Dies ist kein experimenteller Roman, ganz im Gegenteil, es ist ein Roman als Experiment, und als solcher möchte er verstanden werden.
Zwei Gründe haben den Autor veranlasst, ihn zu schreiben.
Zum einen wollte er in Erfahrung bringen, ob man den sogenannten Feuilletonroman mit seinem allgemein bekannten Nutzen für das Moralempfinden und den Gemeinsinn unbedingt aus Frankreich übernehmen muss oder ob man ihn nicht, mit ein wenig gutem Willen, auch hier bei uns verfassen kann, noch dazu mit größerer Kenntnis der grundlegenden Bedürfnisse des breiten Publikums.
Zum anderen wollte er herausfinden, wie aufgeschlossen, redlich und logisch sich jenes Publikum zeigt, das so häufig verleumdet und als gefräßiges Tier verunglimpft wird, welches sich von Ungereimtheiten, von Unflat und von unverhülltem Fleisch ernährt, weshalb die auflagenstarken Zeitungen meinen, ihm täglich den entsprechenden Trog vorsetzen zu müssen.
Schon heute hat dieses Experiment Klarheit in beide Fragen gebracht, denn nicht nur kann man in Italien genauso gut Feuilletonromane schreiben und nach den ersten Schwierigkeiten vielleicht sogar solche, die hierzulande noch besser ankommen, nein, auch das breite Publikum ist längst nicht so vulgär, wie es mitunter, sei es aus Eigennutz, sei es aus Unwissenheit, gern dargestellt wird.
Erschienen in zwei Zeitungen von gänzlich unterschiedlicher Couleur, in zwei Städten an den äußersten Grenzen Italiens, nämlich in der Mailänder Italia und dem neapolitanischen Corriere, hat Baron Santafusca und der Priester aus Neapel ohne die üblichen billigen Anbiederungen allein durch erprobte literarische Mittel sowie durch ein wenig Werbung mehr erreicht, als sein Autor je für möglich gehalten hätte. Hunderttausende haben den Roman gern gelesen, und nach allem, was man hört, hat er sie berührt und gut unterhalten.
Der Autor seinerseits hat im Austausch mit der Leserschaft viel über ihre Denkweise erfahren und sich mehr als einmal gefragt, ob italienische Schriftsteller nicht einen Fehler machen, wenn sie sich dieser natürlichen Kraft nicht stärker bedienen, um damit unserer vor sich hin vegetierenden Literatur neuen Schwung zu geben.
Darüber hinaus fragt er sich auch jetzt, ob es nicht ein nützlicher und für das Land ausgesprochen fruchtbarer Zug wäre, sich dieser Kraft zu bedienen, die Hunderttausende zum Lesen drängt, um in einem gebannten Leser eine lebendige Idee von Schönheit und Gerechtigkeit heranreifen zu lassen, die ihn mit neuen Augen auf das Leben blicken lässt.
Die Kunst ist eine göttliche Angelegenheit, aber hin und wieder empfiehlt es sich, auch für die Leser zu schreiben.
Mit ebendieser Absicht ist Baron Santafusca und der Priester aus Neapel nun zur Buchveröffentlichung vorbereitet worden.
Vorausgeschickt vom Autor, 1888