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Eine halbe Stunde später saß ich zusammen mit Jim Berringer und meinem Chefredakteur Morton T. Smith in dessen Büro.
"Die Geschichte über diese angebliche Mordserie werden wir fürs Erste nicht bringen", erklärte Smith klipp und klar. Bevor ich den Mund auch nur ansatzweise öffnen konnte, fuhr er bereits fort. "Es ist einfach zu wenig dran! So einfach ist das. Wir sind zwar auf Sensationen aus, aber ein gewisses Maß an Seriosität muss dennoch gewahrt bleiben!"
"Und die Tatsache, dass Scotland Yard in der Angelegenheit ermittelt?", erwiderte ich, als ich die Gelegenheit für gekommen hielt. "Inspektor Carter hat mir ziemlich freimütig Auskunft erteilt. Ich glaube fast, er möchte, dass etwas darüber berichtet wird!"
Smith nickte und grinste dabei breit.
"Sie müssen noch eine Menge lernen, Dana!"
"Weshalb?"
"Sehen Sie, ich kenne diesen Carter schon lange und ich weiß, was für einer das ist." Smith umrundete seinen Schreibtisch und setzte sich dann auf dessen Vorderkante.
"Carter verrennt sich schon mal in zweifelhafte Dinge... Wenn er sich eine Theorie zurechtgelegt hat, dann hält er daran fest, auch wenn ihm die Beweise unter den Fingern auseinanderbröckeln und sich langsam in Luft auflösen. Er verliert eben nicht gerne. Ich weiß, wovon ich spreche, schließlich haben wir früher zusammen Golf gespielt." Ich zuckte die Achseln. "Und was hat das mit diesen rätselhaften Todesfällen zu tun?"
Smith hob die Augenbrauen und machte ein bedeutungsvolles Gesicht.
"Ich wette, dass Carters Vorgesetzte ihn längst gedrängt haben, die Sache zu den Akten zu legen. Aber wenn nun etwas im CHRONICLE darüber erscheint, dann bedeutet das vielleicht, dass er weitermachen darf."
"Der Öffentlichkeit wegen!", schloss ich.
"So ist es."
Ich seufzte. "Können wir nicht wenigstens eine kleine Notiz bringen?"
"Bringen Sie stichhaltigeres Material. Dann können wir darüber reden, Dana. Vorher nicht. Das ist mein letztes Wort dazu, haben Sie gehört?"
Das Telefon auf Smiths Schreibtisch schrillte. Smith griff zum Hörer und ließ ein bärbeißiges "Ja?" hören. Im nächsten Moment reichte er mir den Hörer.
"Für Sie!"
Am Apparat war Brent Erikson, Jennings' Manager.
"Spreche ich mit Miss McGraw vom LONDON CHRONICLE?", fragte er.
Ich hingegen erkannte seine klirrend kalte Stimme sofort wieder.
"Ja, am Apparat."
"Sie können jetzt ein Interview samt Fotoreportage mit John machen. Er ist einverstanden. Sie dürfen sogar sein Atelier ablichten, bringen Sie also Ihren Fotografen ruhig mit!"
"Warum ist John auf einmal so offenherzig? Hat dieser Sinneswandel einen bestimmten Grund?"
"Fragen Sie mich nicht, Miss McGraw", kam es aus dem Apparat zurück. "Er ist eben ein launischer Künstler und schwer zu berechnen."
"Wir sind schon unterwegs!", rief ich.