I
ch war in meinem ganzen Leben noch nie so verdammt nervös gewesen. Ich stehe in meinem Pinguin-Anzug am Ende des Ganges und zerre an dem Kragen, der sich anfühlt, als würde er mich ersticken. Josh ist direkt neben mir, mein Trauzeuge. Er trägt auch einen schwarzen Anzug, die Haare zur Seite gekämmt, und seine Finger umklammern den Ringsafe, den er benutzen wollte. Eigentlich ist es ein Spielzeugsafe, aber als wir ihm sagten, wie wichtig dieser Job sei, nahm er sich das zu Herzen. Genau wie sein Vater.
Er schenkt mir ein Lächeln, das sich so anfühlt, als sollte es beruhigend wirken, bevor er seine Aufmerksamkeit wieder der Box zuwendet, um sie zu schützen. Der rasende Puls meines Herzens fühlt sich an, als würde er von den Wänden widerhallen, als ich auf die Männer in den Kirchenbänken blicke. Wir alle wirken ein wenig deplatziert, da wir in einer Kirche sind, aber ich kann mir nicht vorstellen, das irgendwo anders zu tun. Kat verdient das Beste, auch wenn das einen Raum voller russischer Gangster in einem Gotteshaus bedeutet.
Wir haben nicht viele Freunde oder Familienangehörige, aber die, die wir haben, sind heute alle hier versammelt. Maxim, Gleb, Alexei und seine Familie, Pasha, Dima und einige andere vertrauenswürdige Vory, die als Wächter hier
sind. Sie alle fühlen sich wahrscheinlich im Moment genauso wohl wie ich, haben ihre besten Klamotten angezogen und fragen sich, ob sie in diesem heiligen Gebäude wohl spontan in Flammen aufgehen werden.
Maxim räuspert sich und ich schaue hoch. Er lächelt und nickt zum Ende des Ganges, und da ist sie. Mein Engel mit roten Haaren in einem schönen weißen Kleid. Irgendwo im Hintergrund setzt die Musik ein, aber ich höre nichts davon, als mein Blick ihren trifft.
Ich würde lügen, wenn ich nicht zugeben würde, dass sich ein Teil von mir fragte, ob sie tatsächlich auftauchen würde. Nach all dem Scheiß, den wir zusammen durchgemacht haben, würde ich es ihr nicht verübeln. Aber ich würde sie auch nicht gehen lassen. Kat weiß, wenn sie jemals wegläuft, werde ich alles dransetzen, sie zu verfolgen. Aber als sie neben Gleb zum Altar schreitet, glaube ich, dass ich mir darüber keine Sorgen mehr zu machen brauche. Die Überzeugung in ihrem Gesicht ist so gewiss, wie die Sonne am Morgen aufgehen wird. Es soll so sein. Wir beide, bis zum Ende der Welt oder bis unsere Körper zu Asche werden – was auch immer zuerst geschieht.
Als sie bei mir angekommen ist und ich den Arm ausstrecke, habe ich das Gefühl, endlich wieder atmen zu können. Aber Gleb hat es nicht allzu eilig, sie mir zu geben. Auch wenn ich weiß, dass ich bereits seine Zustimmung habe, respektiere ich, dass er sich mit einer Warnung an mich wendet, bevor er sie gehen lässt.
„Pass auf mein kleines Mädchen auf, Lev.“
„Immer.“ Ich lächle ihn an wie ein verliebter Narr.
Kat lächelt auch und wir sehen aus wie jede Menge alberner Figuren aus einem Liebesfilm, aber das ist mir scheißegal. Sie gehört mir und ich gehöre ihr, und dies ist der gottverdammt beste Tag meines Lebens, also werde ich lächeln, wann immer ich will.
