»Auburn Wolves sind nicht zu schlagen.«
So positiv waren die Schlagzeilen der Auburn Gazette schon lange nicht mehr. Sofia ist komplett davon eingenommen, über die Mannschaft zu schreiben – in diesem seltenen Moment, in dem Sport wirklich mal den Nachrichtenwert hat, den sich die Stadt immer wünscht. Sie hat mich gefragt, ob sie meinen Vater zu der neuen Siegessträhne der Wolves interviewen kann, und ich habe das Interview wieder und wieder mit fadenscheinigen Entschuldigungen auf die lange Bank geschoben. Doch heute Abend haben die Wolves ihr letztes Match der Qualifikation bestritten – und erneut gewonnen. Die ganze Saison über ungeschlagen, zum ersten Mal seit fast zwanzig Jahren.
Dieses Mal gehe ich mit Liams Familie zum Spiel. Perfektes Timing, denn Mom fährt die Mädchen zum Übernachten zu Nana, damit Juniper in Ruhe ihre Geschichtsarbeit über Auburn zu Ende bringen kann. Die Fahrt zum Auswärtsspiel der Wolves verläuft schweigsam. Als ich einsteige, reicht mir Fiona einen ihrer Ohrstöpsel und wir hören die ganze Strecke zusammen Musik.
Doch die Rückfahrt verläuft anders, weil es ein Sieg war und Liam ein großartiges Spiel hatte.
Ich schweige immer noch, registriere jedoch vom Rücksitz aus ein paar Dinge.
Zum Beispiel, dass Liams Dad laut spricht, ohne wütend zu sein.
Ich sehe, wie er mit nur einer Hand am Lenkrad fährt, während die andere zwischen den Vordersitzen liegt und die Hand seiner Frau hält. Es wirkt fast unbeabsichtigt, so als ob ihre Hände automatisch zusammenfänden, sobald sie nebeneinandersitzen.
Ich merke plötzlich, dass Liam das auch tut, wenn er mich zur Schule fährt. Aber es war mir nie so bewusst.
Liam wird von der Schule aus allein nach Hause fahren, wenn der Bus zurückkommt, deshalb schnappen Fiona und ich uns etwas zu knabbern und gehen solange in den Keller, bis er kommt. Es ist schon spät, aber meine Eltern haben Mitternacht gesagt und ich werde jede Minute ausnutzen, die ich hier sein kann, bevor ich nach Hause muss.
Im Keller hängt an der einen Wand ein riesiger Fernseher und drum herum stehen große Sofas und Sessel. Die ganze andere Hälfte der Fläche ist zu einem kleinen Tanzstudio für Fiona ausgebaut, mit langen Spiegeln an allen Seiten und einer Ballettstange. Sie geht in ihre Hälfte, zieht die Schuhe aus und fällt in die Bewegungen, die sie schon tausendmal geübt hat. Ich wette, sie tanzt auch im Traum.
»Wann hast du damit angefangen?«, frage ich.
»Mit dem Tanzen?« Sie sucht meinen Blick im Spiegel, während sie Dehnübungen macht. »Als ich drei war.«
Fiona setzt sich auf den Boden und löst die Haare aus dem straffen Knoten, zu dem sie sie zusammengebunden hatte.
»Ich weiß, es sieht beschissen aus.« Ihre Haare sind kraus und wild, als sie sie löst.
»Überhaupt nicht, Fiona, es sieht toll aus.«
»Pah.« Sie verdreht die Augen. »Sag das mal Dylan Carpin.«
»Wem?«
Sie seufzt und beugt sich nach vorn. »Einem Jungen aus meiner Klasse.«
»Was hat er gesagt?«
»Er hat gesagt, er mag mich und dass er mit mir auf den Winterball will.«
»Und? Wirst du Ja sagen?«
»Wollte ich … bis er meinte, was ich denn mit meinen Haaren vorhätte, wenn der Ball ist.«
»Was?«
»Ja, er hat gesagt, sieht echt gut aus, wenn es nicht zu exotisch wirkt.«
»Wow. So ein Idiot, echt, Fiona.«
Fiona lacht. »Genau.«
Sie steht auf, kommt zum Sofa und kringelt sich neben mir ein.
