Als wir aufwachen, ist alles, was letzte Nacht kaputt war, nicht mehr kaputt. Aber diesmal weiß ich, dass auch Mom es bemerkt, denn als wir nach unten kommen, fährt sie mit der Hand über das Glas, das wieder sauber in den Bilderrahmen steckt, und die Stelle an der Wand, wo die Vase nah an meinem Kopf eingeschlagen ist.
Es ist ein stilles, langes Wochenende.
Er gibt ihr die Schlüssel nicht zurück.
Er erlaubt nicht, dass wir das Haus verlassen.
Er hat das Telefonkabel ständig bei sich.
Diesmal ist mir nicht danach, ihn zu provozieren. Diesmal bin ich nicht furchtlos. Ich fühle mich machtlos.
Am Sonntagnachmittag arbeite ich in meinem Zimmer an meiner letzten Krähenkolumne. Es geht um die Gemeinderatssitzung und das letzte Stück Krähenlegende – die Morrígan. In der keltischen Mythologie war sie die gestaltwandelnde Göttin des Krieges, des Schicksals und des Todes. Meistens wurde sie als Krähe beschrieben, die über die Schlachtfelder flog und nach den Toten schrie. Manchmal wurde sie als Prophetin des Todes gesehen, die auf den Schultern derer landete, die bald ihrem Schicksal erliegen würden.
Ich lese gerade noch einmal alles gründlich durch, als sich ein Schatten über meinen Schreibtisch legt. Mein Zimmer bleibt dunkel, und als ich nach draußen schaue, seh ich den Grund – Krähen überziehen den ganzen Himmel. Dunkel wie Gewitterwolken, so dicht, dass sie die Sonne verdecken.
Ich öffne das Fenster und sehe ihnen beim Fliegen zu.
Der Gemeinderat von Auburn hat für die Bereitstellung mehrerer Tausend Dollar gestimmt, um Experten zu holen, die bei der Vertreibung der Vögel helfen sollen. Sie sollen gleich nach Neujahr mit ihrer Arbeit beginnen, also haben die Krähen nur noch wenige Wochen.
Es kommt ein Wind auf, er trifft einen Stapel Papier auf meinem Schreibtisch, sodass die Blätter in alle Richtungen flattern. Ich schlage das Fenster zu und drehe mich ins Zimmer, um das Chaos in Ordnung zu bringen.
Ein vertrauter rosa Flyer liegt vor mir auf dem Boden. Der Wettbewerb für das Stipendium. Die Deadline ist morgen um Mitternacht. In Auburn geboren. Stolz auf Auburn.
Hier ist, was ich über Stolz weiß. Ich weiß, dass er die Geheimnisse grausamer Männer bewahrt. Ich weiß, dass er uns im Schatten hält, weil wir zu stolz sind zuzugeben, dass wir Hilfe brauchen. Ich weiß, dass Stolz den Ruf eines Mannes über das Leben einer Frau stellt. Stolz nennt Frauen egoistisch, wenn sie den Mund aufmachen, selbst wenn sie die Wahrheit sagen. Gerade dann.
Und hier ist, was ich über Auburn weiß. Ich weiß von panischem Klopfen nachts an Türen, das ignoriert wird. Ich weiß von Männern, die wegschauen, wenn ihr Freund das Problem ist. Ich weiß ganz genau, wie einfach es für die Leute hier ist, bei einem Footballspiel wegzugucken und sich mit dem hohlen Gefühl zu trösten: Das geht uns nichts an.
Denn Auburn ist eine Stadt, in der die Menschen nur sehen, was sie sehen wollen.
Auburn ist eine Stadt, wo die Menschen nichts sehen.
Deshalb beginne ich mit der Formulierung meiner These. Dem wahrsten Satz, den ich kenne. Und jedes Wort, das folgt, muss diese Behauptung stützen.
Es sind nicht die Krähen, die Auburn hässlich machen.