Maxim steht vor uns, souverän und bereit, uns zu trauen, und ich weiß nicht, wer seine Rolle ernster nimmt – er oder Josh. Für mich ist es nur eine Formalität, als Maxim beginnt, die Worte zu rezitieren, die Kat und mich ein Leben lang miteinander verbinden werden. In Herz, Kopf und Seele sind wir bereits für die Ewigkeit miteinander verbunden. Noch nie war ich mir dessen so sicher wie jetzt, als ich die Gelübde wiederhole, durch die ich verspreche, dass ich sie in Krankheit und Gesundheit, in guten und in schlechten Zeiten, in Reichtum und Armut lieben werde. Aber in meinem Kopf gibt es noch so viel mehr. Ich werde sie lieben, bis sie alt und grau ist. Angepisst und launisch oder ein strahlendes Leuchtfeuer. Ich werde sie in der dunkelsten aller Zeiten lieben, und in der hellsten. Daran gibt es keinen Zweifel. Meine Hingabe an sie wird nicht schwanken, und ich lege Wert darauf, das als geflüstertes Versprechen einzubringen, etwas, das nur sie hören kann.
Ihre Augen sind feucht, als sie nickt und „Ich auch“ flüstert.
Als es Zeit für die Ringe ist, ist Josh ein absoluter Profi, der seinen Safe reibungslos öffnet und sie nur widerwillig herausrückt. Kat und ich sagen ihm beide, welch einen guten Job er gemacht habe, während Maxim ihm zuzwinkert und ihn vor Stolz erstrahlen lässt.
Wir schließen die Zeremonie mit einigen der von Gleb gewünschten Traditionen ab, zu denen auch gehört, dass wir beide gekrönt werden und zwei Kristallgläser zertreten. Für mich hat das keine Bedeutung, aber Kat war froh, einige ihrer familiären Wurzeln in die Zeremonie einbeziehen zu können. Wir hätten heiraten können, wo immer sie wollte, und ich hätte ihrem Wunsch entsprochen. Solange Kat glücklich ist, bin ich auch glücklich.
Und ich war noch nie glücklicher als in dem Moment, in dem ich endlich ihre Hände in meine nehme und Maxim uns zu Mann und Frau erklärt.
„Du siehst ziemlich befriedigt aus“,
murmele ich, lege den Arm über Kats Schultern und ziehe sie an meine Seite.
Wir sind beide nackt, im Schlafzimmer, erschöpft, aber glücklich von der Feier. Die Grillen zirpen vor dem Fenster, der See rollt sanft gegen das Ufer, und zwischen uns herrscht ein Gefühl des Friedens, wie es, da bin ich mir ziemlich sicher, keiner von uns bisher empfunden hat.
„Bist du dir sicher, dass du nicht in die Flitterwochen fahren willst?“, frage ich sie noch einmal. „Es ist noch nicht zu spät.“
„Nein.“ Sie seufzt zufrieden und lehnt den Kopf an meine Schulter. „Ich habe zu viele Hotelzimmer gesehen. Und ich bin gerne hier. Ich denke, das ist alles, was wir brauchen.“
„Wenn es das ist, was meine Frau will.“ Ich küsse sie auf die Schläfe und sie grinst.
„Was glaubst du, wie Gleb und Maxim in den nächsten Tagen mit Josh zurechtkommen werden?“, fragt sie mit einem Anflug von Sorge in der Stimme.
„Ich glaube, sie werden überleben“, sage ich. „Sie haben einen tollen Job gemacht, als du im Krankenhaus warst. Aber wenn du willst, dass er zu uns nach Hause kommt, steht dem auch nichts im Wege.“
Sie seufzt erleichtert und umarmt mich. „Deshalb liebe ich dich. Ich glaube, das wäre schön. Ich bin einfach bereit dafür, dass unsere Familie zusammen ist.“
„Ich liebe dich auch, mein Schatz.“ Ich vergrabe mein Gesicht an ihrem Nacken und atme sie ein.
„Oh!“ Sie setzt sich aufrecht hin und entzieht mir ihre Wärme. „Fast hätte ich es vergessen. Ich habe noch etwas für dich.“
„Was denn?“, frage ich, aber es ist schon zu spät. Sie rennt bereits aus dem Zimmer und erlaubt mir einen schönen Blick auf ihren Hintern.
Als sie zurückkommt, ist sie, sehr zu meiner Enttäuschung, in eine Decke gewickelt, und sie hat ein Törtchen in der Hand.
„Hast du bei der Hochzeit nicht genug Kuchen bekommen?“ Ich schmunzle und erinnere mich daran, wie wir ihn uns gegenseitig ins Gesicht geschmiert hatten, bevor wir uns einen zuckrigen Kuss gaben.
