Meine Boots sind von Schlamm, Blut und Eis befleckt. Die Luft ist so kalt, dass es bei jedem Atemzug in der Lunge wehtut. Mir war klar, dass es bei einer Krähenjagd tote Krähen geben würde, aber sie als Strecke ausgelegt zu sehen ist noch mal etwas anderes. Erstarrt in ihrer Machtlosigkeit gegenüber dem Sterben.
Es sind so viele.
Sie haben die Vögel zu der Zahl arrangiert, die sie getötet haben. Die Zahl 32 wird von zweiunddreißig Vogelkadavern gebildet. Federn liegen in seltsamen Winkeln am Körper, die Augen jetzt ohne den Schimmer von Klugheit, den ich immer auf mir ruhen spüre, wenn ich in der Stadt bin. Manchmal scheint es, als ob die Krähen nicht Tausende einzelne Vögel wären, sondern ein Wesen, das irgendwie nur in Tausenden Körpern lebt.
Ich lese die Zahlen, als ich an ihnen vorbeigehe.
57.
82.
154.
Ich male mir die Vogelperspektive aus. Von oben würde das Feld toter Vögel wie die Seite einer Mathe-Hausaufgabe von einem Kind wirken. Genau das, was die lebenden Krähen jetzt auch sehen. Ich komme mir albern vor, als ich das denke. Die Krähen kümmert es nicht. Doch plötzlich muss ich an Joe und seine Geschenke denken und ich erinnere mich, wie Dr. Cornell sagte, dass Krähen trauern. Und ich frage mich, ob es die Krähen doch kümmert.
Ich frage mich, ob sie sich an das Verbrechen erinnern werden.
Ich hatte nicht gedacht, dass mich die Jagd so fertigmachen würde, doch es sind ihre kleinen Körper, zu Zahlen zusammengelegt, die mich entsetzen. Es wirkt fast pervers. Wie eine Parodie des Todes. Und auch wenn es nur Vögel auf dem Feld sind, sehe ich Mädchen in einem Kriechraum vor mir.