»Ich dachte, er wär nett. Wirkte er ansonsten ja auch.«
»Ja, aber ansonsten nett könnte eine Menge schreckliche Dinge entschuldigen, findest du nicht?«
Fiona sieht mich an. »Du hast recht. Könnte es. Egal. Meine Freundinnen und ich gehen zusammen. Wir brauchen kein Date.«
»Ich bin noch nie mit einem Date zu einem Ball gegangen und ich hab trotzdem immer Spaß mit meiner besten Freundin.«
»Ja? Gut, Entscheidung gefallen. Nur Freundinnen. Also, was mich angeht. Du kannst ja vielleicht endlich mit jemandem hingehen …«
Ich ziehe ein Kissen an meine Brust. »Sprich’s nicht aus, Fiona.«
»… wie Liam.«
»Du hast es ja doch ausgesprochen!«
Fiona zieht mir das Kissen weg. »Du kannst dich nicht davor verkriechen. Ich weiß doch, dass du mit ihm hingehen willst. Ihr seid so dumm, wie ihr miteinander umgeht. Ist schön, zwei Klugscheißer ausnahmsweise mal dumm zu erleben.«
»Danke, Fiona«, sage ich lachend.
»Versprich mir einfach, dass du zusagst, wenn er dich fragt.«
Wieso will eigentlich jeder, dass ich’s verspreche?
Fiona schnappt begeistert nach Luft. »Oder besser noch, frag du Liam!«
»Was soll sie mich fragen?«, sagt eine Stimme von der Treppe.
Ich starre Fiona an und schüttle den Kopf. Sie lächelt bloß und sieht dabei genauso aus, wie wenn ihr Bruder lächelt.
»Glückwunsch«, sage ich, als Liam sich auf das Sofa gegenüber setzt. Er muss gerade noch geduscht haben, bevor er heruntergekommen ist, denn die Haare sind ganz nass und er riecht nicht, als ob er eben erst von einem Footballfeld gekommen wäre. Es ist wieder dieses erdig riechende Duschgel wie an dem Abend, als wir uns das erste Mal geküsst haben. Die wohlige Erinnerung daran lässt mich rot werden. Vielleicht hat Fiona ja recht. Vielleicht bin ich tatsächlich ein bisschen bescheuert, was Liam angeht. Und vielleicht ist das okay. Mal mit dem Denken aufzuhören und meinen Gefühlen zu folgen.
Aber schön zu wissen, dass es ihm auch so geht. Dass ich ihn auch ein bisschen bescheuert mache.
»Danke«, antwortet Liam. »Aber wir sitzen doch nicht hier, um über Football zu reden.«
»Nicht?«
»Wir wollten uns doch mit Kunst beschäftigen.«
»Heute nicht«, sage ich und schiebe den Rucksack nach hinten.
»So schlimm kann es gar nicht sein«, widerspricht Liam und greift danach.
Er nimmt mir den Rucksack weg und zieht meine Kunstmappe raus. Dann nimmt er meine jüngste künstlerische Katastrophe heraus, die ich liebevoll Porträt einer alten Krähe nenne.
Die Zeichnung soll Joe zeigen, aber mit Fliege und Monokel. Ich habe Liam von dem echten Joe erzählt, doch ich glaube, er wusste nicht, wie ernst er mich nehmen sollte. Wächtervogel ist vielleicht eine etwas sehr seltsame Vorstellung, um sie auf Anhieb ernst zu nehmen. Campbell, Juniper und ich haben ja auch eine ganze Weile gebraucht.
Doch jetzt ist er einfach nur Joe. Joe, der immer draußen ums Haus ist. Der die Kekse nimmt, die Juniper ihm hinlegt, und ihr dafür Murmeln schenkt.
Liam trägt die Zeichnung zur Lampe hinüber und lächelt.
»Niedlich«, sagt er.
»Würdevoll«, korrigiere ich ihn.
»Darf ich?« Er gestikuliert mit seinem Bleistift und ich nicke. Liam verändert die Form der Augen ein bisschen. Die Veränderung ist nur ganz winzig – intuitiv für Liam –, doch der Effekt ist deutlich. Es ist, als wenn die Augen auf dem Blatt etwas lebendiger geworden wären.
»Wieso ist er grau?«, fragt Liam.
