Während die Elite der Interdependenz ihre Pläne schmiedete, die Normalbürger ihrem Schicksal zu überlassen, wurde den Normalbürgern allmählich klar, worin dieses Schicksal im Einzelnen bestehen würde.
Dazu sollte man vorausschicken, dass die Normalbürger der Interdependenz keineswegs Dummköpfe waren. Sie waren vielmehr die höchstgebildeten und materiell am besten versorgten Normalbürger, die jemals gelebt hatten, in welcher menschlichen Zivilisation auch immer, bis zurück zu der Zeit, als die ersten Menschen beschlossen, dass es einfach nur nervte, ständig durch die afrikanische Landschaft zu streifen, weshalb sie künftig an einem festen Ort leben wollten.
Dass die Bevölkerung der Interdependenz nicht aus Dummköpfen bestand, hatte im Wesentlichen zwei Gründe. Der erste war, dass die überwiegende Mehrheit der vielen Milliarden Seelen der Interdependenz entweder in Städten lebte, die man in den Boden ansonsten unbewohnbarer Planeten gegraben hatte, oder in Habitaten, die im Weltraum schwebten. Für beide Arten von Lebensumfeld galt, dass ein großer Anteil von ungebildeten und unzivilisierten Personen in der Bevölkerung ein allgegenwärtiges Sicherheitsproblem für alle anderen wäre.
Der zweite Grund war, dass der herrschenden Klasse der Interdependenz finanzielle und soziale Stabilität lieber waren als die Option, sich bei jeder sich bietenden Gelegenheit vom Lumpenproletariat den Kopf abreißen zu lassen, weshalb sie als grundlegenden Lebensstandard der Interdependenz ein Niveau vorzog, auf dem niemand verhungerte oder obdachlos war oder an leicht zu heilenden Krankheiten starb oder bankrott ging, wenn jemand einen Herzinfarkt hatte oder den Job verlor oder beides.
Aus diesen Gründen gab es in der Interdependenz keine »Armen« und keinen »Pöbel«, wie die Eliten früherer Kulturen diesen Begriff verstanden hatten. Das war großartig, wenn man das Ziel verfolgte, eine riesige Bevölkerung, die sich über einen etliche Billionen Kilometer umfassenden Raum verteilte, tagtäglich einigermaßen bei Laune halten wollte. Allerdings war es nicht so großartig, wenn man diese mehreren Milliarden Menschen zum Beispiel im Ungewissen lassen wollte, dass sich die Zivilisation dem Ende zuneigte und all diesen Bürgern, falls nichts unternommen wurde, höchstwahrscheinlich ein langsamer Hungertod bevorstand.
Sie wussten davon. Sie wussten es, weil die Wissenschaftler, die die Daten analysierten, die Jamies und Marce Claremont und Hatide Roynold gesammelt hatten, größtenteils der Mittelschicht und der Arbeiterklasse der Interdependenz entstammten und ihre Daten und Informationen untereinander austauschten. Sie wussten es, weil die Besatzungen der Schiffe, die die Ströme befuhren und sich bei den Gilden verdingt hatten, die von den Adelsfamilien geführt wurden, ebenfalls der Mittelschicht und der Arbeiterklasse entstammten. Sie wussten es, weil die Journalisten der Interdependenz ebenfalls diesen Schichten angehörten. Und sie wussten es, weil Imperatox Grayland II., die ihr früheres Leben als Kind einer Akademikerin verbracht hatte, in ihrer Weisheit oder Naivität (oder beidem) beschlossen hatte, die Wahrheit über den drohenden Kollaps der Ströme an die Öffentlichkeit dringen zu lassen.
Sie wussten es, und sie wussten es sogar schon recht früh.
Aber was machten sie mit diesen Informationen?
Viele Leute schauten nach, wann ihr eigenes System völlig vom Rest der Interdependenz abgeschnitten sein würde, und gelangten zu der Feststellung, dass ihnen allen noch genug Zeit blieb und bis dahin vermutlich irgendjemand eine Idee hätte, was zu tun war, um sich dann wieder ihren alltäglichen Beschäftigungen zu widmen, nur mit ein klein wenig mehr Besorgnis als zuvor. Die Ehrgeizigeren organisierten Demonstrationen und Konferenzen und formulierten eindringliche Sendschreiben an die Parlamentsabgeordneten ihrer Planeten oder Systeme, in denen unmissverständlich klargestellt wurde, dass etwas getan werden musste, denn dafür hatten sie ihre Abgeordneten gewählt. Dann gingen auch die meisten von diesen Leuten zum Alltag über, während sie sich dachten, dass sie immerhin etwas getan hatten.
