Einen Tag bevor die Winterferien beginnen, ruft mich Mrs Riley aus der Kunststunde. Ich soll ins Zeitungsbüro kommen. Sie lächelt, als wir eintreten, sagt dann aber gleich, dass ich die Tür hinter mir schließen soll, und ich bin schon nervös, ehe sie ein Wort gesagt hat.
»Das also ist die Situation«, kommt sie ohne jede Vorrede auf den Punkt. »Der Gemeinderat hat sich für deinen Aufsatz entschieden.«
»Was, das ist ja –« Super. Der Wahnsinn. Das bedeutet fünftausend Dollar. Das ist ein großer Kieselstein.
»Moment.« Mrs Riley hebt die Hand. »So einfach ist es nicht. Sie geben dir das Stipendium, aber sie weigern sich, dass dein Aufsatz in der Auburn Gazette erscheint.«
Ich setze mich auf den Stuhl vor ihrem Schreibtisch.
»Aber wieso sollten sie das verweigern?«
»Sie scheinen wirklich zu glauben, dass du das Geld aus dem Stipendium verdient hast. Sie waren von Aufsatz und Thema beeindruckt. Genau wie ich übrigens, als sie mir eine Kopie geschickt haben, Leighton. Aber sie wollen ihn nicht drucken. Sie haben ihn als belastendes Indiz bezeichnet.«
»Belastend gegen wen?«
»Nun, sie haben unterstellt, wenn er gedruckt würde, könnte das gefährlich sein für dich … für deine Familie. Aber Leighton, wir wissen doch beide, dass es auch ein Indiz gegen die Stadt ist.«
Ich schaue aus dem Fenster neben mir und sehe, dass draußen Joe sitzt, keine zwei Meter von mir entfernt. Das eine große schwarze Auge ist auf mich gerichtet, so als ob er Bescheid weiß. Als ob er wartet, was ich tun werde. Er läuft auf dem Fensterbrett. Er tritt auf dem Fenstersims rum und zupft an den grauen Federn an seiner Seite.
Sein Schnabel geht auf, doch der Wind trägt den Ton fort. Er schreit, aber niemand kann ihn hören.
Er könnte genauso gut still sein.
Ich drehe mich wieder zu Mrs Riley um.
»Sagen Sie ihnen, sie sollen es anonym veröffentlichen.«
Sie lehnt sich auf ihrem Stuhl zurück. »Ich weiß nicht …«
»Dann ist es kein Indiz gegen mich. Nur ihnen selbst gegenüber. Und wenn sie sich immer noch weigern, dann wissen wir zumindest, dass es nicht bloß darum ging, mich zu schützen. Wenigstens hab ich dann alles versucht.«
»Aber das ist dein Aufsatz, Leighton, du hast die Anerkennung dafür verdient.«
»Ich werde … keine Ahnung, ich werde ihn meinen Uni-Bewerbungen nachreichen. Ich werde versuchen, ob die New York University mir erlaubt, einen aktualisierten Aufsatz zu meiner Person nachzureichen. Ich werde ihn auf andere Weise verwenden. Ich glaube aber immer noch, dass er hier ohne meinen Namen veröffentlicht werden sollte. Denn ich habe ihn für Auburn geschrieben.«
»Okay, ich werde sie fragen«, sagt Mrs Riley.
»Danke.«
Als ich mich wieder zum Fenster umdrehe, ist Joe verschwunden.