Der Unfall des alten Rathman schien wie ein jähes Verhängnis, das ihnen das dicke Polster ihres behaglichen Lebens entriss und sie nun nicht besser dastehen ließ als uns andere. Vielleicht sogar schlechter.

Eines Tages, zwei Wochen später, ging ich zu ihnen hinüber und sprach lange mit Mrs. Rathman, hinten im Obstgarten, außer Sichtweite des Hauses. Sie sah sehr alt aus, gebeugt und schlaff, als wäre alles Leben aus ihr gewichen. »Diese Lena!«, sagte sie. »Ich rede jetzt seit zwei Wochen keinen Ton mit ihr! Ich rede mit Max, aber nicht mit ihr. Ich hab neun Kisten Limabohnen gepflückt und hab sie alle fertig, und die Leute rufen an und fragen danach, und Lena sagt, nee, sie hat keine Zeit, sie reinzufahren, sie muss ihre Wäsche machen, und sie hat genug für mich und Pop getan, sagt sie, und ich weiß nicht, wie ich in die Stadt kommen soll, wo Max den ganzen Tag weg ist und Pop krank im Bett, und die Kisten haben da rumgestanden und alles ist verschrumpelt, bis es nicht mal mehr für die Krähen was getaugt hat. Dann kommt sie und will Geld für die Stromrechnung, für die Telefonrechnung, und die Steuern soll ich zahlen – und ich frag sie, wo das Geld ist, das sie und Max mit Pops Beeren verdient haben, die hatten sie nämlich abgestreift und verkauft, bevor ich mir die paar wenigen für den Wein nehmen konnte, den er so mag, und Lena sagt, davon hat sie nix gewusst, und Max sagt, er hat mit den ganzen Beeren Verlust gemacht und weniger gekriegt, als das Transportieren gekostet hat, also hat er das Geld einfach behalten und für den Wagen ausgegeben – dasselbe Geld, das er für die Beeren gekriegt hat. Und manchmal sagt sie: ›Wir wollen hier nicht länger bleiben. Ist sowieso viel zu heiß oben‹, und ich sag ihr, dann sollen sie doch gehen, aber das machen sie nicht, weil es billig hier ist und ich keine Miete von ihnen nehme, und sie fragt mich, was ich denn mache, wenn sie und Max weggehen, wo Pop krank ist und keiner von den Jungs mehr da, und ich hab gesagt, ich komm leicht allein klar und ich könnte gut auf sie verzichten, da hatte sie nichts drauf zu sagen, weil sie ja nirgendwo anders umsonst wohnen können, und ihr Wagen ist nicht abbezahlt, das weiß ich, weil neulich ein Mann hier angerufen hat, bevor ich das Telefon ausgestöpselt hatte, weil sie nicht bezahlt haben, und ich bin rangegangen, und er wollte wissen, wann er mit ihrer Monatsrate rechnen kann, und ich hab gesagt: ›Die haben nichts zum Bezahlen, da brauchen Sie nichts zu erwarten!‹, und hab aufgelegt. Sie haben im ganzen Bezirk Schulden für dies und das, und Max hat sich gestern Abend zehn Dollar geliehen, aber die hätt ich ihm genauso gut als Geschenk geben können!«

Außerdem sei sie einsam, sagte sie mir, und die anderen Jungs kämen nicht mehr sonntags zu ihnen raus wie früher, weil Lena nichts mit ihnen zu tun haben wolle und verrückt aussehe und ein langes Gesicht mache, wenn sie kämen, und nach oben gehe und allein esse; und Hilda komme auch nicht mehr so oft, nachdem Lena einmal so gemein zu ihr gewesen sei, als sie den neuen Eisschrank aufgemacht habe – den, der noch nicht bezahlt sei –, nur um zu sehen, was darin aufbewahrt werde, und da sei Lena fuchsteufelswild geworden und habe sich mit ihr gestritten, wie sie es auch mit Max tue, bis es nicht mehr auszuhalten gewesen sei, sagte Mrs. Rathman.

All das erzählte sie in einem einzigen Schwall wie jemand, der zu lange eingesperrt war, und ihre ganze sanfte Gemütlichkeit war verschwunden. Ich glaube, sie war froh, mich als Zuhörerin zu haben, obwohl es wenig gab, was irgendeiner hätte tun oder sagen können. Die Farm schien tatsächlich in die Binsen zu gehen und zu verwahrlosen – der Teich erstickte unter Seerosen, die Beerensträucher verwilderten –, weil Max so viel weg war und die anderen Jungs nur dann und wann mal kamen und der alte Rathman nichts tun konnte außer essen und schimpfen und sein Bett schmutzig machen und die Hälfte der Zeit gar nicht wusste, was er tat.

Ich ging wieder zur Straße, die laute, schimpfende Stimme vom alten Rathman im Ohr, und fragte mich, ob es irgendwo auf der Welt Frieden oder Sicherheit gab.