16. KAPITEL

Ich habe Schlafstörungen, die durch ein gruseliges Untergeschoss bedingt sind.

Manchmal liege ich die ganze Nacht wach und denke an den Kriechraum in diesem Untergeschoss. Er ist nichts Besonderes, einfach bloß ein bisschen gruselig, doch eigentlich nichts weiter als ein Loch in einer der Steinmauern. Es befindet sich knapp zwei Meter über der Erde und führt in einen Raum, der so breit und lang wie unser Eingangsflur ist, unter dem er liegt. Im Innern sieht man ein paar Rohre und einen Boden aus Teerpappe und jahrealtem Staub.

Ich weiß nicht, wieso ich mich so auf diesen Kriechraum fixiere, es ist einfach so. Vielleicht weil er dunkel und feucht ist und das Gefühl vermittelt, als ob dort etwas versteckt sei. Vielleicht weil er hinter der Treppe liegt, sodass ihn die meisten völlig übersehen würden. Vor allem wenn etwas die Öffnung verdeckt.

Vielleicht ist es auch nur, weil ich in einer beschissenen Lage bin und mit einer regen Fantasie gesegnet.

Deshalb liege ich wach und warte darauf, ob irgendetwas geschieht. Und selbst wenn das Haus still und leise bleibt, kann ich nicht schlafen. Selbst wenn er gute Laune hat, mit dem Geld alles stimmt und er mit ihr lacht und ihr Blumen schenkt, kann ich nicht schlafen. Weil ich weiß, dass morgen Nacht vielleicht nicht alles dunkel ist und es nur die tiefen Atemlaute eines friedlichen Hauses sein werden. Morgen Nacht könnten alle Lichter im Haus brennen, der Mülleimer durch die Küche fliegen und eine Spur aus Eierschalen, zerknüllten Rechnungen und Zigarettenstummeln hinterlassen. Seine Stimme, die immer die gleichen Worte wiederholt, während er im Haus umherläuft und nach weiteren Dingen sucht, die ihn noch weiter aufregen, denn ich schwöre, wenn er erst mal in Fahrt kommt, dann gefällt ihm das und er versucht, das Feuer weiter anzuheizen.

Ich habe keine Angst vor der Dunkelheit. Ich habe Angst, dass ich es nicht bis zum Morgen schaffe. Deshalb liege ich nachts wach und denke an diesen Kriechraum. Ich überlege, dass es dort sein wird, wo er eines Tages unsere Leichen versteckt.