Kapitel 23
Linux ist frei. Die Entwickler weisen immer darauf hin, dass es nicht das »frei« von Freibier, sondern das von Freiheit ist. Sie können mit Linux alles tun, was Ihnen einfällt. Andererseit so ein wenig Freibier ist mit dabei. Tatsächlich kostet der Server keine Lizenzgebühren.
Das hat erhebliche Auswirkungen. Man muss nicht jedes Gerät extra lizensieren. Wenn man schnell eine Betriebssystemfestplatte kopiert und auf einem anderen Rechner einsetzt, muss man diesen nicht explizit registrieren. Und das führt uns gleich zum nächsten Punkt.
Man gilt als Exot, wenn man Linux auf seinem Notebook installiert hat. Aber das täuscht. Alle Welt nutzt Linux.
Der Router, der Netzwerkdrucker, der Fernseher, der Receiver, das Auto, und das Android-Smartphone nutzen Linux. Der Mac und das iPhone nutzen tatsächlich nicht Linux, aber einen nahen Verwandten. Das einzige Windows-Smartphone ist mit Pauken und Trompeten untergegangen. Die Webserver und die Cloudserver, selbst die von Microsoft laufen mehrheitlich mit Linux.
Nur in der Nische der Arbeitsplatzrechner sind die Windows-Rechner noch in der Mehrheit.
Wenn Informatiker Wochen, Monate und Jahre Ihrer Freizeit für die Entwicklung eines Betriebssystems investieren, tun sie das nicht, um ein paar hundert Euro an Lizenzgebühren zu sparen. Sie wollen ein anderes, ein besseres System erstellen.
Inzwischen sind es längst nicht mehr nur Freaks, die an Linux arbeiten. Die großen Player wie IBM, HP und ja, auch Microsoft beteiligen sich an der Weiterentwicklung.
Sie können Linux ohne grafische Oberfläche installieren. Das spart Platz. Und da Sie an die Sourcen herankommen, kann jeder alle überflüssigen Teile entfernen, um Linux auf der allerkleinsten Hardware zum Laufen zu bringen. Und genau das wird getan, wenn es eben auf einem Router oder einem Fernseher laufen soll.
Auf der anderen Seite läuft Linux auch auf den Großrechnerserien von IBM und auf den Hochleistungsrechnern der Universitäten.
Wenn Ihnen Ihr Computer abraucht, nehmen Sie die Festplatte heraus und stecken sie in irgendeinen anderen Computer. Mit großer Wahrscheintlichkeit wird das Gerät problemlos starten. Die benötigten Treiber müssen Sie nicht mühsam aus dem Netzwerk klauben. Linux bringt alles mit. Damit kommen wir zum nächsten Punkt:
Die Hersteller der Computer, Steckkarten und anderer Hardware stellen Treiber zur Verfügung. Das ist nett, aber nicht ganz uneigennützig. Schließlich soll ja die Hardware auf irgendeinem System laufen. Darum erstellt der Hersteller den Treiber nur für die Systeme, bei denen er den größten Umsatz vermutet.
Wenn allerdings eines Tages die Windows-Version wechselt, passen oft die alten Treiber nicht mehr. Der Hersteller hat inzwischen ein neues Gerät im Verkauf und warum sollte er sein altes Produkt mit einem neuen Treiber versehen, wenn er statt dessen ein neues Gerät verkaufen kann?
Bei Linux sind die Treiber in der Regel quelloffen. Bei einer neuen Linux-Version werden die alten Treiber einfach im Quellcode eingebunden und laufen meist auch nach einem Versionswechsel. Sollte der Treiber doch einmal nicht mit der neuen Linux-Version kompatibel sein, ist man nicht auf den Hersteller angewiesen. Jeder Programmierer mit Kenntnissen in diesem Bereich kann den Treiber anpassen.
Linux kommt normalerweise in einer Distribution, die mehr Software enthält, als ein Benutzer jemals benötigen wird. Nach einer Standardinstallation sind bereits die populärsten Pakete wie Office, Browser, Mailprogramm installiert.
Wenn Sie noch etwas mehr benötigen, wenden Sie sich einfach an die Software-Paketverwaltung. Daraus wählen Sie sich das Gewünschte aus und es wird aus dem Repository Ihrer Distribution gezogen. Garantiert keimfrei und passend zu Ihrer anderen Software. Und damit sich niemand dazwischen schummelt und Ihnen bösartige Software unterschiebt, gibt es ein Zertifikat, an dem jeder Linux-Rechner einen ehrlichen Softwarelieferanten erkennt.
Die Quelldaten liegen vor. Auch wenn der ursprüngliche Entwickler sein Projekt aufgibt, kann ein anderer Programmierer dieses wieder aufnehmen.
Beispielsweise wurde beim Wechseln von GNOME 2 zu GNOME 3 das klassische Bedienkonzept komplett über den Haufen geworfen. Die weniger begeisterten Benutzer erstellten schließlich aus dem verfügbaren Code von GNOME 2 einen eigenen Desktop, den Sie in MATE umbenannten. MATE ist heute vermutlich sogar weiter verbreitet als GNOME 3.
Nicht jede Änderung führt sofort zu einem neuen Projekt und das ist ja auch ganz gut so. Aber prinzipiell geht nichts verloren, weil die Quellcodes jedermann zur Verfügung stehen.
Linux ist als Mehrbenutzersysteme ausgelegt. Es sind also von vornherein Sicherheitsmechanismen eingebaut, die dafür sorgen, dass gleichzeitig arbeitende Benutzer gegeneinander geschützt werden.
Die Aufgaben von Administration und Benutzern sind klar abgegrenzt. Alle Bestandteile des Betriebssystems werden auf Sicherheit geprüft, weil Linux in vielen sicherheitskritschen Bereichen Dienst tut.
Es ist also nicht nur die geringe Verbreitung im Arbeitsplatzbereich, die Linux sicherer macht. Damit Linux ein sicheres System bleibt, sollte man sich allerdings nicht in falscher Sicherheit wiegen. Jedes programmierbare System kann prinzipiell auch angegriffen werden.
In der Informatik gibt es das KISS-Prinzip: »Keep It Small and Simple«, auch »Keep It Simple, Stupid« genannt. Prinzipiell meint es, dass man alles möglichst einfach halten sollte. Mit steigenden Anforderungen wird ein System schon komplex genug. Linux-Werkzeuge sind möglichst einfach gehalten. Die Programmierschnittstellen sind nicht überladen.