Dante Gabriel Rossetti,
Ford Madox Brown, 1852.

Bleistift, 17,1 x 11,4 cm.

National Portrait Gallery, London.

 

 

 

Ford Madox Brown
(Calais, 1821 – London, 1893)

 

 

Der Vater von Ford Madox Brown war ein Verwaltungsbeamter der Marine und stand kurz vor der Pensionierung, seine Mutter stammte aus einer Familie in Kent. Sein Großvater väterlicherseits war der schottische Doktor John Brown, der Begründer der Brownschen Theorie, deren Anhänger sich Brownisten nannten. Ford Madox Brown hatte keine Geschwister. In seiner Jugend reiste er zwischen England und dem Festland hin und her. Im Alter von sechs bis sieben Jahren entwickelte er einen starken Hang zum Malen und Zeichnen. Ab 1835 nahm er in Brügge bei Gregorius, einem Schüler von Jaques-Louis David Unterricht, aber den grundlegenden Teil seiner Ausbildung erhielt er ab 1837 unter der Schirmherrschaft von Baron Wappers, der in Antwerpen als Autorität galt. Schon in sehr jungen Jahren zeigte Brown sowohl in der Malerei als auch in der Zeichnung eine bemerkenswerte Kraft in der Geste, wie ein Porträt seines Vaters zeigt, das er als Fünfzehnjähriger schuf.

Brown war mit neunzehn Jahren Waise geworden und lebte bescheiden, er konnte trotzdem nach Europa reisen. Von 1840 bis 1843 wohnte er in Paris und heiratete 1841 seine Kusine Elizabeth Bomley. Im Jahr 1844 kehrte er nach London zurück. Brown durchstreifte 1845 und 1846 Rom und bewunderte dort die Arbeiten der Nazarener, einer kleinen Gruppe junger deutscher Maler des 19. Jahrhunderts. Sie vertraten die Meinung, dass die Kunst einem moralischen oder religiösen Ziel dienen sollte und setzten sich auch für eine Rückkehr zum Geist des Mittelalters ein.

Brown ließ sich dann 1846 in London nieder. Seine Frau starb an Tuberkulose und hinterließ eine Tochter, Lucy, die 1874 William Michael Rossetti heiratete. Kurz nach dem Tod seiner Frau heiratete Brown Emma Hill, die für viele seiner Bilder Modell stand. Im Jahr 1848 suchte Rossetti Brown auf, der damit einverstanden war, ihm Unterricht zu geben. Durch Rossetti kam Brown in Verbindung mit den Präraffaeliten, als deren Anreger er sogar manchmal betrachtet wird, obwohl er die Mitgliedschaft abgelehnt hat.

Browns Kunst zeichnet sich durch die höchst dramatische Inszenierung historischer Momente aus. Die Wirkung des Gesamtbildes wird durch die genaue Aufmerksamkeit für jedes Detail verstärkt. So sieht man zum Beispiel in Chaucer am Hofe Edwards III., das er 1845 in Rom begonnen und 1848 in London vollendet hat, in der Menge der Figuren Mitglieder der Präraffaelitischen Bruderschaft, deren Prinzipien, wie etwa die Naturtreue, er zum Teil übernahm. Davon zeugen seine Landschaften wie Ein englischer Nachmittag. Am Anfang seiner Laufbahn benutzte er genau wie die Präraffaeliten die Landschaften als Hintergrund, später setzte er sie als Themen für sich ein. Die Natur wird darin nicht verherrlicht, sondern so beschrieben, wie sie ist - und genau das warf ihm Ruskin vor.

Brown hatte aber auch eine Leidenschaft für zeitgenössische Themen. In Nehmt Euren Sohn, Herr! geht er das Thema der Prostitution an, so wie auch Rossetti in Gefunden. In dem Bild Arbeit behandelt er das Thema der neuen Industriegesellschaft und verherrlicht die Fortschritte des modernen England und schließlich untersucht er in Letzter Blick auf England die wirtschaftlich bedingte Auswanderung, an die er selbst manchmal denkt, wenn seine Karriere auf einem Tiefpunkt angelangt ist. Dieses Bild wurde durch die Abreise des präraffaelitischen Bildhauers Thomas Woolner angeregt. Brown organisierte 1865 unabhängig von der Royal Academy eine Ausstellung seiner Werke in London, in deren Mittelpunkt das Bild Arbeit stand. Parallel zu seiner Tätigkeit als Maler schuf Brown auch mehrere Entwürfe für Glasfenster und arbeitete bis 1874 mit der von William Morris gegründeten Designfirma Morris, Marshall, Faulkner & Co zusammen. Er malte auch zahlreiche Porträts und Selbstporträts. Ab 1878 widmete er sich der Ausschmückung des Rathauses von Manchester.

Brown war nie ein sehr gut bezahlter oder bekannter Künstler. Bis zur Mitte seines Lebens hatte er materielle Schwierigkeiten und selbst als sich seine Situation verbesserte, wurde er nie reich. In seiner Jugend sah es zwar so aus, als ob er ein erfolgreicher Maler werden würde, aber nach einigen Enttäuschungen und Schwierigkeiten nahm sein Leben eine andere Richtung. Gelegentlich hielt er auch Vorlesungen. Er litt seit 1868 an Gicht und starb im Oktober 1893 nach einem Schlaganfall.