Ich denke gern an jenen Mittag zurück. Kerrin kam nicht heim, und wir fühlten uns freier und ungezwungener ohne sie, wie immer. Selbst Vater wirkte weniger gereizt und von Sorge zermürbt, aß zwei von den eingemachten Pfirsichen und vergaß zu fragen, wie viele noch übrig waren. Ich sah, wie er sich eine ganze Hälfte aufs Brot legte und der süß-säuerliche Geschmack ihn zum Grinsen brachte. Es war nicht so, dass Grant leicht zugänglich oder groß zu Späßen aufgelegt gewesen wäre oder so schnell und laut wie Merle. Aber ihn beeindruckte vieles neu und anders, und er verstand sich darauf, lebendig zu erzählen. Er unterhielt sich mit Vater über all die alten Auseinandersetzungen und Theorien, die wir schon zu gut kannten, um noch darüber zu diskutieren oder auch nur zuzuhören, und gab Vater, dem er mitunter zustimmte, das Gefühl, dass er jetzt einen Mann an seiner Seite hatte, der ihn unterstützte. Grant hatte eine Art trockenen Humor, der gelegentlich bitter, aber nie bösartig oder engherzig war. Später lernte er, Merle auf eine ihr entsprechende Art zu antworten, doch damals kannte er uns noch nicht gut und lachte nur über das, was sie so sagte.

Ich saß da und schaute zu, während sie sich unterhielten, und Merle häufte ihm trotz all ihres missgünstigen Geredes zweimal Mais auf den Teller. Die Sonne schien warm herein, warf lange Strahlen auf den Boden, und die riesigen Geranienpflanzen zeichneten ein Muster auf ihr Gold. Wenn wir unsere Gläser bewegten, huschten weiße Lichtkreise über die Wände und die Zimmerdecke, und die Kristallschale mit den Pfirsichen malte einen Regenbogenstreifen auf die Tischdecke. Das Essen war gut, besser als je zuvor, und Mutter hatte sogar einen Rosinenzopf gemacht. Ich vergaß zusammenzurechnen, was die gekauften Zutaten gekostet haben mussten, und freute mich über die Zucker- und Zimtkruste. Grant atmete den würzigen Duft tief ein und schüttelte dann den Kopf. »Für die meisten Sachen gibt es Wörter«, sagte er, »aber hierfür kenne ich keins. Näher kann man dem Himmel diesseits des Jordans wohl nicht kommen.«

»Näher werden wir ihm wahrscheinlich auch auf der anderen Seite nicht kommen«, sagte Merle. Sie brach ihm ein noch heißes gelbes Stück ab.

Grant tat einen ordentlichen Bissen und aß das ganze Stück in drei Happen. »Er ist gut«, sagte er zu Mutter, »aber kein Lob, das einem aus dem Mund kommt, kann so viel bedeuten wie das Essen, das dort reingeht. Essen ist ehrlicher als alle Worte!«

»Dann muss Max laut gebrüllt haben«, sagte Merle säuerlich. »Er fraß wie ein Scheunendrescher und sagte kein Wort, wenn ein Grunzen genügte.«

»Frauen mögen Wörter zu sehr«, sagte Vater. Er lehnte sich mit dem Anflug eines Grinsens auf seinem Stuhl zurück. »Sie lassen sich gerne sagen, was ein Mann selbst in die Hand nehmen würde. Eine Frau könnte allein von Wörtern dick werden.«

»So ungefähr im August wirst du dir wünschen, das wäre wahr«, sagte Merle zu ihm. »Dann wird’s mehr Wörter und weniger Essen geben.« Sie riss den Kopf herum zu den Feldern, die wir jenseits des Stalls sehen konnten, und schon jetzt wirbelte kalter Staub aus den Ackerfurchen auf.

»Der Mai sollte uns eine Flut bringen«, sagte Vater. »Hör auf zu nörgeln und gib dem Regen eine Chance. Drei Jahre Dürre kommen nie zusammen, und ich hab ja jetzt einen guten Helfer.«

»Trink Wasser auf sein Wohl«, sagte Merle. »Das ist derzeit das Größte, womit du jemanden ehren kannst.«

Mit einem plötzlichen seltenen Lächeln nahm Vater tatsächlich sein Glas, hob es und trank. Dann schob er seinen Stuhl zurück, während wir anderen überrascht dasaßen, ungläubig, dass wir ihn hatten lächeln sehen. »Ein gutes Essen, Willa«, sagte er und wandte sich dann rasch Grant zu. »Wir sind spät dran. Müssen los. Haben schon zu viel Zeit vergeudet.«

Da stand Grant ebenfalls auf und streckte sich mit einem Ruck zu voller Größe. Seine Schultern waren breit und ein wenig gebeugt wie Geierflügel, seine langen Arme dünn. »Für mich war’s keine Vergeudung«, sagte er zu Vater. »Ich könnte jetzt einen Berg beackern.«

»Berge sind’s allerdings«, murmelte Vater. »Felsbrocken und steiniger Schlamm …«

Doch er wirkte nicht verdrossen, sondern beinahe eifrig.