Ich komme nach Hause, als mein Vater schon schläft, und verlasse es wieder, ehe er aufwacht.
Sofia und ich gehen ins Einkaufscenter und probieren die verrücktesten Sachen an, die wir finden können. Sofia stehen sie alle fantastisch, egal wie schrecklich die Farben an den Anziehpuppen aussehen. Ich dagegen habe das Gefühl, müde und blass zu wirken, was auch immer ich an Farben anprobiere. Und alles beißt sich mit dem unentschiedenen Rotblond meiner Haare. Es scheint, als ob gerade nur sämtliche Varianten von Neon in sind – was für Sofia und das Thema Achtzigerjahre perfekt ist, für mich aber nicht so toll.
Dann schiebt mir Sofia ein dunkles Teil in die Umkleidekabine. Das Kleid ist vorne tief ausgeschnitten und hinten noch mehr und der Rock schwingt genau richtig. Es hat Taschen. Das ganze Teil glänzt in Schwarz und ist einfach perfekt. Ich spüre, wie mein Herz höher schlägt vor Aufregung. Normale Dinge. Normale Dinge wie ein Ball, ein Kleid, ein Date.
Ich schaue auf das Preisschild und stoße einen langen, leisen Pfiff aus.
»Zeig dich mal«, ruft Sofia von der anderen Seite der Kabinentür. »Wehe, du ziehst es aus, bevor ich’s gesehen habe.«
Ich löse die Verriegelung der Tür und schwinge sie auf.
Sofia sieht mich an und hebt die Augenbrauen. »Wahnsinn.«
Ich verziehe den Mund. »Beides kann ich nicht bezahlen, Sofia.«
»Äh, Leighton. Das Kleid steht dir einmalig. Hast du keine andere Möglichkeit –?«
»Vielleicht, aber vielleicht auch nicht. Und sie braucht es jetzt, Sof.«
»Ja, ja, hab verstanden. Gehen wir.«
Sofia kann sich nicht entscheiden und kauft zwei Kleider in zwei fantastisch leuchtenden Farben.
Ich laufe zurück in den Sportwarenladen, durch den wir das Center betreten haben. Da steht es noch. Zum Sonderpreis, weil es draußen sowieso bald kalt wird. Ein fantastisches puderblaues Mädchenfahrrad. Mein gespartes Weihnachts- und Geburtstagsgeld von Nana hätte vielleicht für das Kleid gereicht oder für ein paar Lehrbücher nächstes Jahr. Oder aber ich kann davon das Fahrrad kaufen. Manches von dem, was ich in den letzten Jahren zurückgestellt habe, ist mir echt schwergefallen. Und neuerdings scheint es so, dass ich nicht Nein sagen kann, wenn es drum geht, Zeit mit Liam zu verbringen. Aber diese Entscheidung fällt mir kein bisschen schwer.
Als wir zu Hause vorfahren, hilft mir Sofia, das Rad im Vorgarten aufzustellen.
»Okay. Und jetzt hol Campbell«, sagt sie.
Ich ziehe Campbell vom Fernseher weg und halte ihre Augen mit meinen Händen zu.
»Leighton …«, jammert sie einmal, dann lässt sie sich aber hinausführen.
Als ich die Hände wegnehme, schweigt sie.
Ich schiebe sie nach vorn. »Und?«
Sie fährt mit den Fingern über den Lenker. Sie drückt leicht in den Sattel. Dann endlich schaut sie hoch.
»Danke, Leighton.«
Sie schlingt die Arme fest um mich und bringt ihre Gefühle auf ziemlich Campbell-unübliche Weise zum Ausdruck.
»Kein Problem, Cammy«, sage ich. »Und jetzt fahr schon los. Es friert bald, also sind deine Tage mit diesem Teil da ziemlich gezählt bis zum Frühjahr.«
Ich verabschiede mich von Sofia und gehe ins Haus. Als Campbell eine Stunde später zurückkommt, findet sie mich im Kleiderschrank. Nicht weil ich mich dort verstecke, sondern weil ich nach etwas suche. Nach einem Kleid.
Alles ist alt und passt nicht richtig.
Campbell hält mir eine Tüte mit dem Namen von dem Kleiderladen entgegen.
»Sofia hat gesagt, wenn du das nicht auf den Ball anziehst, kann sie nicht mehr deine beste Freundin sein.«