Dieses Haus ist ungebrochen, so wie ein geheilter Knochen.
Etwas war in einen unnatürlichen Winkel gebeugt, zu weit vorgeschoben, bis es zerbrach oder splitterte. Doch dann wurde es wieder besser.
Als ich acht war, hatten wir einen Schneetag. Mom kellnerte damals und der Diner schloss nicht, deshalb ging sie, hochschwanger mit Juniper, hin. Dad schlief aus, müde von den vielen Stunden, die er am Wochenende gearbeitet hatte, um ein Dach fertig zu kriegen, bevor der Schnee kam. Ich machte Frühstück für mich und Campbell und wir schauten Trickfilme, als er herunterkam. Der Müll stapelte sich in der Küche. Wir hatten ihn nicht rausgebracht – ich glaube nicht, dass ich ihn überhaupt hätte tragen können –, doch als er ihn sah, wurde er so schrecklich wütend, dass er ihn durch den Flur warf und alles herausfiel. Dann griff er nach einer Schranktür, die wir offen gelassen hatten, und knallte sie in die falsche Richtung, dass sie aus den Angeln sprang, und das Splittern des Holzes war so laut, dass es klang, als würde etwas in meinem Innern bersten. Ich schnappte mir Cammy, rannte mit ihr in mein Zimmer und wir versteckten uns in meinem Schrank.
Mom fand uns am späten Nachmittag.
Als wir nach unten kamen, lag der Müll immer noch überall und er schlief auf der Couch. Doch die Schranktür war nicht kaputt. Ich versuchte Mom in verwirrtem, eindringlichem Flüstern zu erklären, dass das Holz in den Angeln gesplittert war. Aber alles war heil, so als wenn nie was kaputt gewesen wäre. Ich beschloss, dass ich es falsch gesehen haben musste. Dass es nur der Knall gewesen war, mit dem die Schranktür gegen die Wand krachte. Doch ich weiß, auch Campbell hatte es gesehen, denn als Mom sich umziehen ging, beugte sich Cam zu mir und flüsterte: »Das war Magie.«
Das Ganze war zwei Jahre vor der nächsten Explosion dieser Art gewesen. Es gab damals noch große Abstände zwischen den Ausbrüchen. Und es tut ihm jedes Mal leid. Er sagt, dass es nie wieder passieren wird.
Inzwischen weiß ich, dass der letzte Satz nicht stimmt. Es wird wieder passieren. Und vielleicht liebt er uns ja wirklich, aber das hat ihn noch nie aufgehalten. Stattdessen macht sie alles noch schlimmer, seine Liebe zu uns. Und unsere zu ihm. Sie macht es unmöglich, ihn zu verlassen.
Es dauerte eine Weile, bis ich mich wieder an die Schranktür erinnerte und daran, wie der Zweifel auslöschte, was ich mit eigenen Augen gesehen hatte. Ich hatte es vergessen, bis es von Neuem passierte und danach immer öfter. Das Haus repariert, was er zerstört.
Das Haus ergibt keinen Sinn, aber genauso wenig Sinn macht es, wie er selber in etwas Unkenntliches zersplittert, wenn er ausrastet. Es ist unglaublich, was man zu akzeptieren lernt, wenn so wenige Dinge Sinn ergeben, und Campbell und ich haben gelernt, es schweigend zu beobachten. Die geflickten Wände und reparierten Bilderrahmen zu bemerken und das Seltsame in einer weichen Ecke unseres Hirns zu verstauen, wo es sich ignorieren lässt.