Eine andere Gruppe, die man wohlwollend als Unternehmer bezeichnen könnte – oder weniger wohlwollend als Gauner –, erkannte im Ende der Welt eine gute Gelegenheit, Geschäfte zu machen, und wandte sich den besonders Furchtsamen, Besorgten und Untröstlichen zu. Das lief so ab, wie es für gewöhnlich ablief.
Die Vertreter einer recht kleinen Gruppe schauten sich die Ströme an, die weiterhin offen waren, erkannten, wie lange es dauern würde, bis es unmöglich wäre, ein Schiff nach Ende zu erwischen, und schmiedeten Pläne, ein solches Schiff im letztmöglichen Moment oder kurz davor zu erwischen, während sie die ganze Zeit Geld sparten. Ihre kluge Voraussicht wurde von dem Umstand zunichte gemacht, dass diese Leute ihre Reservierung (die komplett im Voraus zu bezahlen war) üblicherweise nicht in dem Moment machten, als sie darüber nachdachten. Denn wenn sie endlich doch dazu kamen, stellten sie fest, dass sämtliche Passagierkapazitäten bereits vor Jahren reserviert worden waren, und das zu exorbitanten Preisen. Schließlich war es inzwischen so, dass ein Schiff, das nach Ende flog, für immer im Ende-System bleiben würde. Diese Leute hatten ihre Fluchtchance bereits verpasst, und sie schienen es nicht einmal zu wissen. Wahrscheinlich hätten sie es sich ohnehin nicht leisten können.
Auf der lokalpolitischen Ebene stellten Regierungen und die dazugehörigen Organisationen, die sich aus den nichtadligen Klassen rekrutierten, Komitees und Arbeitsgruppen zusammen, die sich mit dem bevorstehenden Kollaps der Ströme und der Frage beschäftigen sollten, was das für ihre Habitate und Städte bedeutete. Ihr besonderes und überwiegendes Augenmerk galt der Frage, was mit den Waren geschehen würde, auf die ein auswärtiges Adelshaus das Monopol hatte.
Als weniger lebenswichtiges Beispiel seien Zitrusfrüchte genannt, die das Monopol des Hauses Lagos waren. In jedem System wurden die Früchte von einheimischen Lizenznehmern angebaut und verkauft, die ihren Anteil am Gewinn behielten und den Rest an das Haus Lagos überwiesen. Für den Fall, dass ein Lizenznehmer nicht bereit war, die Nutzungsgebühr zu entrichten, oder seinen Job so schlecht machte, dass er überhaupt keinen Gewinn erzielte, waren sämtliche Lagos-Früchte genetisch so kodiert, dass sie nach einigen Generationen keine Erträge mehr abwarfen – wobei die genaue Anzahl der Generationen festgelegt wurde, bevor die Pflanzen oder das Saatgut ausgeliefert wurden.
Falls der Lizenznehmer nicht zahlte, wurde sein Bestand nutzlos. Die Samen waren unfruchtbar, Veredeln und Klonen funktionierten nicht. Wenn jemand glaubte, man könnte die Pflanzen ganz einfach rückzüchten, nun gut, so etwas kann man versuchen, und viel Glück dabei! Man sollte sich allerdings vor Augen halten, dass das Haus Lagos seine Pflanzen buchstäblich seit Jahrhunderten genetisch verändert und optimiert hatte, und zwar in besonderem Hinblick auf die Erhaltung seines Monopols. Wenn man auch nur eine Zitrone neu züchten wollte, würde es vermutlich Jahrzehnte dauern.
Und nun multiplizieren wir dieses Problem mit allem, was Menschen im Allgemeinen essen, einschließlich der Grundnahrungsmittel.
Das war das Problem.