»Weil der echte Joe auch grau ist. Hat sich herausgestellt, dass das keine Abnormität ist. Nach Aussage meines Vogeltypen ist Joe eine ganz andere Krähenart, die sich Nebelkrähe nennt.
»Das Bedenklichste an diesem Gespräch ist bis jetzt, dass du einen Vogeltypen hast«, sagt Liam.
»Ein Ornithologe, wenn du den Fachausdruck willst.«
»Nerd«, antwortet er und stößt seine Schulter gegen meine. Als Antwort drücke ich meine gegen seine.
»Das Komische ist, dass man Nebelkrähen hauptsächlich in Europa findet. Was glaubst du, wieso er hier ist?«
»Bisschen existenzialistisch für einen Vogel, findest du nicht?«
»Ihr seid mir vielleicht zwei Streber, wisst ihr das?«, sagt Fiona und steht vom Sofa auf. »Es ist Freitagabend. Seid mal ein bisschen locker.«
»Vielleicht könnten wir das ja, wenn ich nicht eine nervende Schwester hätte, die die ganze Zeit bei uns rumhockt«, antwortet Liam.
Fiona lacht, immun gegen sein Sticheln.
»Du liebst mich doch«, sagt sie.
»Gott bewahre.«
Ich muss lachen und schiebe meine Zeichnung in den Rucksack zurück. Das Porträt einer alten Krähe kann warten.
»Wie wär’s mit einem Film?«, fragt Liam. »Ich hab eine große Sammlung.«
»Oh nein, jetzt geht das wieder los«, sagt Fiona. »Das ist es, Leighton. Wir sind angekommen. Das ist der Punkt, an dem du den Kerl sitzen lässt. Liam schaut nämlich nur Superheldenfilme.«
»Na ja, so schlimm klingt das auch wieder nicht. Superheldenfilme mag doch jeder.«
Fiona setzt sich auf. »Ja, schon, wenn du nicht drei Spiderman-Filme hintereinander ansehen und dabei über die verschiedenen Regieansichten diskutieren musst und darüber, welche Dekade der Darstellung in den Comics diese am besten widerspiegelt.« Sie sinkt ins Sofa zurück. »Er schaut nicht einfach Superheldenfilme. Er seziert sie.«
»Danke, Fiona. Aber du könntest es ihr auch etwas sanfter vermitteln.«
»Was für ein Supernerd du insgeheim bist? Das kann man gar nicht übersehen, Liam.« Fiona schaut mich an. »Frag ihn doch mal, wie oft er Spider-Man: A New Universe im Kino gesehen hat. Kleiner Hinweis: mehr als fünfmal.«
»Na hör mal, Fi. Eine Entstehungsgeschichte mit einem schwarzen Superhelden – noch dazu meinem Lieblingssuperhelden –, und dann mit einer Animation, die jenseits von allem ist, was du je gesehen hast. Außerdem warst du mindestens dreimal selber dabei, wenn ich mich recht erinnere.«
»Wie auch immer, Nerd. Ich geh nach oben. Mom guckt bestimmt so eine Sendung, in der sie dir dein Zuhause neu einrichten.«
Fiona springt vom Sofa auf und will gerade die Treppe rauf, da ruft ihr Liam hinterher: »Du weißt aber schon, dass die Sendungen total fake sind, oder? Wie sollen sich denn eine Kindergartenerzieherin und ein städtischer Gartenbauer ein 800 000-Dollar-Haus leisten?«
Fiona beugt sich ein letztes Mal übers Geländer, streckt den Arm aus und tut so, als würde sie ein Spinnennetz auf Liam schießen, ehe sie nach oben verschwindet.
»Und … hast du A New Universe gesehen?«, fragt Liam und dreht sich wieder zu mir um.
»Ähm … Bei mir zu Hause gibt es jede Menge My Little Pony und Disney Channel. Ich hab seit Jahren keinen einzigen Superheldenfilm gesehen.«
»Du machst mich fertig, Barnes. Es wird dringend Zeit, dass du dich in diesen geilen Film verliebst.«
»Film?«, stichele ich. »Ist Superman nicht ein Cartoon?«
Liam schweigt einen Moment, schaut aber nicht hoch. »Kein Cartoon. Ein Oscar-prämierter Animationsfilm.«
Ich muss über den Nerd in Liam grinsen und denke an die Brille und die Regale über Regale mit Comics in seinem Zimmer. Es liegt was Verletzliches darin, etwas so sehr zu lieben, und es ist, als würde ich eine ganz andere Seite von ihm kennenlernen.
