An jenem Nachmittag ging ich mit ihm zur Weide zurück. Das hätte ich nie getan, wenn er nicht den Krug dort gelassen und mehr Wasser gebraucht hätte, trank er doch an einem einzigen Morgen fast vier Liter. »Komm du mal mit«, sagte er. »Merle kann den Abwasch machen. Sie hat ihre Pause gehabt.« Und ging dann schnell hinaus, bevor sie ihn mit Wasser bespritzen konnte. (Was sie jetzt allerdings nicht mehr tun würde, wo der Teich so ausgetrocknet ist – schon damals war er nur noch zwei Fuß breit.) Wir gingen den Weg am Bach entlang, und er redete mit mir, als hätte er tatsächlich gewollt, dass ich mitkam und nicht nur irgendwer, der ihm Wasser brachte. Er sprach nie von sich selbst, außer wenn ich ihn etwas fragte. Jetzt erinnerte er sich, wie er damals wegen des Pferds gekommen und Merle draußen auf dem Hof begegnet war. Sie sei rot und stämmig gewesen und ihr Haar hinten ganz strubbelig. Als sie das Pferd gesehen habe, sei sie direkt an ihm vorbeimarschiert – »als wäre ich Luft oder nichts, um ihm Wasser aus dem Becken zu pumpen. Dann sah sie mich an, finster wie ein junger Bulle. Meinte wohl, ich würde es ihm vielleicht stehlen!« Grant lachte, als wäre das etwas, woran er oft gedacht und sich im Stillen gefreut hatte. Ich fand es schön, dass sie ihm auf diese Art wieder in den Sinn kam.
Die Wildkirschen standen in Blüte. Es war noch heiß, und Tintenkleckswolken verschmierten den Himmel, brachten aber keinen Regen. Das Frühlingsgrün war wie grünes Sonnenlicht oder grünes Feuer – etwas Schöneres jedenfalls als nur Blätter –, und entlang der Weide gab es gelbe Sassafraswolken. Wir entdeckten eine Schlange im hohlen Ast eines Ahorns, betrachteten sie aus der Nähe und sahen, dass ihre Augen wie milchblaue Steine waren, hart und rund und ohne Pupillen. Ich dachte, sie müsse blind sein, aber Grant sagte, Blindheit bedeute für wilde Tiere den Tod, und es sei nur so, dass die alte Haut über den Augen dicker werde, bevor die Schlange sich häute. Ich schämte mich, dass ich Jahr für Jahr so etwas gesehen und mir nie die Mühe gemacht hatte, den Grund dafür herauszufinden oder mehr darüber zu erfahren. Wohl weil es mir immer so erschienen war, als hätte ich genug Zeit vor mir, aber keine Zeit in dem Moment. Grant ließ selten etwas vorbeiziehen, ohne dass er zu ergründen versuchte, was es bedeutete. »Ich habe den albernen, hoffnungslosen Glauben«, sagte er, »dass wir umso mehr verstehen können, je mehr wir wissen.«
»Sie vielleicht«, sagte ich, »mich verwirrt es nur noch mehr.«
»Besser verwirrt zu sein als blind«, sagte er. Wir beobachteten, wie die Schlange zurückglitt, und hörten das trockene, kratzige Geräusch ihrer Windungen. Grant sagte, die Schuppen würden sich zuerst von den Augen lösen. »Zuerst neue Augen, dann überall eine neue Haut – wenn das kein Spruch ist, Marget! Gott, ich hätte Pfarrer werden sollen wie Dad!« Er legte eine Hand auf den Zaunpfahl und schwang sich über die Drähte, so leicht, als hätte er einen Stein geschleudert. Damit erschreckte er das Gespann, und die Pferde brachen los, rissen den Pflug aus den Furchen und stießen aneinander. Grant rief nicht nach ihnen und brüllte nicht. Er drehte sich schnell um und grinste mich an, bevor er schwerfällig lostrabte. Die Pferde verhedderten sich in den Riemen und kamen nicht weit, sprangen aber wild herum, als er ihre Beine zu befreien versuchte. Er kam nicht zurück, als das Chaos vorbei war, sondern winkte nur, rief etwas von langbeinigen Trotteln, womit er wohl sie alle drei meinte, und pflügte weiter, lauter und schlechter singend als Kerrin.
Auf dem Rückweg stellte ich mir vor, wie Dad sich aufgeführt hätte, wenn ihm das Gleiche passiert wäre. Heißblütig brüllend, hätte er nicht verhindern können, dass er sich lächerlich machte, denn er hatte eine Heidenangst vor allem, was seine Würde zum Kippen bringen könnte, die nicht im Gleichgewicht war und leicht umzustoßen. Grants Furchen waren gerader, als es die von Dad oder Max je gewesen waren. Er pflügte auch tiefer, und das ließ mich glauben, dass wir es vielleicht doch noch schaffen würden, vor dem Winter Saatgut in die Erde zu bringen.