Jene Jahre vergingen langsam für uns. Langsam, weil das Gewicht der getanen Dinge und das größere Gewicht alles Unerledigten und noch zu Lernenden sie beschwerten. Die Jahreszeiten flossen ineinander und hielten niemals still, und doch gab es weder Schnelligkeit noch etwas anderes als ruhige, allmähliche Veränderung. Mitunter nicht einmal das, sondern nur ein Vor und Zurück von Jahreszeiten … lange Regenperioden im Dezemberschlamm und einen Wind wie im April über Winterschnee … späte Erbsenranken, die an Thanksgiving sprossen, Sumpfveilchen im Graupelschauer und weiße Obstwiesen im Herbst, wenn die Bäume ihre Kraft schon vor dem Frühling vergeudeten. Und dazu das doppelte Leben, die zwei Teile, die nicht ineinandergefügt waren, ja nicht einmal parallel liefen. Das eine bestand aus Dingen, die Tag für Tag getrost und nüchtern gehandhabt wurden, manchmal mühevoll, aber solide – man konnte sie anfassen und spürte, dass sie da waren: die Pfannen und schweren Töpfe, die massiven Becher und die fünf Betten, die gemacht werden mussten – Dinge, deren Geheimnis nicht größer war als das der Mittagssonne. Das offen zutage liegende Leben, das größere von beiden Teilen, ruhig, prosaisch … rational. Und dann das innere Entlangwandern am Rand der Dunkelheit, das Hineinspähen in schwarze Türrahmen … die unentdeckte Antwort, die doch irgendwo sein musste und selbst in jener Dunkelheit womöglich nicht zu finden, dort nicht verborgen war … dieses unterschwellige Leben, das nicht da war, wenn man ihm nachspürte oder es festhalten wollte, und das doch immer wieder zurückkehrte und sich wie ein stählerner Deich durch die soliden Schichten des Gesunden und Verstandenen schob. Der Moment der Selbsterforschung, wenn man nachts unter den Eichen stand und fragte: Was? Wer? Was bin ich? … und der Moment, in dem einem das Ich abhandengekommen schien, verloren gegangen oder nie da gewesen. Wo bin ich, Gott? … der furchtbare Wunsch zu verstehen … der Moment der Erkenntnis, dass es Dinge gibt, die weder schlecht noch gut noch jemals einzuordnen sind … die Seltsamkeit, die Kerrin eigen war … Dinge, die wie Bruchstücke eines Meteoriten auf die Gegenwart von Welten jenseits unserer Fassungskraft verwiesen. Und das Verlangen nach einem Ursprung – der Wunsch, die Ursache zu verstehen, der die Quelle aller Religion ist und die Gedanken durch gewundene, dunkle Tunnel führt und nirgends einen Ausgang finden lässt. Diese von der dunklen Qual des Heranwachsens geprägten Jahre – jene Zeit, wenn ein nicht aufgehobener Nagel oder ein Büschel Schafwolle einen nachts mit Angst und Vorwürfen quält. Wenn Träume böse oder gute Vorzeichen sind und zwei sich kreuzende Äste oder eine bestimmte Schattenlänge Bedeutung und Symbolkraft haben … Doch die ganze Zeit gab es hinter alldem die Stille der Hügel und die steinigen Weiden, und ihretwegen schämte ich mich manchmal für das, was ich war – ein Mensch, angefüllt mit tausend wurmgleichen Gedanken und Eigensucht –, doch häufiger waren sie wie heilende Hände.