»Du hättest auch etwas vorschlagen können, was du nicht schon hundertmal gesehen hast«, sage ich.
»Und eine geniale Möglichkeit versäumen, dass uns Fiona eine Weile in Ruhe lässt?«
Gut gespielt, Liam McNamara. Er setzt sich zu mir aufs Sofa.
Aber er hat nicht unrecht. Es ist ein genialer Film.
»Gibst du’s zu, Barnes?«
»Geb ich was zu?«
»Dass ich einen guten Geschmack hab.«
»Offensichtlich.« Ich zucke mit den Schultern.
»Ich meine, was Filme angeht.«
»Ich weiß. Aber was du tust, ist Fishing for Compliments. Und die Genugtuung geb ich dir nicht. Der Film ist okay.«
»Barnes, du machst mich wirklich fertig.«
»Ja, er ist super«, sage ich lachend. »Alles, was du tust, ist super. Besser, ich würde irgendwo eine Schwäche erkennen. Kein Mensch ist so perfekt wie du.«
»Ich bin nicht perfekt, Barnes.«
»Ich weiß. Du willst nur, dass das jeder denkt.«
Shit. Wenn ich doch bloß die Zeit dreißig Sekunden zurückdrehen und mir auf die Zunge beißen könnte. Ich hatte es mit einer gewissen Leichtigkeit sagen wollen, aber so, wie es rauskam, klang es einfach nur harsch.
Ich meine es genau so und er weiß das. Liam greift nach der Fernbedienung und stoppt den Film.
Er setzt sich zurecht, sodass er mich genau ansieht. »Ist kein bewusster Akt. Ich hab nur das Gefühl, dass ich mir keinen Fehler leisten kann.«
»Das versteh ich, Liam. Aber vielleicht kannst du … wenigstens bei mir?«
»Du meinst, ich soll das Visier öffnen?«
»Nicht viel. Nur ein kleines bisschen.«
»Okay, okay. Meine größte Schwäche ist –«
»Ich hab nicht gemeint, jetzt, auf der Stelle, Liam.«
»Ich kann nicht singen.«
Ich sacke in mich zusammen. »So was meine ich nicht.«
»Ich weiß schon, aber ich kann nicht nur einfach nicht singen – ich bin unglaublich schlecht. Selbst wenn es um Leben und Tod ginge, ich würde die richtigen Noten nie treffen.«
Er weiß, dass ich nicht Singen gemeint habe. Kein Mensch kann singen. Wobei ich mir bei ihm nicht mal sicher bin.
»Beweis es.«
Liam zögert nicht mal. Er ruft eine Musik-App auf und wählt einen Song aus dem Soundtrack. Und dann singt er. O Gott, er hat recht. Er ist unglaublich schlecht.
Ihr Kater, der auf dem anderen Sofa liegt, hebt entsetzt den Kopf bei dem schrecklichen Lärm, den Liam veranstaltet.
Ich weigere mich zu lachen, denn das hier ist so eine Mogelpackung von Schwäche und ich hatte auf etwas ein bisschen Echteres gehofft, doch er macht es mir wirklich schwer.
Ich halte mein Lachen zurück, bis er zu einem Falsett ansetzt. Aber als er die letzte hohe Note herausquetscht, jagt der Kater aus dem Zimmer und ich kann wirklich nicht mehr. Ich lache, bis mir die Tränen kommen.
Er endet so laut und schrecklich, wie er begonnen hat. Und er verbeugt sich tief, obwohl er während der Vorführung fünfzig Prozent seiner Zuhörer verloren hat.
»Baxter steht zwar nicht auf deinen Gesang, ich aber schon«, sage ich, als ich wieder zu Atem komme.
»Das hat dir gefallen?« Er lässt sich ins Sofa sinken und ich kippe halb auf ihn drauf.