„Das hier ist was anderes“, antwortet sie nervös und setzt sich neben mich auf das Bett. „Das hier ist für uns beide.“
Ich weiß nicht recht, was sie damit meint, aber während sie es mir in die Handfläche legt, erklärt sie es mir.
„Ich habe es von einer Bäckerei speziell für uns backen lassen. Da ist eine Überraschung drin, also müssen wir es beide gleichzeitig auseinanderziehen.“
„Okay.“ Ich betrachte ihr Gesicht, immer noch unsicher, warum sie so nervös aussieht. Aber es macht mich auch nervös, und jetzt will ich dieses verdammte Törtchen öffnen, um zu erfahren, was los ist.
Kat und ich nehmen beide eine Seite und sie zählt bis drei. Wir zerreißen es und ein winziges, in Plastik eingewickeltes Stück Papier fällt heraus.
„Was ist–“
„Mach es auf“, sagt sie.
Ich entferne das Plastik und entrolle das Papier, wodurch ich ein Foto sehe. Ein Ultraschallbild.
Ich sehe sie an, und in ihren Augen glitzern Tränen. Ich brauche ein paar Sekunden, um zu verstehen, aber sobald ich es tue, ersticke ich an meinen eigenen Worten.
„Willst du mir sagen, dass du …“
„Schwanger.“ Sie beendet den Satz mit einem Nicken.
Ich ziehe sie auf meinen Schoß wie ein Höhlenmensch, werfe den Cupcake beiseite und lege die Hände an ihr Gesicht. „Bist du dir sicher?“
„Ja, Lev.“ Sie lacht. „Hast du nicht gemerkt, dass ich dick werde?“
„Du bist nicht dick.“ Ich runzle die Stirn. „Du bist so schön wie immer.“
„Nun, dieses Bäuchlein ist nicht vom Stressessen“, versichert sie mir. „Wir bekommen ein Baby.“
Eine Million verschiedener Gedanken kämpfen in meinem Kopf. Ich möchte aufgeregt sein, aber ich kann nicht leugnen, dass ich auch verdammt viel Angst habe. Kat muss das an meinem Gesicht erkennen und sie berührt mich mit einer Sanftheit, die nur sie besitzt.
„Es ist okay“, flüstert sie. „Wir haben die kritischen ersten drei Monate überschritten. Es ist alles gut, Lev. Diesmal wird alles gut werden.“
Meine Stirn drückt sich an ihre und unsere Lippen prallen mit einer atemlosen, hektischen Energie aufeinander. Ich werde wieder Vater. Wir werden ein Kind bekommen. Und dieses Mal werde ich ein Teil von all dem sein.
„Ich will alles wissen“, murmle ich, während ich ihr die Decke vom Körper reiße und ihren Bauch mit der Handfläche bedecke. „Diesmal will ich bei jedem Termin dabei sein. Bei jedem Schritt. Ich werde mich um dich kümmern. Sag mir, was du brauchst.“
Kat lacht und der Klang ist wie Musik in meinen Ohren. „Ich brauche nichts. Nur das hier. Nur dich und mich und Josh und unser Baby. Wir können bald das Geschlecht erfahren, wenn du willst.“
Ich ziehe sie in einen langsamen, betäubenden Kuss und mein Schwanz erwacht unter ihrem Hintern zum Leben. Ohne zu viel darüber nachzudenken, berühre ich ihre Titten und ihren Körper und bete schweigend diese Frau an, die ich die Meine nennen darf, jetzt und für immer.
„Ich glaube, es gibt doch eine Sache, die du mir geben könntest“, flüstert Kat mir ins Ohr, während sie sich an meiner Erektion reibt. „Wie wäre es mit einem weiteren Orgasmus?“
„Wie wäre es mit drei?“ Ich drehe sie auf den Rücken und
vergrabe meinen Schwanz in ihr, bis wir beide zu einem Haufen auf dem Bett zusammenbrechen und sich unsere Hände umeinander klammern.
Zweifellos war diese Frau immer für mich bestimmt gewesen.
Ende