Kerrin wurde oben auf der alten Haldmarne’schen Grabstätte beerdigt. Es gab keine Trauerfeier, Gott sei Dank.

Am Abend nach der Beerdigung kam Grant zu mir herunter, als ich die Schafe tränkte. Er stand da und sah zu und wirkte, als hätte er ein wenig Frieden gefunden. Ringsum war es still, und es dunkelte schon. Da fing er an zu reden, plötzlich und zornig, während er auf den leichten Staub unter den Füßen der Schafe sah. »Weißt du noch, was Merle mal über Max gesagt hat? Dass er gern bei den Schafen und Schweinen ist, weil sie noch dümmer sind als er selbst? So geht es mir auch, glaube ich. Zumindest liegt eine leise Ironie darin, klüger als Schafe zu sein.«

»Es ist mehr als das, Grant«, sagte ich. »Bei dir jedenfalls –« Es schien hohl und allzu offensichtlich, das zu sagen. Kein bisschen hilfreich. Aber so kannte ich ihn gar nicht. Grant war nie arrogant gewesen, doch nie zuvor so bitter gegen sich selbst. Es jagte mir Angst ein, weil er sich damit zu einem anderen, geringeren Mann machte. Und ich wollte an seine Stärke glauben, wollte fühlen, dass an irgendeinem Ort alles in Ordnung war. Ich wollte nicht glauben, was ich wusste.

»Sie vertrauen dir, darin liegt doch etwas sehr Heilsames«, sagte ich.

»Sie würden allem vertrauen«, sagte Grant. »Allem, was menschlich ist.«

Ich wünschte, er würde weggehen, außer Sichtweite. Nicht mehr hier sein, so nah, dass ich fast mit dem Eimer gegen ihn stieß, und doch fast ein ganzes Leben entfernt.

Dann sagte er mir, dass er in der Woche darauf für immer fortgehen werde.

»Wegen Dad?«, fragte ich ihn.

»Wegen Merle«, sagte er.

Ich fragte ihn, wo er hingehen wolle. Ich kann die Wörter jetzt noch hören – leise, für sich allein stehend, hatten sie nichts mit meinem heißen, kranken Herzen zu tun. »Wo willst du hingehen, Grant? Was wird Dad machen?«

»Ich gehe wieder in den Norden«, sagte er. »Suche mir da eine Bleibe. Max kommt zurück und hilft euch. Er hat mal wieder keine Arbeit.«

»Max war manchmal ein guter Arbeiter«, sagte ich. Ich ließ den letzten Eimer leer tropfen und hängte ihn an den Nagel. Ich konnte nicht sagen: »Gott behüte dich!« Es wurde dunkler dort bei den Ställen, und etwas in mir brach und drängte, wollte tun, was Kerrin getan hatte, alles andere vergessen und just das tun, ihn berühren und jeden noch so kleinen, noch so sauren Trost daraus ziehen – da war diese schreckliche Liebe, das weggesperrte Verlangen, die Übelkeit im Hals … Lass mich los – lass mich! O Gott, bitte! … und der Verstand dagegen kalt und hart und doch furchtsam: Das kannst du nicht tun … das kannst du nicht tun … du kannst es nicht. Es stimmt nicht, dass der Körper ein Gefängnis ist! Der Verstand ist es, ich sage es euch! Immer ist der kalte, starke Verstand der Kerkermeister. Ich spürte, wie es in meiner Kehle hämmerte, und meine Hände zitterten wie altes Laub. Ich rannte aus dem Stall und ließ ihn stehen. Ich weiß nicht, was er dachte. Ich weinte, und es tat weh zu weinen. Ich fühlte mich krank und voller Hass, weil ich ihn liebte.