Die Rehabilitation nach einer Hüftoperation

Schon vor der Operation haben die Schmerzen und die Schonhaltung eine Reihe von Veränderungen an der erkrankten Hüfte, aber auch am betroffenen Bein und letztlich am ganzen Körper bewirkt:

Nach dem Einbau einer Hüftprothese sind diese Krankheitsfolgen nicht verschwunden. Die Rehabilitation bietet aber die Möglichkeit, solche Einschränkungen oder Nebenwirkungen effektiv und schnell zu heilen – oder wenigstens zu kompensieren.

INFO

Mit Sicherheit leistungs fähig

Das Ziel einer effektiven Rehabilitation ist die schnellstmögliche Wiederherstellung der Funktions- und Leistungsfähigkeit eines Patienten, verbunden mit dem größtmöglichen Maß an Sicherheit.

Ambulante, teilstationäre oder stationäre Rehabilitation?

Zu Hause ist es am schönsten: die ambulante Rehabilitation

Vorteile der ambulanten Therapie sind die kompakte Therapiedauer und die Wohnortnähe. Der Kontakt zum Hausarzt oder Orthopäden garantiert eine gute Betreuung. Da nur ein Teil des Tages für die Rehabilitation verbraucht wird, bleiben für Haushalt, Arbeitserprobung und Familie genügend Zeit. Damit ist die berufliche und familiäre Integration gewährleistet. Selbstständige haben die Möglichkeit, einen Teil der Büroarbeit abends zu erledigen.

Genau hier liegen jedoch auch die Nachteile:

Halb und halb: die teilstationäre Rehabilitation

Bei der teilstationären Rehabilitation werden die Vorteile der ambulanten Rehabilitation mit einer Unterbringung des Patienten während des Tages in der Klinik verbunden. Der Patient durchläuft die gleichen Therapien wie bei der stationären Behandlung, kann jedoch zu Hause schlafen.

Das Trainingsprogramm kann gezielter und wirkungsvoller als ein ambulantes Programm gestaltet werden, da die notwendigen Ruhepausen integriert werden können. Damit ist ein wissenschaftlich gesicherter Trainingseffekt möglich. Alltagsverrichtungen für die Nahrungsaufnahme am Mittag (Einkaufen, Kochen) fallen weg. Eltern mit Kindern oder Angehörige von pflegebedürftigen Personen können abends die häusliche Betreuung weiterführen.

Nachteilig sind jedoch auch hier die Anfahrtswege, die nicht behindertengerechte Gestaltung der eigenen Wohnung und die fehlende medizinische Betreuung abends und nachts.

Heilen in der Obhut: Die stationäre Rehabilitation

In der Rehabilitationsklinik ist die Umgebung behindertengerecht, sodass die Gefahr von Stürzen, Hüftluxationen usw. verringert wird. Ein zusätzlicher Vorteil ist die Unterstützung durch das ständig präsente Therapeutenteam (Schwester, Arzt, Psychologe, Therapeut). Die ärztliche Betreuung (Medikamente, Thrombosespritzen) und therapeutische Hilfen (Wärmeanwendungen, Kaltlufttherapie, Motorschiene, Lagerung usw.) sind somit auch abends und nachts gewährleistet.

Dadurch kann der Krankheitsverlauf kontinuierlich überwacht und eine Veränderung des Befundes schnell erkannt werden. Durch die ständige Kooperation der Patienten mit dem Pflegepersonal, den Ärzten und Therapeuten ist gewährleistet, dass schon in Verdachtsfällen einer Komplikation eine schnelle Abklärung erfolgen kann.

Stresseffekte durch Haushalt und Alltag fallen weg. Auch sehr ehrgeizige und hektische Patienten sind gezwungen, die notwendigen Regenerationsphasen einzuhalten. Eine gesundheitsorientierte Kost kann einen Diabetes mellitus, starkes Übergewicht, eine Gicht usw. günstig beeinflussen.

Der richtige Zeitpunkt

Im Allgemeinen wird mit der Rehabilitation nach der Wundheilung und dem Entfernen der Fäden begonnen. Je nach vorhandenen Defiziten und Nebenerkrankungen, die auf die Trainierbarkeit und Leistungsfähigkeit in der Rehabilitation Einfluss haben, dauert diese Maß nahme zwischen drei und fünf Wochen.

In der Rehabilitation sollte ein annähernd tägliches Therapieprogramm erfolgen mit

Gleichzeitig müssen die Wunde regelmäßig kontrolliert, bei Beinschwellungen eine Thrombose ausgeschlossen, bei Schmerzen die weitere Diagnostik und eventuell medikamentöse Behandlungen angewendet, die Beweglichkeit der Hüfte gemessen und die Patienten mit der täglichen Antithrombosespritze versorgt werden.

Wiederaufbau der Muskulatur durch Therapie

Wenn ein Bein nicht belastet werden kann – aber auch wenn Schmerzen oder Bewegungseinschränkungen das normale Gehen erschweren – verlieren die Muskeln des betroffenen Beins schnell Substanz. Dieser Kraftverlust beträgt etwa fünf bis zehn Prozent pro Woche. Bei Hüftpatienten sind vor allem die hüftnahen Muskeln, die den Körper beim Gehen und Stehen stabilisieren, betroffen. In der Rehabilitation kann durch ein gezieltes Muskelaufbautraining die Muskelkraft wiederhergestellt werden. Allerdings dauert es sechs- bis achtmal so lange, einen abgeschwächten Muskel wieder aufzubauen. Eine Woche Bettruhe erfordert folglich ein Muskeltraining für fast zwei Monate. Es sollte daher nach einer Operation so früh wie möglich mit dem Muskelaufbau begonnen werden. Dies ist schon im Bett durch regelmäßiges Anspannen der Muskeln (isometrische Übungen), im optimalen Fall auch unterstützt durch eine elektrische Muskelstimulation, möglich. Selbst wenn nur das »gesunde« Bein intensiv trainiert wird, ist ein Kraftzuwachs am operierten Bein festzustellen.

Der Muskelaufbau kann unter Anleitung der Therapeuten fortgeführt werden, wobei Übungen mit Trainingsbändern, Gewichtsmanschetten und anderen kleinen Hilfsmitteln effektiv sind. Im weiteren Verlauf können auch Übungen an Kraftmaschinen durchgeführt werden, vorausgesetzt, diese Apparate haben von der Sitzposition, dem Hebelverlauf und von der Gewichtsbelastung her keine schädigende Wirkung auf die Hüfte.

Da die Kraftausdauer eines Muskels am schnellsten verloren geht, ist es in der Rehabilitation sinnvoll, vor allem Übungen mit kleinen Gewichten (zur Schonung der Gelenke) und ansteigenden Wiederholungszahlen durchzuführen. Ein Gewichtstraining mit zwei- oder dreimal 15 Wiederholungen bildet den Anfang, es kann im Laufe der Tage auf 20 oder sogar 25 Wiederholungen erhöht werden, während das Gewicht gleich bleibt.

MERKE

Erholungsphasen sind wichtig

Nicht während des Trainings, sondern in der anschließenden Erholung wächst der Muskel.