34. KAPITEL

Am Morgen, als ich die Treppe hinunterrenne, will ich es ignorieren. Ich will meine Augen so handeln lassen, dass sie einfach am Fenster vorbeigleiten, ohne das Fehlerhafte zu sehen. Ohne zu sehen, dass das Glas wieder im Fensterrahmen sitzt, völlig heil. Und ich schaffe es auch einen Moment lang. Es gelingt mir, nur das zu sehen, was ich sehen will, bis ich um das Geländer herumbiege und den Kaffeetisch sehe mit der Vase, die wieder mitten darauf steht.

Ich packe sie und renne hinaus zu den Mülleimern. Es regnet, aber das ist mir egal; ich nehme mir Zeit und drücke sie tief nach unten in die Tüte, in die ich gestern Nacht die Scherben gefegt habe.

Eine Krähe krächzt in dem Baum in unserem Vorgarten und ich schaue hoch.

Ich weiche einen Schritt zurück, als ich sehe, dass der Baum voll ist wie am ersten Tag nach den Schulferien. Nur dass jetzt, nachdem alle Blätter heruntergefallen sind, nur noch schwarze Vögel da sind.

Joe krächzt von dem untersten Ast und ich gehe zu ihm hinüber. Ich ziehe einen Zettel vor, den er unter seiner Kralle am Ast festhält, und entdecke darauf Junipers krakelige Handschrift.

Lieber Joe, bitte hilf uns.

Ich ziehe mich von dem Ast zurück, inzwischen klatschnass, und in meinen Augen sammeln sich Tränen. Joe flattert neben mir zu Boden, dann wieder zurück auf den Baum. Ich ignoriere ihn und starre auf Junies jüngste Botschaft.

Joe fliegt erneut herab und stößt gegen etwas im Gras.

Er hebt etwas Glänzendes in seinen Schnabel und hüpft auf mich zu, bis er nur noch wenige Zentimeter von meinen nackten, eiskalten Füßen entfernt ist.

Er lässt den Gegenstand fallen.

Ich fasse ins Gras und hebe einen Ehering auf. Den Ehering von unserem Dad. Wenn er arbeitet, steckt er ihn vorn in die Tasche des Portemonnaies.

Ich erinnere mich, wie er das Portemonnaie verloren hatte und Juniper ganz nass von draußen hereinkam. Und erst jetzt begreife ich, dass sie überhaupt nicht in seinem Truck gesucht hat. Sie war draußen, um nach Geschenken zu suchen.

Und dann ist sie mit dem Portemonnaie zurückgekommen.

Ich starre den Ring auf meiner Handfläche an.

Ich habe weiter mit dem Ornithologen gemailt, den ich interviewt hatte. Krähen sind wirklich außergewöhnlich kluge Wesen. Sie verstehen Wechselseitigkeit, wie zum Beispiel für Juniper Geschenke dazulassen im Austausch gegen Nahrung. Wie zum Beispiel ihr Lederarmband zurückzubringen, das sie verloren hatte.

Sie verstehen auch Vergeltung. Sie können nachtragend sein.

Ich frage mich, was die Krähen in Bezug auf unser Haus verstehen. Ich frage mich, was Joe begreift.

Vielleicht haben die Krähen das Portemonnaie dort gefunden, wo es aus der Tasche fiel, und es irgendwie bewusst Juniper zurückgegeben.

Oder vielleicht hatten es die Krähen ja auch geklaut.