41. KAPITEL

Meine Schwestern und ich liegen in einem Kokon aus Decken auf meinem Bett. Wir haben Thanksgiving überstanden, ohne dass etwas passiert ist, und an diesem Wochenende muss er zu einem weiteren Job außerhalb der Stadt, deshalb bleiben wir lange auf und planen unsere zwei perfekten Tage. Unsere langen Haare hängen in einem dreifachen Wasserfall über den Rand der Matratze.

»Für morgen brauchen wir einen Filmmarathon«, sagt Campbell eng an mich gekuschelt. »Ist die ideale Jahreszeit dafür. Warme Decken. Jede Menge Junkfood.«

»Super Idee«, antworte ich. »Und was sollen wir gucken?«

Juniper fängt an, Filme vorzuschlagen, mit dem Gesicht halb unter der Decke versteckt, weshalb ihre Stimme ganz gedämpft klingt. Es ist eiskalt im Zimmer. In den letzten Wochen war das Geld mal wieder extrem knapp. Wir sehen den Beweis in unregelmäßigeren Fahrten zum Supermarkt und daran, dass die Heizung aus ist. Ich bin versucht, die Lampe zu holen, widerstehe aber. Die Lampe erzeugt zwar für ihre Größe ganz schön viel Wärme, aber das Öl wird nicht ewig reichen und wir sollten ein bisschen was für weniger friedliche Nächte aufheben. Langsam wird es zu kalt auf dem Bau, was bedeutet, unter dem Druck, im Haus gefangen zu sein – und das bei geringem Verdienst –, wird das ein stressiger Winter.

Deshalb werden wir das Wochenende genießen, solange es anhält.

»Oh, ich hab’s«, sagt Cam. »Der Herr der Ringe: Die Gefährten, Die zwei Türme, Die Rückkehr des Königs. Wenn wir nachmittags anfangen, schaffen wir alle drei.«

»Snacks?«, frage ich jetzt, nachdem die Filme entschieden sind, und die Mädchen schreiben eine Liste, die zumindest in Bezug auf das Verhältnis von süß und salzig sehr ausgewogen ist.

Unter dem Klang ihrer fröhlichen Stimmen döse ich vor mich hin, bis ich plötzlich einen vertrauten Namen höre.

»Was ist?«

»Ich hab gefragt, ob nicht Liam zu unserem Filmtag dazukommen kann«, sagt Campbell.

»Ach so«, stammle ich auf der Suche nach einem überzeugenden Argument, ihn nicht einzuladen. »Unsere Filmmarathons sind doch irgendwie heilig. Wir können keine Jungs dabeihaben.«

»Ein Juuuunnngggeee«, tiriliert Julie neben mir.

Ich kitzle sie, bis sie droht, in mein Bett zu machen.

»Ich will ihn aber kennenlernen«, beharrt Cam ein paar Minuten später. »Du weißt doch, irgendwann werden wir sowieso mit ihm rumhängen müssen. Wenn wir ihn also nicht mögen, was dann?«

Die Mädchen kichern weiter, aber Campbell hat damit nicht unrecht.

Wenn Mom oder meine Schwestern ihn nicht mögen – oder wenn Liam nicht über die schlimmen Dinge bei uns hinwegsehen kann und nicht erkennt, wie viel Liebe wir eingerollt in unseren Herzen besitzen –, wahrscheinlich vergeude ich dann nur meine Zeit mit ihm.

»Okay, okay, ich werde Mom fragen«, sage ich.

Wenn ich Liam wirklich einlade, bedeutet das, dass meine beiden Welten plötzlich doch aufeinandertreffen werden. Das ist ein beängstigender Gedanke, aber es ist ein gutes Wochenende dafür. Schön still – und er fort auf Arbeit.

Ich schlafe unter dem Flüstern von Campbell und Juniper ein und denke nicht ein Mal an den Kriechraum.