»War super, Liam. Wenn alle deine Schwächen so unglaublich sind, solltest du sie unbedingt öffentlich machen. Du enthältst der Welt ein paar großartige und absolut menschliche Schwächen vor.«
»War’s echt wert. Muss ich mir unbedingt merken.«
»Was musst du dir merken?«
»Wie wunderbar dein Lachen ist. Könnte mich glatt dran gewöhnen«, antwortet Liam mit einem Grinsen. Er fasst herüber und wischt mir eine Träne von der Wange. Ich vergieße oft Tränen, wenn ich lache. Ich weine, wenn ich traurig bin, wenn ich Angst habe, und eindeutig, wenn ich wütend bin, aber auch, wenn ich lache. Vor allem wenn ich so lache, dass es mir in den Rippen wehtut.
Oder auch: Leighton Barnes weint ständig.
Doch im Moment lache und weine ich nicht, sondern liege nur zusammengerollt und mit dem Arm eines sehr süßen Jungen um meine Taille geschlungen auf einem Sofa. Ich weiß nicht so recht, wie ich es in Liam McNamaras Keller geschafft hab – eingekuschelt auf dem Sofa – und diese Seite von ihm erlebe, von der ich nie ahnte, dass es sie überhaupt gibt. Es ist, als wär ich auf einem fremden Planeten gelandet, würde ich sagen, aber Liam und seine Familie sind eindeutig die Normalen in dem Szenario. Kümmert euch nicht um mich, ich bin nur hier, um mir als Alien ein paar Notizen zu machen, was eine glückliche Familie ist.
Liam zieht meine Beine auf seinen Schoß. »Leighton, ich wollte dich schon die ganze Zeit etwas fragen. Und ich hab das noch nie gefragt, ohne die Antwort zu kennen. Und bevor du es sagst: Ja, ich weiß, es klingt extrem arrogant. Ich will nur, dass dir bewusst ist, wie verletzbar ich mich damit mache. Wehrlos wie ein kleines Kätzchen. Das heißt, wenn du das Gefühl hast, Nein sagen zu müssen, dann tu es bitte behutsam, okay?«
»Okay, okay. So gemein bin ich nun auch wieder nicht, oder?«
»Keine Ahnung.« Er lacht. »Schaun wir mal.«
Er hat es so hoch gehängt, dass ich total nervös bin.
»Leighton, willst du meine Freundin sein?«
Oh.
Ich antworte nicht sofort. Wenn er sich der Antwort nicht sicher ist, dann ich noch viel weniger.
Ich sollte Nein sagen. Weil … wegen Gründen. Ich weiß, dass ich Nein sagen sollte. Es ist egoistisch, es nicht zu tun. Aber ich hab mich die letzten zwei Jahre so gefangen gefühlt und mit Liam hab ich plötzlich das Gefühl, ich selbst zu sein. Das Gefühl, wie ich sein könnte, wenn die Dinge anders wären.
Außerdem hat sich Liam McNamara gerade als kleines Kätzchen bezeichnet.
»Müssen wir denn unbedingt miteinander gehen? Eigentlich geht es mir nur um den Sex.«
Ich hab ein Date-Night-Bonuslevel gewonnen und der Preis ist, dass Liam laut losbrüllt vor Lachen.
»Nein, ernsthaft, Leighton.«
»Ernsthaft, Liam?«, frage ich. Ich küsse ihn auf die Wange. »Ja, ich will deine Freundin sein.«
»Heißt das, dass ich eine Begleitung für den Silvestertanz habe?«
»Du weißt schon, dass es nicht so heißt, oder?«
»Bedeutet das, dass wir zusammen auf den Winterball gehen?«
»Ja«, antworte ich, und erst, als ich es ausgesprochen habe, erinnere ich mich an mein Versprechen, das ich Sofia gegeben habe. Vielleicht hatte ich unrecht und ich hätte immer Ja zu Liam gesagt.
»Ich möchte dich unbedingt küssen«, flüstert er. »Aber geht gerade nicht.«
»Wieso nicht?«
»Weil du dann den besten Teil verpasst.«
Ich lege den Kopf an seine Schulter und wir schauen den Film. Es fühlt sich so normal an, so angenehm und noch so viel mehr, was ich seit Langem nicht kannte. Und alles beginnt und endet mit dem Gefühl, geborgen zu sein.
In diesem Moment bin ich das glücklichste Wesen der Welt.