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"Ihr Artikel ist gut", sagte Morton T. Smith mir am nächsten Morgen, während sein Blick nochmals kurz das Manuskript überflog.

Irgendetwas schien ihm nicht zu gefallen. Ich kannte ihn inzwischen gut genug, um ihm das an den Stirnfalten ablesen zu können.

Smith warf das Manuskript auf seinen unaufgeräumten Schreibtisch und lehnte sich in seinem Chefsessel zurück. Ich saß ihm gegenüber und unterdrückte ein Gähnen. Ich war ziemlich spät abends erst mit dem Artikel fertig geworden. Smith musterte mich einen Augenblick lang, dann meinte er: "Eins verstehe ich nicht, Dana."

"Und was?"

"Diese Miss Norman hat Ihnen eine Kopie des Abschiedsbriefs zugespielt..."

"Zugespielt?", unterbrach ich ihn. "Aufgedrängt wäre das passende Wort."

"Jedenfalls haben Sie in Ihrem Artikel keinerlei Gebrauch davon gemacht. Immerhin hat er darin quasi ein paar Morde zugegeben."

Ich zuckte die Achseln.

"Ich weiß nicht warum, aber Miss Norman scheint unbedingt zu wollen, dass der Inhalt des Briefes an die Öffentlichkeit kommt, so wie sie mir zuvor klarzumachen versuchte, dass John Jennings bereits mehrere Selbstmordversuche hinter sich hatte..."

"Dana..."

"Ich mag es einfach nicht, wenn jemand mich auf diese Weise zu benutzen versucht", erklärte ich Smith, woraufhin sich auf dessen Gesicht ein breites Grinsen zeigte.

"Zugunsten einer guten Story sollte man seine persönliche Eitelkeit zurückstellen, Dana. Aber das lernen Sie sicher noch."

Ich beugte mich etwas vor und sah Smith offen an. Auch wenn mich das, was er gesagt hatte, sehr ärgerte - im Grunde wusste ich, dass er es gut mit mir meinte.

"Sehen Sie die Sache mal von einer anderen Seite", empfahl ich ihm. "Es wäre dem Ruf des CHRONICLE doch sicher sehr abträglich, wenn wir die Fakten schon nach kurzer Zeit berichtigen müssten, oder?"

Smith runzelte die Stirn.

Er begriff. "Sie meinen..."

"Ich glaube nicht, dass John Jennings Selbstmord begangen hat. Nennen Sie es Intuition oder Instinkt, ganz wie Sie wollen."

"Hm", brummte Smith nachdenklich. "Haben Sie irgendeinen Verdacht?"

"Nein", meinte ich. "Aber es würde mich kaum wundern, wenn das Millionenvermögen von Jennings an diese Gladis Mayne ginge, wenn man bedenkt, dass diese Hexe schon so manchen ihrer vermögenden Anhänger beerbte und Jennings sehr unter ihrem Einfluss stand. Es könnte interessant sein, sich mit ihr zu unterhalten..."

"Wollen Sie sich nicht ein bisschen erholen, nach Ihrem gestrigen Zusammenbruch?", fragte Smith besorgt.

"Ich fühle mich gut."

Smith zuckte die breiten Schultern und erhob sich. Ich stand ebenfalls auf.

"Ich bin froh, dass dieser Jennings Sie nun nicht mehr mit seinen Todesdrohungen terrorisieren kann, Dana. Dieser Horror hat jedenfalls ein Ende!"

Ich schluckte.

Ich erwiderte nichts, obwohl ich in meinem Innersten wusste, dass Smith in diesem Punkt unrecht hatte.

Der Schrecken war noch längst nicht zu Ende! Ich glaubte förmlich spüren zu können, wie diese tödliche Gefahr noch immer irgendwo auf mich lauerte.

Jennings' Tod hatte nichts daran geändert.

Eine Gänsehaut hatte meine Unterarme überzogen, die von den dreiviertellangen Ärmeln meiner Bluse freigelassen wurden.

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