Es war nicht so sehr ein Problem, wenn man die Zielsetzung verfolgte, alle von Menschen besiedelten Systeme zu einem Netzwerk wechselseitiger Abhängigkeit zu verflechten, angeblich zu Verringerung der Gefahr von interstellaren Kriegen oder Handelskonflikten, aber hauptsächlich, damit eine kleine Anzahl von Familienunternehmen vom Rest der Menschheit auf ewig Lizenzgebühren kassieren konnte. Doch als absehbar wurde, dass all diese Systeme demnächst auf sich selbst gestellt sein würden, möglicherweise für immer, wurde es zu einem sehr großen, sehr bedrohlichen Problem.
Die Lokalpolitiker hatten den Vertretern der Handelshäuser bereits Angebote hinsichtlich ihrer Monopole unterbreitet. Die übliche Antwort der Häuser lautete in etwa: Ach so, ja, wir werden uns darum kümmern, aber wir haben noch viele Jahre, um an diesem Problem zu arbeiten, also sollten wir nichts Unüberlegtes tun.
Was konkret bedeutete, dass die Monopolisten ihre Geschäftspartner aus Eigennutz hinhielten. Die Lokalpolitiker hingegen wollten keine Panik schüren, bevor es sich nicht mehr vermeiden ließ, und sprachen außerhalb ihrer Komitees und Arbeitsgruppen nicht darüber.
Andererseits war es keineswegs so, dass die Normalbürger keine Ahnung hatten.
Einige von ihnen, die etwas ehrgeiziger waren, wenn man es so bezeichnen wollte, hatten bereits damit begonnen, den Warenterminmarkt zu bearbeiten, und setzten auf den Preis für Zitronen, Weizen, Rindfleisch und alle möglichen sonstigen Waren unter den diversen Sonnen. Andere, die ähnlich ehrgeizig waren, dachten sich, dass die Monopole der Adelsfamilien zusammenbrechen würden, was die Verfügbarkeit dieser Waren reduzieren würde.
Manche von diesen Leuten wurden unermesslich reich, soweit Geld in dieser Endzeit noch etwas bedeutete, während andere vermutlich eine passende Luftschleuse aufsuchten, um ihr selbstverursachtes Leid zu beenden. Ihre Meinungen unterschieden sich darin, was wie beurteilt werden sollte. So war das im Kapitalismus.
Die meisten anderen, die überhaupt vorausdachten, nahmen sich lediglich vor, bestimmte Lebensmittel zu horten. Wie viel? Für einen Monat, ein halbes oder ein ganzes Jahr, je nach verfügbarem Lagerraum und individuellem Pessimismus. Die meisten dieser Hamsterer hatten die Idee im Kopf, dass die Krise wahrscheinlich vorübergehend war und irgendwer irgendwo eine Möglichkeit finden würde, Milliarden davor zu bewahren, in den Habitaten, die zunehmend der Entropie zum Opfer fallen würden, den Hungertod zu sterben. Jede andere Einschätzung warf die Frage auf, warum man sich überhaupt die Mühe machen sollte, Vorräte anzulegen.
Wenn man wirklich verstehen wollte, wo die Unter- und Obergrenze von »Wir sind alle so richtig im Arsch« lag, sollte man sich nicht unbedingt anschauen, wie die unteren Klassen in der Interdependenz reagierten, sondern eher, was die Banken taten. Die Strategie der Banken bestand darin, so leise wie möglich und ohne allzu viel Aufhebens ihre finanziellen Instrumente und Dienstleistungen umzustrukturieren, um den kurzfristigen Gewinn zu maximieren und langfristige Risiken und Belastungen zu minimieren.
Was einerseits äußerst klug war, aus finanztechnischer und treuhänderischer Sicht betrachtet. Die Interdependenz würde demnächst in eine neue und völlig unerwartete Phase der Veränderungen eintreten. Banken waren von Natur aus konservative Unternehmen – was bereits im Namen steckte –, also war es durchaus vernünftig, sich gegen Unsicherheiten zu wappnen.
Andererseits bedeutete es, dass das Geld über die Zukunft abgestimmt hatte, und das Votum lautete, dass es sich verknappen würde.
(Dann war da noch der Umstand, dass die Banken ihre Vermögenswerte allmählich nach Ende transferierten. Auch darum machten sie kein Aufhebens – dazu bestand gar kein Grund, da für Ende die gleichen finanziellen Regeln und Einschränkungen galten wie für die übrige Interdependenz. Außerdem war »Geld« ohnehin ein sehr abstruses Konzept, so dass es kaum eine Rolle spielte, wo man diese Vermögenswerte verortete – was wiederum ein Votum für sich war.)
