem Moment war es Kevin mit einem brachialen Ruck gelungen, einen Arm freizubekommen. Blitzartig wirbelte er herum und versetzte seinem Bewacher einen Schlag in die Rippen, der ihn zusammensinken ließ. Ein Schuss löste sich und ging ins Nichts.

"Nein!", schrie Bulmer entsetzt.

Ich konnte für den Bruchteil einer Sekunde sein Gesicht sehen. Eine Maske vollkommener Verzweiflung.

Kevin rang mit seinem zweiten Bewacher und umklammerte dessen Waffenarm.

Ich versuchte ebenfalls mich loszureißen, aber Flanagan war zu stark. Ich fühlte den kalten Stahl seines Revolvers an meinem Hals und sah sein verzerrtes Gesicht. Der Hahn des Revolvers wurde mit einem klickenden Geräusch gespannt. Dann stürzte Kevin herbei, der seinen Gegner soeben niedergeschlagen hatte. Mit einem gewaltigen, todesmutigen Satz hechtete er auf mich und meinen Bewacher zu und riss uns beide zu Boden. In derselben Sekunde löste sich der Schuss, der dicht an meinem Kopf vorbeipfiff.

Kevin rollte sich herum und schlug dem ebenfalls am Boden liegenden Flanagan die Waffe aus der Hand.

Ich wollte nach der Waffe greifen, aber als ich aufblickte, konnte ich nur noch schreien vor Entsetzen. Etwas Dunkles war die Stufen herabgekommen, die zur Gruft führten. Trotz des grellen Lichtes war nicht mehr zu sehen, als der Umriss eines grauenhaften Wesens mit einem monströsen Kopf und riesigen Händen...

Quarma'an!

"Kevin!", entfuhr es mir.

Entsetzensschreie gellten durch die Gruft. Das Wesen hatte bereits einen von Bulmers Leuten getötet, dessen Körper reglos auf dem kalten Steinboden lag.

Ich sah, wie Quarma'an sich näherte, wie er mit seinen dicken Beinen lautlos über den Boden schnellte, während alle Anwesenden zurückwichen. Sein mächtiger Arm streckte sich aus und die überdimensionale Hand packte einen von ihnen, ohne dass dieser irgend etwas dagegen tun konnte. Nur einen Moment später war er bereits zu Boden gesunken. Ein grässliches Knurren durchdrang den Raum und es hallte in dem grauen Gemäuer geisterhaft wieder.

Kevin fasste mich bei der Hand.

Er hatte sich als erster wieder aufgerappelt und zog mich mit sich. Wir wichen einige Meter zurück, bis wir uns hinter dem letzten der fünf Sarkophage befanden. In meinem Rücken spürte ich den kalten, feuchten Stein des Gemäuers und schluckte. Weiter zurück ging es nicht mehr. Ich presste mich an Kevin, in der Gewissheit, dass wir nichts mehr tun konnten. Er hatte versucht, uns in letzter Sekunde vor den Kugeln dieser Wahnsinnigen zu retten und es war ihm sogar gelungen, einen Augenblick der Verwirrung zu nutzen. Aber Quarma'an hatten wir nichts entgegenzusetzen. Das Wesen stürzte sich jetzt auf Bulmer, der sich selbst als dessen Herrn und Meister gesehen hatte. Verzweifelt versuchte der Okkultist, das Bann-Ritual anzuwenden, mit dem Tante Marge mich gerettet hatte. Ich erkannte die seltsamen Worte und Silben wieder. Doch Quarma'an schien taub zu sein. Auch für seinen Herren, der leblos zu Boden sank. In Windeseile packte der Schatten sich den nächsten von Bulmers Getreuen. Es war Flanagan, der versuchte zu fliehen, aber keine zwei Schritte weit kam, ehe die Schattenarme ihn ergriffen und im Bruchteil eines Augenblicks töteten.

"Das Wesen wird niemanden am Leben lassen!", hörte ich Kevin sagen und schluckte. Quarma'an schien sich in einen furchtbaren Rausch hineingesteigert zu haben. Einen nach dem anderen tötete es.

Ich hörte die verzweifelten Schreie, barg den Kopf an Kevins Schulter und schluchzte.

Als ich wieder aufblickte, kam das Wesen in unsere Richtung. Nichts und niemand konnte es aufhalten. Ich zitterte vor Angst und spürte Kevins Herzschlag. Vielleicht war es das letzte, was ich fühlen würde.

Gemeinsam sahen wir dem Unvermeidlichen entgegen. Die Hand, mit der ich nach der seinen griff und sie fest zusammenpresste, war schweißnass.

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