Agneta macht den Reißverschluss an ihrer Daunenjacke bis oben hin zu. Hebt den Kopf, um sich nicht das Doppelkinn einzuklemmen, das früher mal Fett war und jetzt nur noch Haut ist. Wie so ein Huhn mit diesem ganzen Geschlacker. Sie zieht die Zigarettenschachtel aus der Jackentasche. Die Terrasse riecht nach nassem Holz. Eigentlich sollte sie ja nicht, das weiß sie, aber sie hält das Feuerzeug an die Zigarette und inhaliert so tief, wie sie sich traut. Rauchen ist ein bisschen wie Meditieren. Einatmen, die Luft schmecken und dann ausatmen, zuschauen, wie der Rauch sich langsam kringelt und verfliegt. Tilda hatte immer nur verächtliche Blicke für ihre Zigaretten. Als ob Agneta eine Wahl gehabt hätte. Und selbst wenn sie eine gehabt hätte, hätte sie sich wahrscheinlich trotzdem fürs Rauchen entschieden, wenn auch vielleicht eher aus Trotz. Natürlich weiß sie, dass sie aufhören sollte. Sie fummelt an der Zigarette herum, bis graue Ascheflocken zu Boden segeln. Aber wie soll das gehen? Wenn man seit seinem fünfzehnten Lebensjahr geraucht hat und Zigaretten gerade dann braucht, wenn es einem am schlechtesten geht? Kann man sie etwa zwingen, das einzige Gefühl von Ruhe aufzugeben, das ihr noch geblieben ist? Obwohl es schon dunkel ist, lassen sich die Baumwipfel am Horizont immer noch vom Himmel unterscheiden. Es sind noch keine Sterne zu sehen. Den Rosenbusch hat sie zurückgeschnitten, kurz bevor sie ihre Diagnose bekam. Es ist nicht sicher, ob sie ihn noch einmal blühen sieht, das war eine auf die Zukunft ausgerichtete Tat. Das Erdbeerbeet hat sie auch gejätet, an einem mückenreichen Sommerabend, an dem der Himmel hellrosa war. Sie dachte sich, hier sollen wieder Erdbeeren wachsen, damit wir nicht immer teure im Laden kaufen müssen und stattdessen unsere eigenen Beeren zum Eis essen können. Vielleicht kommt Tilda ja noch in den Genuss der Erdbeeren und Rosen. Falls sie sie überreden kann, alles hier zu übernehmen. Jedes Mal, wenn sie versucht hatte, das Haus zur Sprache zu bringen, hatte Tilda nur geschnaubt und die Augen verdreht. Der Drang zu erzählen verschlägt Agneta den Atem. Sie dankt Gott beziehungsweise eher sich selbst, dass sie ihr Handy zum Laden drinnen gelassen hat. Hier gibt es nichts zu erzählen. Noch nicht. Sie nimmt einen weiteren Zug. Pult ein Stück abblätternde Farbe vom Geländer vor ihr und klopft die Asche ihrer Zigarette in ein ausgedientes Marmeladenglas.