Die meisten dieser Bankaktivitäten fanden wie beabsichtigt unter dem Radar des Normalbürgers statt. Der Normalbürger begrüßte vielleicht die etwas höheren Zinsen für sein Sparkonto (was ihn davon abhalten sollte, seine Einlagen kurzfristig zu liquidieren), und jene mit langfristigen Verbindlichkeiten gerieten möglicherweise in Versuchung, das Angebot anzunehmen, sich auf kurzfristigere Kredite umzuschulden, bei denen bestimmte Gebühren erlassen wurden und die Zinsen mit den langfristigeren Anleihen konkurrenzfähig waren.
Ansonsten ging alles seinen gewohnten Gang. Schließlich hatten die Banken nichts davon, Panik auszulösen. Sie wollten sicherstellen, dass ein Großteil ihres Vermögens möglichst weit entfernt war, wenn die Panik unweigerlich eintrat. Die Menschen und ihre Regierungen hätten dann wesentlich größere Sorgen als die Frage, ob die Banken einen Teil ihrer Sparanlagen auszahlen konnten, falls überhaupt, wenn schließlich alles den Bach runterging.
Doch wie sah es im Parlament der Interdependenz aus, der erlauchten Körperschaft, der Imperatox Grayland II. sechs Monate Zeit gegeben hatte, um einen Plan zur Bewältigung des Kollapses der Ströme vorzulegen? Was tat sich im Haus der Volksvertreter?
Es wäre unfair zu behaupten, wie sowohl Nadashe Nohamapetan als auch Graylands Analytiker nahegelegt hatten, das Parlament würde das Problem lediglich vertrödeln, bis Grayland es ihnen irgendwann wegnahm und es dann ihr Problem sein würde. Das Parlament hatte tatsächlich seine besten Minister und Berater zusammengerufen, um das Ausmaß der Krise einzuschätzen und Vorschläge zu machen, mit denen das Parlament in seiner Gesamtheit arbeiten konnte. Das Problem des Sonderkomitees für die Krise der Ströme (wie es sich selbst bezeichnete) bestand darin, dass es zu den gleichen Schlussfolgerungen gelangt war wie alle anderen, die sich damit beschäftigten: Die große Mehrheit der Menschen, die in der Interdependenz lebten, waren hochgradig geliefert, und es bot sich keine leichte oder bequeme Lösung für sie an.
Damit stellte sich die Frage: Was hatte das Parlament davon, wenn es der Überbringer einer solchen schlechten Nachricht war?
Das war keineswegs nur eine akademische Frage. Ein nicht unerheblicher Anteil der Parlamentarier hatte hinter dem jüngsten Umsturzversuch gegen die Imperatox gestanden, der für sie und alle anderen Beteiligten ziemlich schlecht ausgegangen war. Infolgedessen hatten der Ruf und die Beliebtheit des Parlaments den absoluten Tiefpunkt seit Jahrzehnten und womöglich seit mehr als einem Jahrhundert erreicht.
Das sollte etwas heißen, da sich ein Parlament fast nie durch Beliebtheit auszeichnete und es immer wieder als geeignetes Ziel für den Zorn von Lokalpolitikern benutzt wurde, die ihrem Wählervolk näher waren und ständig nach jemandem suchten, dem sie die Schuld an hausgemachten Problemen zuschieben konnten. Diese örtlichen Volksvertreter wie auch die Adelshäuser und Handelsgilden wären begeistert, wenn das Parlament der Interdependenz im Brennpunkt der Verärgerung ihrer Wähler und Geschäftspartner stände.
Und es wäre auch für Grayland II gar nicht so übel. Die junge Imperatox war der Liebling ihrer Untertanen, seit sie zwei Attentatsversuche und einen Staatsstreich überlebt hatte und weil sie das religiöse Amt der Imperatox auf eine Weise für sich beanspruchte, wie es keine/r ihrer Vorgänger/innen seit den Tagen von Rachela I. getan hatte, der Gründerin der Interdependenz. Jede weitere Abwertung des Parlaments würde ihr zugutekommen.
