67. KAPITEL

Ich bitte Liam, mich früher nach Hause zu fahren, noch vor dem Feuerwerk. Feiertage waren immer schwer für uns, deshalb haben Campbell, Juniper und ich uns unsere eigenen Traditionen geschaffen. In der Silvesternacht setzen wir uns auf das Dach vor meinem Fenster und schauen zusammen das Feuerwerk über Auburn an. Und ich werde das auch diesmal nicht versäumen.

Wir halten am Ende meiner Straße bei den Briefkästen.

Liam steigt aus dem Auto und öffnet mir die Tür.

»Schöne«, sagt er.

Deshalb küsse ich ihn. Mein Gesicht und mein Hals sind kalt, aber Liams Lippen sind warm.

Wie alle Bäume in Auburn sind auch die um uns herum von Krähen besetzt. Und ich kann hören, wie sie sich auf den Ästen bewegen. Heute Abend sind sie extrem unruhig, sie bewegen sich hin und her, krächzen, flattern von den Bäumen auf und wieder zurück. Der Himmel über ihnen wirkt wie ein Vergrößerungsglas, das auf uns gerichtet ist, da, wo wir stehen. Die Nacht ist so klar und die Milchstraße zieht sich wie ein Fluss über den Himmel.

Einen Augenblick lang ist es, als ob außerhalb dieses Moments nichts existiert. Es gibt nur Liam und mich, die Bäume und den Nachthimmel.

Die Welt dreht sich um uns herum.

Und die Worte steigen von selbst in mir hoch, schnell und ohne Mühe, wie Luft. Worte, die unsichtbar an dem Ding in meiner Brust vorbeijagen, bevor es sie erwischen kann, taumeln aus mir heraus, bevor ich zum Nachdenken komme: »Ich liebe dich.«

Es fühlt sich gut an. Und richtig. Liams Arm spannt sich um meinen Körper. Er zögert keine Sekunde.

»Erzähl mir was, das ich nicht weiß«, sagt er und stiehlt sich zwei, drei weitere Küsse, die sich so warm anfühlen wie die Sonne.

»Aber keine Versprechungen«, ergänze ich.

»Ganz wie du willst, Barnes«, sagt Liam und zieht mich eng an sich.

Die Sterne allein sind Zeugen des riesigen Lächelns auf meinem Gesicht.

Na gut, die Sterne und die Krähen.

»Keine Versprechungen«, wiederhole ich.