Ihr Tod ist jetzt fast zwei Monate her, und wir haben weitergelebt. Es ist November, und das Jahr stirbt schnell in den Stürmen. Keine Blätter mehr an den Ahornen, und der Boden gold. Die gepflügten Felder auf den Hügeln um uns her vernarbt. Man hat uns die Hypothek verlängert, aber das heißt nicht, dass wir frei wären oder sich viel verändert hätte. Es heißt nur: mehr Zeit zu leben, etwas länger zu kämpfen, die Angst in eine unbestimmte Zukunft verschoben.
Ich erkenne in unserem Leben weder Ebbe noch Flut, keinen großen Erdrhythmus. Es ist nichts Majestätisches an unserer Lebensweise. Die Erde vollführt gewaltige Drehungen, aber wir zucken auf ihrer Oberfläche herum wie Stechmücken, vollauf beschäftigt und von einer Masse kleiner Dinge überwältigt – jenem Wirrwarr, das unser Leben ist und uns daran hindert, wirklich lebendig zu sein. Wir sind müde, unsere Tage in tausend Teile zersplittert, unsere Jahre in Tage und Nächte zerhackt und unterbrochen. Unsere Lebensstunden den Lebensjahren entrissen. Gestohlene Zeiten und Dinge wegen – ja wegen was? Jener anderen Dinge, die notwendig sind, um das Leben erträglich zu machen? Satt, sauber und eingekleidet, um die Zeit zu genießen, die nicht mit Waschen, Kochen und Anziehen verstreicht … Thoreau hatte recht. Sogar genauso recht wie Jesus, als er sagte: Darum sollt ihr vollkommen sein, gleichwie euer Vater im Himmel vollkommen ist. Und war uns genauso weit voraus.
Wir haben keinen Grund, zu hoffen oder zu glauben, und tun es trotzdem, denn das müssen wir, und finden Frieden in den spärlichen Momenten der Hingabe und Schönheit in all ihren verzerrten Formen, nicht rein, unverdorben, sondern stets mit sauren Kartoffelschalen oder einer Augustsonne vermischt.
Was wir tun werden, ist keine Frage. Das liegt so klar vor uns wie die toten Felder. Wir sitzen nicht tiefer in der Falle als alle anderen. Nur in dem Maße, in dem das Leben selbst eine Falle ist. Wie viel von dem, was uns geschah, geschah uns recht? Gab es irgendetwas, was wir hätten tun können und nicht getan haben? Gott – wenn man zu sagen beschließt, dass die Dürre Gott ist – gegen uns. Die Welt gegen uns, nicht willentlich vielleicht, eher auf eigennützige als auf boshafte Weise, erst allmählich begreifend, dass wir keine Feinde oder Pflugscharen sind. Und wir gegen uns selbst. Es ist nicht möglich, vollkommen allein weiterzumachen. Vater erkennt das jetzt vielleicht, ein wütendes, spätes Erkennen. Wir können vorwärtsgehen; der Weg ist klar genug. Es ist nur so, dass diese Straße zu hohe Böschungen hat und zu viel Staub.