Unter diesen Umständen gelangte das Sonderkomitee, das keinen Plan hatte, wie der langsame Tod von Milliarden verhindert werden könnte, und keine einfache Möglichkeit sah, dieses Ergebnis angemessen in Worte zu fassen, zu der Schlussfolgerung, dass die beste Option in einer Verzögerungstaktik bestand. Das Parlament steckte den kleinen Schlag wegen Unentschlossenheit ein, worauf die Imperatox den deutlich größeren Schlag einstecken musste, dass sie die Überbringerin einer ziemlich schlechten Nachricht war. Grayland verfügte noch über genug Beliebtheit; sollte sie diese doch komplett verheizen.
In der Zwischenzeit buchten die Mitglieder des Sonderkomitees Flüge nach Ende, während ihre Wähler glaubten, dass diese noch einige Jahre lang verfügbar sein würden.
Ach ja, Ende.
Die einzige Ausnahme von dem Verderben, das jedem anderen System der Interdependenz drohte. Das einzige System mit einem Planeten, wo Menschen auf der Oberfläche herumspazieren konnten, ohne irgendeinen Anzug tragen zu müssen, wo das Land sie willkommen hieß, statt sie in verdorrte Mumien zu verwandeln, wo die Sonne ihre ungeschützten Gesichter wärmte, statt sie mit harter Strahlung zu bombardieren und ihre DNS zu braten.
Das hieß, abgesehen von der Tatsache, dass die Bewohner von Ende wussten, was auf sie zukam: eine plötzliche und übermächtige Welle von Flüchtlingen aus dem Rest der Interdependenz, deren schiere Anzahl die Fähigkeit des Planeten übertreffen würde, sie zu verkraften. Die Frage war nicht, ob sie kommen würden. Sie würden kommen. Sie waren bereits unterwegs. Die Frage war, wie viele kommen würden – ob es Millionen wären, die den Planeten belasten würden, oder Milliarden, die ihn zerstören würden.
Außerdem war da noch dieser blöde Bürgerkrieg im Gange, was es für jeden sehr schwierig machte, sich auf irgendetwas vorzubereiten.
Allerdings wurde es dadurch für einige leichter, andere Dinge zu tun. Der Bürgerkrieg konzentrierte sich hauptsächlich auf die größeren Städte und einige strategisch wichtige Transportrouten. In den abgelegenen Provinzen beanspruchten geschäftstüchtige Farmer Ländereien, die ihnen – streng genommen – gar nicht gehörten, für sich und bereiteten sie für die landwirtschaftliche Nutzung vor. Das war genau der ökologische Albtraum, den man erwarten würde, doch da der (amtierende) Herzog von Ende damit beschäftigt war, seinen Kopf nicht an Vrenna Claremont ausliefern zu lassen, gab es niemanden, der die Farmer aufhielt, die sich ohnehin damit rechtfertigten, dass sie sich auf die wenigen einheimischen Nutzpflanzen und -tiere beschränkten, die für Menschen als Nahrung geeignet waren – was konkret hieß, dass dies die einzigen landwirtschaftlichen Erzeugnisse waren, die nicht zur Wahrung eines Monopols genetisch verändert worden waren.
Diese Landwirte hatten damit nicht ganz unrecht, was jedoch keineswegs den Landraub oder die Rauchwolken am Himmel verminderte, wenn Tausende von Quadratkilometern abgefackelt wurden, um Nutzflächen zu gewinnen, die nicht annähernd genug waren, um die Millionen oder Milliarden zu ernähren, die auf dem Weg nach Ende waren.
Worauf einige dieser ehrgeizigen Landwirte hingewiesen wurden, die darauf sinngemäß antworteten: Klar, aber das wird noch Jahre dauern. Irgendjemand wird eine Lösung finden. Und wenn das passiert, werde ich reich sein.
Und so stand es um die Interdependenz in den frühen, aber auch nicht mehr allzu frühen Tagen des Kollapses der Ströme. Alle wussten, was kommen würde. Manche bereiteten sich sogar vor und dachten voraus. Doch letztendlich gingen alle davon aus, dass sich irgendeine Lösung finden würde, wie sich die Zivilisation retten ließ, in der sie lebten und von der sie sich nicht vorstellen konnten, dass sie tatsächlich unterging. Irgendjemand würde eine Lösung finden und sie retten. Sie und alle anderen würden überleben.
Das war eine nette Vorstellung.
Nur dass sie nicht der Wahrheit entsprach.
Zumindest noch nicht.